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Der Israelit · 1902-12-04 · Heft 96 (4.12.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 96 (4.12.1902)
Date
1902-12-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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einfegnung, religiöser Ausspruch gerichtlicher Scheidung und Beerdigung, sowie die Ueberwachung aller rituellen und kulturellen Veranstaltungen und Betriebe. 2) Zu den Beschlüssen der Gemeindeverwaltung ist daher die Zustimmung des Rabbiners erforderlich, so . oft. es sich um Religionsangelegenheiten (Ordnung des Gottesdienstes, Ertheilung des Religionsunterrichts. Anstellung eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters, Einrichtung einer rituellen Badeanstalt n. s. f.) handelt. . 3) Die Gemeindeverwaltung trifft diejenigen Einrichtungen, welche nach Ansicht des Rabbiners religionsgesetzlich erforderlich sind. . 4) Der Rabbiner kann die zeitweise oder definitive Amtsentsehung des Religionslehrers, Vorbeters und Schächters beim Konsistorium beantragen. Vis zur Erledigung dieses Antrages stellt die Gemeindeverwaltung. mit Zustimmung des Rabbiners, einen geeigneten Verwalter an. 5) In den Verwaltungskommissionen haben die Rabbiner Sitz und Stimme behufs Ausübung ihrer vorgenannten Rechte. 6) In den Bezirkskonsistorien haben die Rabbiner des Bezirkes (bezw. eine von denselben gewählte Vertretung) Sitz und Stimme. . 7) Im Oberkonsistorium haben die Rabbiner des Landes (bezw. eine von demselben gewählte Vertretung) Sitz und Stimme. 8) Gegen die Entscheidungen des Rabbiners ist Beschwerde beim Bezirkskonsistorium, bezw. beim Oberkonsistoriüm zulässig. Vor Erledigung . solcher Beschwerden holen diese Behörden den Bericht des Rabbiners ein.:; .. s Mergentheim, 2. Dez. Bezüglich der Correspondenz aus Trier in der letzten Nummer Ihres Blattes diene als Gegenstück, daß der hiesige Verein „Israelit. Bezirksfriedhofverwaltung Mergentheim" (Friedhof zu Unterbalbach) ohne Anstand vom hiesigen Amtsgericht in's Vereinsregister eingetragen worden ist, obgleich dieser Verein sicher eine religiöse Tendenz hat, wie das auch Paragraph 1 des Statuts zum Ausdruck bringt. Da heißt es nämlich, daß der Verein einzig und allein die rituelle Beerdigung der Todten aus den betheiligten Gemeinden bezweckt. Es ist demnach im Falle/Trier jedenfalls nur unrichtig vorgegangen worden.^' -^ . Karlsruhe. Vor einigen Tagen starb dahier der emeritirte Religionslehrer der isr. Religionsgesellschaft, Samuel- Würzburger. Wer den Verstorbenem noch'in seinen besten ^hren gekannt hatte, wie er sich'- oft so leidend fühlte, der hätte dem braven und tüchtigen Manne kein so langes Leben (fast 87 Jahre) in Aussicht stellen können. Und wie war er m seinem hohen Alter noch so geistig frisch; « kVj w mro rü nr6. Es war ein seltener Genuß, mit dem ehrwürdigen Greise sich zu unterhalten. Schrift und Inhalt seiner Briefe trugen bis vor Kurzem noch ganz den Stempel jugendlicher Frische. Würzburger war . in Siegelsbach. Rabbinat Sinsheim, geboren und besuchte das evang. Seminar zu Karlsruhe, nachdem er vorher schon die Stelle Zeines Religionslehrers bekleidet hatte. In Karlsruhe war er durch seine hervorragenden hebr. und talmudischen Kenntnisse und seine Leistungen, besonders aus dem kantoralen Gebiete, ein Lieblingsschüler des sel. Oberraths Epstein. Seine erste Lehrerstelle nach seiner Entlassung aus dem Se-, ininare war Külsheim, in welch' großer Gemeinde er fast ein Menschenalter verbrachte und seine Schule durch seine Unterrichtsresultate zu einer-der ersten des Großherzogthums emporhob. Man muß den genialen' Lehrer in seinem Berufe gesehen haben. Me hatte er es verstanden, die Schüler geistig zu wecken; man mußte, ob man wollte oder nicht, ein Zurückbleiben gabs nicht. Unterstützt wurde seine Lehrgabe durch eine stramme Disziplin. Das talmudische "pT siti v'vV rriDv bestand bei all seinen Schülern. Der Wunsch, seine Kinder höheren Lehranstalten zuzuführen, veranlaßte ihn, die so lange innegehabte Stelle in Külsheim aufzugeben und eine solche bei der isr.' Religionsgesellschaft zu Karlsruhe anzunehmen, wo ihm eine Anzahl Mitglieder von seiner Seminarzeit her noch ihre Liebe und Verehrung bewahrt hatten. Auch hier wirkte er lange Zeit, bis ein körperliches Leiden ihn zwang, seinem Berufe zu entsagen. Da er von seiner geistigen. Frische nichts eingebüßt hatte, traf man den ehrwürdigen Greis immer bei seinen Büchern. Stets liebenswürdig im Umgang, tolerant auch gegen Andersdenkende, hat er sich viele Freunde erworben, die mit seinen zahlreichen Schülern ihm stets ein treues Andenken bewahren werden. War ms. S. Roths child. Pal ä st i na.- Jerusalem, 14. Nov. Unsere Stadt ist ganz von der Außenwelt abgeschlossen. In den Straßen hört man nur das Jammergeschrei der Armen. Die Theuerung steigert sich immer mehr. Arbeiten gibt es nicht und das Handwerk ruht, theils weil der Verkehr aufgehört hat, theils in Folge des anhaltendem großen Regens, der ja sonst sehr erwünscht ist. Der Kohlenpreis ist auf's Doppelte gestiegen. Me hier, ist auch in Jaffa große Theuerung. In Jaffa herrscht immer noch die Cholera; w Liberias ist sie neuerdings ausgebrochen. * Haifa. Der hiesige deutsche Konsul erwähnt die palästinensisch-jüdischen Kolonien in seinem letzten Jahresbericht mit folgenden Worten: „Trotzdem daS

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