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Der Israelit · 1902-12-04 · Heft 96 (4.12.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 96 (4.12.1902)
Date
1902-12-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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2027 : Jahr 1901 eines der ungünstigsten in letzter Zeit war. gingen in den landwirthschaftlichen Verhältnissen große Veränderungen vor. Die „Jewish Col. Assoc.", an welche die von Baron von Rothschild in Palästina gegründeten Kolonien abgetreten worden sind, ist bemüht, durch rationelles Vorgehen und Ankauf weiterer Ländereien, vorwiegend bei Safed und Liberias, ihr Unternehmen nicht allein zu vergrößern, sondern auch Nutzen daraus zu ziehen. Ackergeräthschaften modernsten Systems werden verwendet und mit der Bebauung in systematischer Weise vorgegangen." K e n i 11 t t o n. Bis den Wes eines tlebnWW. Nach dem Hebräischen von M. E. GisettstaDt. im 27. Adar. Lieber Freund! Meine Ahnung hat mich nicht getäuscht. Paltiels Mutter, die Wittwe, ging von Haus zu Haus und bat und flehte Alle an, fortan sich die Briefe auf die Adresse ihres Sohnes schicken zu lassen, da er der einzige Ernährer seiner Mutter und Schwester sei. Auch Paltiel selber war nicht müßig und setzte alle Hebel in Bewegung. Ich ließ den Dingen ihren Lauf und unternahm nichts gegen ihn, da mir dies mein Gewissen verbot. Somit hat sich die Stadt in zwei Parteien getheilt. Die Wittwe kam auch zum Rabbiner und vergoß heiße Thränen. Paltiel seinerseits brachte dem Direktor ein Geschenk aus der Gouvernementsstadt mit, was augenscheinlich die Wirkung nicht verfehlte. Als ich nämlich Tags darauf in der Post erschien, blickte mich der Herr Direktor eigenthümlich mürrisch und scheel an. Natürlich beeilte ich mich noch an demselben Tage, ihn durch das bewährte Mittel milder zu stimmen, und heute, war er schon wieder freundlich. Doch wie lange wird das Vorhalten? 7. Nissan. Lieber Freund! - Die Stadt hat sich in zwei Lager gespalten. Das eine ist zu Paltiel Lbergegangen und das andere ist mir treu geblieben. Für jeden Fall ist es mir klar geworden, dgß die. Tage meiner Würde als Briefträger unserer Heimathstadt gezählt sind. Diese Woche habe ich kaum drei Rubel eingenommen. Davon mußte ich noch für den Direktor eine Flasche Cognac kaufen. Die Zahlung der Raten von je fünfzig Kopeken an meinen Schwiegervater und an den Geldverleiher habe ich einstellen müssen. Letzterer erschien daher.heute bei mirnnd verursachte einen stürmischen Auftritt' Ich:bin in der größfen Verlegenheit. > 18. Nissan. .! . Lieber Freund! Paltiel ließ in der Stadt bekannt machen, daß er bereit sei, Adressen ganz unentgeltlich zu schreiben, auch' hat er den Preis für das Vriefschreiben Herabgesetzt./ Oftmals kam es auch vor, daß er von armen Frauen absichtlich keinen Briefträgerlohn annehmen wollte. Daher fingen auch die wenigen, die mir treugeblieben waren. an, mich eine nach der anderen zu verlassen. Um aber nicht so schmählich und ohne Kampf vom Platze zu weichen, beeilte ich mich meinerseits ebenfalls,, kund zu machen, daß ich für jeden einfachen Brief nur eine Kopeke als Briefträgerlohn verlange, nichts weiter,' auch wollte ich Adressen umsonst schreiben. Diese Woche, habe ich nur noch einen Rubel eingenommen. Natürlich sehe ich mich im Stillen nach einer anderen Beschäftigung um, und wenn ich nur etwas, sei es auch das geringste, .finde, lasse ich die Briefträgerei' alsbald fahren. Ich kann wahrlich nicht länger umsonst den ganzen Tag die Füße wund laufen, am Abend umsonst Adressen schreiben und noch dazu diese unedle und . erniedrigende Konkurrenz betreiben, die mir herzlich zuwider ist. . Am Rüsttage des Wochenfestes. ... Lieber Freund! - / Im Verlaufe dieser Woche war: Dein-Brief-der letzte, den ich auf meine Adresse erhalten habe'. ' Von nun ab komme ich überhaupt nicht mehr zur Post. Wozu auch? Ich bilde ja nur das Gespötte meines glücklichen Nebenbuhlers. Als ich letztens einmal im Postgebäude erschien, schwebte ein höhnisches Lächeln um seine Lippen, das deutlich zu mir sagte: „Du hast hier nichts weiter zu suchen, lieber Freund, Deine Zeit ist um, gib Dir ferner keine Mühe und bleib schön zu Hause. Das ist das Gescheidteste." Das ist in der Thai das Gescheidteste, und ich werde darum fortan schön, zu Hause bleiben. Wir stehen mitten im Semester und' sind aller Mittel entblößt. Gott allein mag wissen, was aus uns werden wird. Ich bin gänzlich rathlos., " 2.^Thamus^M Lieber Freund! ' , . Wünsche mir Glück! Ich bin ... . Getreidehgndler! Du machst ein erstauntes Gesicht. Höre also jut, wie das gekommen ist. Wie Du weißt, wurde vor Kurzem ein Gesetz erlassen,, laut welchem nach einigen Äfonaten die Grenzen des Landes vor dem Exports von Getreide verschlossen werden sollen^. Mittlerweile war die Folge dieses Gesetzes eine ungewöhnliche Belebung t des Getreidehandels. Man rechnet nämlich aus, daß

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