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Der Israelit · 1902-12-04 · Heft 96 (4.12.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 96 (4.12.1902)
Date
1902-12-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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und schlimmer. Hausen als die Antisemiten; denn christliche Mitbürger und Gehilfen find ihnen lieber als wie Zionisten. Aus der Synagoge machen sie das reinste Theater, indem sie sogar christliche Sänger für die Jomim Noroim (hohe Feiertage) anwerben, damit die Herren und Damen, welche jährlich einmal ihrem Herrgott ein Rendezvous geben, eine hübsche Unterhaltung haben. Gegen die vornehm und höher gestellten Christen zeigen sie eine erniedrigende Liebedienerei, womit sich die Großmogule und ehrsüchtigen Judenobern eine Auszeichnung ergattern, die sie nicht verdienen, weil sie verwerfliche, verbrecherische Mittel anwenden, um Macht und Einfluß zu gewinnen. Die Reichen begründen eigene Dynastien, die in ihrer rücksichtslosen Gemeinheit vor nichts zurückschrecken, um die minderbemittelten Bürger ganz in wirthschaftliche Abhängigkeit zu bringen. Wozu aber einen solchen zweifelhaften Finanzadel erhalten, der ein elendes Schmarotzerthum führt und sich von den Schweißtropfen des Volkes mästet?!" Die Antwort auf dieses recht derbe und zu Mißverständnissen durchaus nicht den geringsten Anlaß, gebende Flugblatt blieb auch nicht aus: In einer der letzten großen Wahlversammlungen vor der Wahl kam es zu lärmenden Auftritten zwischen „liberalen" Juden und Zionisten, als der Rechtsanwalt Marzell H o f m a n n von letzteren sagte, sie seien Anarchisten und viel gefährlicher als die Antisemiten; denn unter diesen seien doch gebildete Männer, welche die anständigen Israeliten gewähren lassen und nicht belästigen, wie es die Schnorrer und ihr Anhang thun. (Unbeschreiblicher Spektakel.) Die Zionisten sind die Todfeinde des Judenthums. (Erneuter furchtbarer Lärm. Rufe: Abzug Marzell, selber Schnorrer!) Die Zionisten hätten unseren in Ehren weiß gewordenen Rabbiner Gü bemann, der als Priester, Mensch, Redner, Gelehrter, Forscher und Schriftsteller auch von den Antisemiten mit Achtung genannt wird (?), mit Koth und faulen Eiern beworfen. (Rufe: Pfui! Schande!) In dieser Weise -tobte die Radau-Versammlung weiter, bis ihr die vorgerückte Stunde ein Ziel setzle." Natürlich zieht die Antisemitenpresse aus derartigen Vorgängen die entsprechenden Consequenzen und mit unverkennbarerer Schadenfreude ruft die edle „Staatsbürgerin" aus: Was würde Juda wohl schreien, wenn irgend ein Antisemit eine derartige' Sprache.führen wollte. Als die sich freuenden Dritten sagen sie natürlich, daß ihre Behauptungen zutreffen müßten, da sie dieselben hier von Juden selbst bethätigt finden. Angesichts solcher unverhohlener Freude dürften Zionisten und Liberale doch zur Besinnung kommen und einsehen lernen, daß . eine derartige Kampfesweise dem Judenthum keinen Nutzen bringen kann. . . / R ußla n d. ' Petersburg. Folgenden interessanten, aber Herz-, beklemmenden Fall von Zurückweisung jüdischer, nach Bildung strebender Jünglinge berichten hiesige Blätter:. Abraham Braunstein, Sohn eines armen Angestellten aus dem Städtchen Tschimischlija, im Gouvernement Vessarabien, hat ohne Lehrer und Hilfe die Prüfungen für die vierte Klasse der Realschule in Kamrot glänzend. bestanden. Allein der Direktor der Realschule verlangte von Braunstein die Beibringung einer polizeilichen Bestätigung, daß er das Wohnrecht in Kamroth, welches in einer Entfernung von 60 Werst von der Grenze liegt, genieße. Die Polizei verweigerte ihm die gewiinschte Bestätigung. Er überreichte eine Beschwerde an den Senat. Aber es verstrich inzwischen ein volles. Jahr, die Entscheidung blieb noch immer aus! Da meldete sich Braunstein zu den Prüfungen für die fünfte Klasse an, er bestand auch diesmal die Prüfungen glänzend, wurde dennoch zum Besuche der Schule nicht zugelassen. In diesem kritischen Augenblicke langte , die Entscheidung des Senates an, wonach hem Veschwerdeführer der Aufenthalt in Kamrot bis auf Weiteres gestattet wurde. Auch das Ministerium des Innern räumte ihm dieses Recht ein." Allein der Direktor wies auch diesmal den armen Judenknaben zurück. Die von Braunstein dem Kurator des Qdessaer Lehrbezirks überreichte Beschwerde wurde nun dahin beantwortet, daß der Ukas des Senats noch keinen genügenden Grund bildet, um Braunstein die Pforten der Realschule von Kamrot zu öffnen, weil dazu angeblich das Recht des beständigen Aufenthaltes nöthig sei, während der Senat ihm dieses.. Recht nur.bis auf Weiteres eingeräumt hatte.. Im Einvernehmen der russischen Ministerien des Innern und des Aeußern wurde dem russischen Generalkonsul in London gestattet, der jüdischen Wohlthätigkeits-Gesellschaft Passierscheine auszufolgen, um die jüdischen Emigranten aus Rußland, welche ohne Paß ihr Vaterland verließen und jetzt dahin zurückkehren wollen, damit zu versehen. Von dieser Erlaubniß, welche als Versuch ertheilt wurde, sind die Gouverneure und das Polizei-Departement in Kenntniß gesetzt worden mit der Beifügung, daß die Passierscheine die rückkehrenden Juden von gerichtlicher Verfolgung wegen heimlicher Ueberschreitung der Grenze und von Bezahlung der Paßsteuer nicht befreien!? Amerika. ' Newhork, im Nov. 'T (Die Juden von N e w y o r k.) Wann haben die Juden begonnen, nach Amerika auszuwandern? Maurice Fischberg behaupt: i in der Newyorker „Review of Reviews", daß' die erste'?. Juden schon mit Christoph Columbus nach Amerika kamen. Unter seiner Schiffsmannschaft sollen fü::? I Juden gewesen sein. Als Neu-England in ein: '. Staatenbund (Ver. Staaten) umgewandelt wurde, gab

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