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Der Israelit · 1902-12-04 · Heft 96 (4.12.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 96 (4.12.1902)
Date
1902-12-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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' f1**' H'P- 2022 man damals nur^bei der Konfirmation, finden zu tonnen vorgab.' Wie er aber im Grunde seines Herzens über dieses „melodramatische Konfirmations-Puppenspiel" dachte und urtheilte. das hat er im Band 8 seines Jeschurun in so klassischer Weise ausgesprochen, daß dieses Citat, : trotz seiner für den Rahmen dieser Aufsätze etwas 'großen Ausdehnung hier folgen möge. Unsere liberalen'Herren Rabbiner können noch etwas daraus lernen und dürften darin jedenfalls einen unschätzbaren Werthmesser für diese ihre hervorragendste That erblicken. Die Stelle findet sich in einer jener herrlichen pädagogischen Plaudereien, welche eine Erklärung des 711121 1112 ft - Problems und speziell die Bestimmung behandelt, welche das ganze.Gesetz auf die Zeit beschränkt,. in welcher der Knabe religiös-mündig, also 7r.SE 12 wird. Es heißt daselbst: „Nicht umsonst hat aber dieses Gesetz Gottes den jungen Menschensohn eben mit dem Antritte dieser Periode, wie man spricht, religiös mündig erklärt. In den Kämpfen, die seiner warten, gürtet Er ihn mit der Kraft seines Beistandes und kämpfend rüstet sich der jüdische Knabe zum Mann. Nicht umsonst wird er „Bar Mizwah", „Sohn des Gesetzes" genannt. Glücklich Eltern und Kind, wenn ihre ganze Arbeit am Kind darin bestanden, es mit Antritt seiner Kampfes-Aera der „Mizwah" überantworten zu können, daß es fortan also als Sohn des Gesetzes dastehe und fortlebe, wie es bis jetzt ihr. Sohn gewesen, daß fortan das Gesetz selber ihr Kind weiterziehen helfe und der Einfluß dieses Gott zu zollenden Gehorsams ihr mächtigster Gehilfe im Werke der Erziehung werde und nun das Werk vollenden helfe, das sie mit treuen . Händen vorbereitend eingeleitet. ,,Uebung" nicht Memoriren und Deklamiren, nicht Stammbuchverslein und ursurpirtec Priestersegen-Äktus, nichts von allem dem — Uebung, praktische Uebung aller einst im Ernste des Lebens zur ernsten Erfüllung kommenden Pflichten, das ist im Sinne des jüdischen Gedankens die Vorbereitung der jüdischen Knaben für den jüdischen Mann. Der jüdische Knabe, der an seinem Bar-Mizwa-Tage eines Mehreren bedarf, als in der Gottesgemeinde zum Buch des göttlichen Gesetzes hinzutreten und auszusprechen, daß er mit zu den von Gott „Erwählten" gehöre, um sein Gesetz zu tragen und zu erfüllen, und daß dieses Gesetz ein Gesetz unwandelbarer „Wahrheit" uyd der „Baum des Lebens" sei. den Gott in unsere Mitte gepflanzt/ auf daß jeder sich von dessen „Früchten nähre und das ewige Leben gewinne," — der jüdische Knabe, der eines Mehreren bedarf, als zu diesem Ausspruch sein 'N .inrr 1112 zu fügend und mit diesem "tue,, tief in seinem' Innern Gott das Weihegelöbniß seines Lebens auszusprechen. — dessen Vater wird schwerlich in diesem Weihemomentc seines Kindes vor Gott mit dem Ausspruche hinstehen, können:.nt itjntws» 'jisar, „wenn er Dir verloren geht, bin ich nicht schuld daran!" Und alles sonstige Gepränge, Priestersegen und Elternsegen, Glaubensbekenntniß und wie all die anderen Surrogate jüdischer Barmizwa heißen, sind nichts als ein zugestutztes Feigenblatt, um die Bloße der Zeit geschürzt. Hat man doch ohnehin schon durch die willkürliche Anberaumung der Zeit, zur Konfirmation gezeigt, daß die wirkliche, faktische Wahrheit in allen diesen Dingen nichts bedeute, und alles nur auf ein allmächtiges Gaukelspiel hinauslaufe. Gott, der allmächtige Schöpfer der Menschen und Setzer der Entwickelungs- und Sittlichkeitsgesetze,. Gott spricht in Seinem Gesetze ft V'xtz tt.t '2 und bezeichnet den Antritt des zurückgelegten dreizehnten Jahres als die entscheidenste Periode, mit deren Antritt der junge Mensch jüdischer Mann wird. Was thut's, das steht ja doch nicht in der Thora, das ist doch n u r. wie alle ftii7'V, alle Zahl-, Raum- und Zeit-Maßbestimmung des Gesetzes, Halacha le Mosche Missinai — und wir wissen ja heute, was es mit dieser „sogenannten" Halacha's le Mosche Missinai auf sich habe. Die haben jedenfalls gegen die höhere Rücksicht der viel größeren Innerlichkeit und des diel grösseren dramatischen Effektes einer größeren Versammlung von „Konfirmanden" und insbesondere gegen den Umstand zurückzutreten. daß, wenn der Var Mizwa-Knabe nach altjüdischer Sitte — „mittelalterlich" nennt man das alles — am wirklichen Varmizwa-Tage Var Mizwa würde, die armen Knaben aus dem Lande ja ohne die Einsegnung des Rabbiners" — dessen Segen ja nicht wie der Thautropfen an Millionen Stellen zugleich kommen kann — man denke sich, ohne die Einsegnung des Rabbiners Bar Mizwa werden würden, und ohne Rabbiner-Einsegnung kann man ja heute nicht selig werden, nicht im Himmel und nicht auf Erden! — Doch dies alles gehört nicht in unsere pädagogische Plauderei. Oder wenn man will, gehört es wohl hinein. Denn hat man wohl den Einfluß und den Eindruck berechnet, den diese Willkür und Aeußerlichkeiten-Sucht, mit der man dem jüdischen Knaben gerade in dem Moment entgegenkommt, in welchem er das „Gesetz und die Pflicht" mit dem ganzen Ernste der sich dem höheren ' Willen des göttlichen Gesetzes unterordnenden Mannes [ ergreifen, auf die junge Seele machen muß? Wenn wir H darauf aufmerksam machen zu dürfen geglaubt, wie die Zeitbestimmung des Gesetzes über den ungehorsamen i Sohn eben die Bar-Mizwa-Periode, als diejenige zu >: bezeichnen scheint, in welcher gerade die Richtung zum l Guten, zum Ernste des Lebens hervortreten müsse, so l erlaubten wir uns vor allem in der Hinsicht diese Bei merkung, um uns die Sorge nahe zu legen, eben diesem r, iü jedem jungen Menschen in dieser Zeit aufkeimenden ■ Pflichten-Ernst durch entsprechende, väterlich weise ' Behandlung und Pflege zu kommen. Rach unserer

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