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Der Israelit · 1902-12-04 · Heft 96 (4.12.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 96 (4.12.1902)
Date
1902-12-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43. Jahrgang. mm Mm Jüdische Hochschule in Palästina. Die Begründung einer jüdischen Universität in Palästina planen, so berichtet ein Londoner Blatt, die Führer der Zionistenbeivcgnng. Israelitische -Finanziers svllen ichon 1 Will. FrcS. sür die Kosten des Planes, der - im Ganzen etwa 12 Biill. FrcS. erfordert, garantirt haben. Gleichzeitig ist ein Plan im Gange, eine vollständige . Geschichte des jüdischen Volkes vorzuvereiten. Es ist eine alte Erfahrung, daß diejenigen politischen Parteien, denen es in erster Linie darauf ankommt, die Masse der Bevölkerung mit allen erdenklichen MltLohr'an sich zu ketten, stets bemüht sind, neue sensationelle Ideen auf's Tapet zu bringen, die sich freilich bei einigem besonneneren Zusehen meist als utopistisch erweisen, dessenungeachtet aber für den Augenblick die Massen zum Interesse dieser Parteien in ständiger Bewegung halten, indem sie ein temporäres Stagniren des politischen Lebens verhindern. . Diese Erfahrung gilt — cum grano salis —auf für die „Partei" innerhalb des Judenthums, die in mancher Beziehung ähnlich der extremsten politischen Partei ist, und die unseren Lesern als Zionismus ja nicht unbekannt ist. Auch sie ist darauf angewiesen, um die alten Anhänger fester an sich zu ketten, stets mit imponirenden Projekten an die Öffentlichkeit zu treten. Und so dürfen wir uns auch nicht allzusehr wundern, daß, nachdem seit geraumer Zeit die unternehmungslustigen Kopfe der Herren Zionisten gefeiert haben, plötzlich wieder ein neues Projekt auftaucht. Lachen Sie nicht, lieber Leser, es handelt sich wirklich nicht um einen mit dem Herannahen der Faschingszeit in Verbindung zu bringenden schlechten Spaß, sondern blutiger Ernst ist es, wenn auf zionistischer Seite mit Macht jetzt die Errichtung einer „jüdischen Hochschule in Palästina gefordert wird. Auf den ersten Augenblick erscheint dieser Gedanke so absurd, daß wir uns fast bemüßigt sehen, mit mitleidigem Lächeln darüber zur Tagesordnung überzugehen, und es erscheint uns völlig unbegreiflich, daß Leute, die ernst genommen werdm wollen, derartige geradezu dem Fluch der Lächerlichkeit verfallenen Ideen aufbringen, denen auch die „Methode", die oft -„im Wahnsinn..liegt," nicht zugesprochen werden kann. Denn methodisch verfahren heißt doch wahrhaftig nicht, die kulturelle Hebung eines Landes mit der Errichtung einer Hochschule zu beginnen. Man mag dem Zionismus freundlich oder feindlich gegeniiberstehen, mit einem nur ein wenig gesunden Menschenverstand muß man sich aber sagen, daß es unmöglich ist,' in einem Lande, das leider völlig verarmt und herabgekommen ist, die denkbar schlechtesten Erwerbsverhältnisse hat, ein Centrum moderner europäischer Kultur zu errichten. Aber halt! Die Zionisten wollen ja hier die Erwerbsverhältnisse verbessern, eine blühende Landwirthschaft und Industrie in's. Leben rufen, warum also nicht auch eine Hochschule errichten? Recht schön gesagt; aber haben die Herren'. Zionisten vielleicht schon gehört, daß mit der Gründung der Universität Berlin oder der technischen Hochschule in Darmstadt die Entwickelung der deutschen Kultur, begonnen hat?' Man wird zuerst über diesen Ideen- - gang vielleicht lächeln; aber er bedeutet nichts anderes,. ’ als die Uebersehung des zionistischen Hochschul-Gedankens in unsere deutsche Külturentwickelung. Es ist dasselbe, wie wenn man den Bau eines Hauses mit der Errichtung des Dachfirstes beginne. Wer sich nur über die elementarsten Dinge der Volkswirthschaftslehre, in der ja so viele zionistische Führer als Größen hervorragen sollen, klar geworden ist, der müßte wissen, daß von einer Hochschule, also einem Sammelpunkt des geistigen Lebens einer Nation nur dann die Rede sein kann, wenn auch ein kräftig pulsirendes. geistiges Leben vorhanden ist, die Existenz eines solchen aber unter dem Drucke der fast unbeschreiblichen Roth der palästinensischen Juden kaum vorhanden sein dürfte. Betrachten wir nun den Hochschulgedanken von einem zweiten, für die Zionisten in Betrachtkommen-." den Gesichtspunkte, d. h. sehen wir, wie eine solche Hochschule sich als Asyl für solche jüdische Jünglinge, deren Vaterland sie durch barbarische Gesetze von dem Studium an heimischen Hochschulen ausschließt, .ausnimmt. Es .ist gewiß eine betrübende Erscheinung, daß hochintelligente russische und rumänische Juden nur wegen ihres Glaubensbekenntnisses von der Bahn abgehalten werden, auf der sie für die Menschheit viel Segensreiches wirken könnten. Und von besonderer Humanität zeugt es auch nicht, daß man in letzter Zeit auch an vielen deutschen Universitäten jüdisch-russische Musensöhne nicht gerade gastfreundlich behandelt hat.. Aber ist wirklich denn diese partielle — und es handelt sich nur um eine partielle — Ausschließung russischer Juden von einigen deutschen Universitäten so tragisch zu nehmen. Ist es nicht möglicherweise besser, wenn durch eine Beschränkung der Zahl dieser Studenten, die wir dessenungeachtet freilich als Intoleranz, auf's schärfste verdammen, der Eine oder Andere von der Alma Mater zurückgehalten wird, als wenn durch eine jüdische Universität eine Menge jüdischen Gelehrtenproletariats hervorgebracht wird in einem Lande, das. aus den schon ausgeführten Gründen für diese keine! Verwendung hat. Wir geben ja gerne zu, $ ist eine recht schöne und blendende Jdeen-Association: Jüdische Universität, Dr. Herzl, Rektor magnificus, Nordau. Rektor, Gronemann oder eine andere Größe Professor

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