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Der Israelit · 1902-12-01 · Heft 95 (1.12.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 95 (1.12.1902)
Date
1902-12-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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oder zur Unfähigkeit, für bürgerliche und politische Rechte oder zum Betrieb eines Handwerks oder Industrie sein sollte. Diese Bestimmung wurde ausdrücklich zum Schutze für die Juden ausgenommen und dann noch zum Schutze aller Nichtbekenner der orthodoxen griechischen Kirche erweitert. Die Gesetze, die nun Rumänien gegen di» Juden erlassen, verletzen den Vertrag, dem Rumänien seine politische Existenz verdankt. Nach Prüfung des Vorangegangenen wird man finden, daß nicht nur Präsident Rosenvelt den Präsidenten Grant und Harryson folgte, sondern noch mit größerem Rechte protestirte. Im Jahre 1872 nämlich, als Präsident Grant, Mr. Fisch zu Remonstrationen aufforderte, war noch kein Vertrag vorhanden, der Rumänien zur Duldung fremder Rassen verpflichtete, wie dies jetzt bei dem Berliner Vertrag der Fall ist. Außer der Remonstration bei den Rumänen selbst hat unsere Regierung auch die anderen europäischen Großstaaten ersucht, das Aufhören der Verfolgungen zu bewirken. Wer trotz alledem Sekretär Hay's Protest kritisirt, der weiß entweder von dem Vorstehenden nichts, oder hat es vergessen, daß, abgesehen von allen sonstigen Erwägungen, die Vereinigten Staaten nie, selbst wenn es zu ihrem eigenen Nachtheil war, Bedenken trugen, Unterdrückte, wo immer sie auch sein mögen, zu unterstützen. ZsUuNgsKsHriHSsK imv GssVe^sKvsrrzeK. D e u L s ch l a n d. Berlin, 28. Nov. Unsere hochmoderne Zeit mit „Ueberbrettel" und „Uebermensch" zeitigt auch auf dem Gebiete des Religiösen so viele „Ueberdinge", daß es nicht unberechtigt ist, auch in diesen Blättern einmal davon zu sprechen. Nebenbei bemerkt hielte ich es für Verschwendung von Zeit, Papier und Tinte, handelte es sich um eine nicht mehr außergewöhnliche Schrulle eines Reformrabbiners! Aber es handelt sich in unserem Falle um eine Sache, welche heiligste jüdische Interessen gefährdet, und deßhalb greife ich zur Feder; deßhalb flüchte auch ich mich in die Oeffentlichkeit! Ich sah nämlich vor wenigen Tagen einen sogenannten pi pes von zwei Reformrabbinern, te.p rvo) mittelst dessen die ehrwürdigen Herren einen ind inn veranlassen wollen für einen Mann, der sich civilgerichtlich von seiner Frau scheiden ließ, weil sie die eheliche Treue gebrochen. Die beiden Herren citieren auf einer „Postkarte" einige der'einschlägigen Codicesstellen — die wichtigsten sind weggelassin, ' aus Gründen,- die sich unserem Wissen entziehen — um darauf hin “boii?1 andern n'»i eine .12221 zu ihrem tb pce in dieser hochwichtigen r&nr, die doch umfangreiches Material voräussetzt, zu verlangen. Wissen die Herren nicht, daß in früheren Zeiten ihre gleichgesinnten Kollegen nicht den Muth hatten, sich in solch DTcr: mw zu mischen? Wissen sie nicht, daß sie alle derartigen Fragen den ausgesprochenen orthodoxen Rabbinern, gründlichen und ffijnn Ä'2 überließen? Und endlich, wissen die Herren nicht, daß ihre rechtsstehenden Kollegen einen ptrnp 11ns verweigern müssen, wenn eines der Brautleute durch einen 22, der von Reformrabbinern vollzogen wurde, geschieden ist? - Hoffentlich machen unsere orthodoxen Rabbinen gegen derartige Dinge Front, indem sie die Unterschrift zu diesem und ähnlichen 2221 nrrv irn rundweg ablehnen. Berlin, Ende Nov. Am 16. Nov. fand Hierselbst die Generalversammlung des „Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" und die Hauptversammlung der „Vodenkulturgesellfchaft m. b. H." statt. Der Verein hat stark an Mitgliedern und Jahresbeiträgen zugenommen. Das Stammkapital der Gesellschaft wurde von 20.000 Mk. auf 40,000 Mk. erhöht. Auf dem von der Gesellschaft erworbenen Gute Neuhof wurde eine befriedigende Ernte erzielt. Die Bauten für die Eleven sind errichtet und die Aufnahme wird vom 1. Januar 1903 ab erfolgen. Die Aufnahmebedingungen sind bei Herrn Dr. Ernst Tuch, Charlottenburg, Herderstraße 6, zu erfahren. Frickhofen (Westerwald), 28. Nov. (Goldene Hochzeit.) Die Eheleute Herr Nathan H 0 f - mann und Frau Henriette, geb. Liebmann, Hierselbst, feierten noch gesund und rüstig am 23. d. Mts. ihr 60jähriges Ehejubiläum. Aus der Ehe des Paares gingen acht Kinder hervor und konnte sich dasselbe einer blühenden. Schaar von 26 Enkeln und einem Urenkel erfreuen. Die Festrede hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Landau- Weilburg. Vom Kaiser und dem Großherzog von. Luxemburg _ wurde das Jubelpaar durch eine Geldspende ausgezeichnet. Für die Achtung, welche diese Familie in ihrem Orte genießt, spricht die Thatsache, daß der Gesangverein des Ortes ihr am Festabend ein Ständchen brachte, worauf vom Vorsitzenden eine herzliche Ansprache gehalten wurde. Q e st er reich. Wien, im Nov. (Die Commune gegen dieRettungsgesellschaft.) Jahraus» jahrein muß eine Anzahl von Leuten die parteigemäßen Antipathien der Wiener christlichsozialen Machthaber gegen die Rettungsgesellschaft mit einem unverhältniß mäßig hohen Preis bezahlen. Mit ihrem Leben nam lich. Jene armen Teufel, die, sei es in Selbstmördab

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