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Der Israelit · 1902-12-04 · Heft 96 (4.12.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 96 (4.12.1902)
Date
1902-12-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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'2080 in der juristischen Fakultät u. s. w. Ob aber dieses Phantasiegebäude mehrere Millionen Werth ist, eine Summe, mit der man mit Leichtigkeit tausend jüdische Kolonisten irgendwo unterbringen könnte, nlöchten wir füglich bezweifeln. Wir wollen zwar zur Ehre der zionistischen Bewegung annehmen, daß das Hochschul- Projekt mehr oder minder ein Seitensprung weniger zionistischer Outsiders ist. Laffen sich aber die Führer und leitenden.Männer der Bewegung, durch das im zionistischen Licht betrachtet. Glänzende des Gedankens soweit verblenden, um darauf.einzugehen, so wird das sicher auch von all' denen bedauert werden, die bisher in dem Zionismus einen gesunden Kern erblickt haben. ZMrMSsrs6chsichL,es rmd EsVsefpEdsmerr. Deuts chland. AuS Lnddeutschland. Das Vorgehen Amerikas in der rumänischen Judenfrage scheint uns von der jüdischen Preffe noch immer nicht in seinem ganzen Umfange gewürdigt. Endlich und zum ersten Male intervenirt ein Staat gegen internationales Unrecht, um im Namen der Menschlichkeit gegen das Vorgehen des rumänischen Staates in Bezug auf die unmenschliche Behandlung der Juden in Rumänien Einspruch zu erheben. ', Seit Jahren ist diese Verfechtung der Grundsätze des internationalen Rechtes und der Gerechtigkeit das einzige Lichtbild in der .antisemitischen Bewegung auf dem Erdball. ~ Wohl behaupten die Gegner, daß Amerika bei jener Intervention nur sein materielles Interesse im Aug; hatte, allein diese Behauptung wird dadurch hinfällig, daß Amerika, um.sich die rumänischen Juden fern zu halten, genügend Handhabe in seinen Einwanderungsgesetzen hat. Es ist also ganz zweifellos, daß Amerika in dieser Note lediglich den Humanitätsstandpunkt geltend machen wollte, was festzustellen von Wichtigkeit ist. denn bislang gab es keine Macht auf der Welt, die es für nöthig erachtete, gegen die Unterdrückung der Juden die Regeln der Moralphilosophie anzuwenden. Auf einmal fordert eine Republik ein internationales Unrecht im Namen der Menschlichkeit zu beseitigen! Und welche Lehre können wir Juden daraus ziehen?. . - Diesem Menschlichkeits-Protest im ideellen Sinne uns anzuschließen, alle möglichen und gesetzlichen Schritte zu veranlassen,, um den Protest des ganzen Judenth.-ms zum Ausdruck zu bringen.' Vor Allem aber und zwar so lange diese Unmenschlichkeit dauert, möge jeder überzeugungtreue Judr es zu verhindern suchen, daß mit seinem eigenen Gelde seine eigenen Glaubensgenossen drangsalirt werden. Hunderte von Juden gibt es, die noch heute Gelder in rumänischen Staats-Renten anlegen oder damit spekuliren. Und mit diesem Gelde werden die Handlanger bezahlt, welche die Austreibung unserer Glaubensgenossen ausführen. Es ist schwer zu begreifen, wenn heute der reiche Jude Gelder in rumänischen Renten anlegt, und es ist höchste Zeit, daß wir Rumänien nahe legen, daß das Judenthum soviel Selbstachtung und Solidarität besitzt, um sich aus diese Weise abwehrend zu bethatigen. Subdirektor I. Mayer, München. Cdclfingeu (Württemb.). Ein selten großer Leichenzng bewegte sich am 15. v. M. durch unseren Ort dem israelitischen Friedhof in Unterbalbach zu. Galt es doch dem angesehenen und beliebten Gemeindemitglied Salomon Heß die letzte Ehre zu erweisen. Freunde von nah und fern waren herbetgeeilt und legten Zeugniß davon ab, wie der nunmehr Selige als Bürger, als Israelit, als Freund der Armen und Bedrückten geschätzt und hochgehalten war. Herr Lehrer Kahn. führte dies Alles in einer erhebenden Ansprache aus und tröstete die zahlreich trauernden Hinterbliebenen mit dem Hinweis darauf, daß der Verblichene durch sein selbstloses, edles Wirken dauernd fortleben wird" in hiesiger Gemeinde. n~sjn. Oesterreich. Wien, 1. Dez. Tieftraurig ist es zu sehen, welche Formen der Kampf unserer Glaubensgenossen untereinander in der österreichischen Kaiserstadt angenommen hat. Bisher konnten bei den sprichwörtlich gewordenen Vorgängen im österreichischen Parlamente sich die Juden stolz in die Brust werfen und ausrufen: So was ist doch in jüdischen Kreisen undenkbar. Seit den vor einigen Tagen stattgehabten israelitischen Vorstandswahlen ist das nicht mehr möglich, die Wiener Juden sind würdige Schüler ihrer gesetzgebenden Vorbilder geworden. Man schreibt uns darüber: „Vor einigen Tagen haben in Wien die Vorstandswahlen für die jüdische Kultusgemeinde stattgefunden, bei denen die Zionisten trotz lebhaftester Agitation geschlagen wurden, während die „liberalen" Juden den Sieg davontrugen. Der Wahlkampf war ein äußerst heftiger: „Hie Zionisten — hie Misrachwandjuden" — war die Parole. (Misrachwandjuden werden diejenigen genannt, welche auf der ersten Bank der Synagoge sitzen.) Diese wurden in einem zionistischen Wahlflugblatt folgendermaßen geschildert: „Ueber das Schicksal der jüdischen Gemeinde entscheiden die Bankiers, Großhändler, Advokaten und ihr Troß. Sie bilden eine Clique, welche ihre Ueberlegenheit mit bornierter Unverschämtheit rücksichtslos ausnützen, volksverrätherische, dumme Beschlüsse fassen

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