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Der Israelit · 1902-12-01 · Heft 95 (1.12.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 95 (1.12.1902)
Date
1902-12-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43. Jahrgang. Die Politik der Humanität New York, 18. November. Es ist ein Jrrthum, den Protest Sekretär Hay's gegen die Ausweisung der unglücklichen Juden aus Rumänien, als eine Abweichung der traditionellen Politik Amerikas, oder gar als Schaffung eines Präzedenzfalles feines diplomatischen Verkehrs anzusehen. Wir haben, erinnert die „Newyorker Times", wiederholt unsere Gesandten beauftragt, beim Auswärtigen Amt befreundeter Mächte,' bei denen sie accreditirr waren, Vorstellungen zu machen, und zwar hauptsächlich, um unser Bedauern über ähnliche Verfolgungsakte und unsere Hoffnung auf mehr Menschlichkeit in der Politik auszudrücken. Im Jahre 1870 schrieb Sekretär Fisch an unseren Petersburger Gesandten: Er soll dort die Sympathien Amerikas für die unglücklichen verfolgten Juden in der Wallachei und Moldau aussprechen und die Regierung veranlassen, energische Schritte gegen die Verfolgung zu thun, wie es ihr als Schutzmacht dieser europäischen Staaten zustehe. Sekretär E v a r t s schrieb im Jahre 1879 an unseren Wiener Gesandten: Trotzdem die Verfolgung der Juden in Rumänien nicht als conditio sine qua non für alle offiziellen Beziehungen mit Amerika zu betrachten ist, so soll doch diesen Beziehungen die Versicherung einer freundlicheren Behandlung der Juden vorausgehen. - Viele im selben Tenor gehaltene Beweisstücke aus unserer diplomatischen Correspondenz ließen sich noch erbringen. Ihre gemeinsame Tendenz dürfte wohl am deutlichsten in den von Sekretär Freilingshysen 1882 an unsere St. Petersburger Vertretung gesandten Instruktionen ausgesprochen seim „In den letzten Tagen gab das Rassen- und Glaubens-Vorurtheil und seine Folgen zu allgemeinem Mitleid Anlaß. Das amerikanische Volk hörte mit großem Bedauern von den Leiden der Juden in Rußland. Es mag ja sein, daß die Zeitungsberichte übertrieben, und auch die Privatmittheilungen nicht ganz der Wirklichkeit entsprechend sind. Man kann zwar ein gut Stück auf das Konto einer falschen Darstellung schieben, es steht aber fest, daß Dinge geschehen sind, die jeder humandenkende und gerechte Mensch nur verdammen kann ... . . . Suchen Sie energisch die Wiederholung .dieses Unrechts, zu verhindern und betonen Sie, daß die freundschaftlichen Beziehungen, welche zwischM Rußland und<den Vereinigten Staaten 'fjitxi scheu, uns hoffen lassen, daß die Regierung unbedingt dafür sorgen wird, daß die Verfolgung unserer un?. j glücklichen Mitbrüder aushören wird." . .. Im Jahre 1891 gab Sekretär B l a i n e. unserem ■, russischen Bevollmächtigten Charles Emory . Smith folgende Instruktion: „Es ist ein unausgesprochenes Gesetz, daß die Völker bei/ihren Handlungen auf die . Nationen Rücksichten nehmen, die durch diese Handlungen indirekt berührt werden. Wir sagen das mit . Bezug auf den Umstand, daß der Landungsküste der. Vereinigten Staaten täglich das Elend und die Hülflosigkeit der russischen Juden vor Augen geführt wird, welche auf dieses unglückliche Volk durch harte. Gesetze heraufbeschworen werden." ' ' So ist ein humanes Volk. Humanität war seit jeher eine der Triebfedern seiner Politik. Als civilisirter Staat suchte Amerika in Wort und That, soweit, es ihm möglich war, immer menschliches Elend zu mildern. ' . . ■ Aber dieses Eintreten für die Humanität war es nicht allein, was Sekretär Hay zu seinem Proteste.bestimmte. Unser, der Vereinigten Staaten eigenes In-, teresse, war ein zweiter, wichtiger Grund. Auch dieser Punkt ist ein historischer. So sandte im Jahre 1891 Präs. H a r r i s o n durch den Gesandten Vlai n e folgenden Protest nach Petersburg: /. „Wenn auch in aller Güte. doch, nicht minder ernst e weisen die Vereinigten Staaten die Regierung des Czarenreiches auf die Folgen der harten Maßregeln gegen die Juden hin. Durch antisemitische Hetzereien und durch unerträgliche Gesetze ist den Israeliten ihre Erhaltung und somit ihr Aufenthalt in Rußland .unmöglich. Sie wenden sich nun. — der Zutritt zu vielen. anderen europäischen Staaten ist Ihnen auch verschlossen — in so riesiger Anzahl den Vereinigten/ Staaten zu, daß es ihnen dort an Arbeit und Subsistenzmitteln fehlt. Man schätzt.die Zahl der in den letzten fünf Jahren eingewanderten Juden auf eine, Million. Der Süden ist ganz überschwemmt von einer. Niesenmenge, der alle Lebensbedingungen fehlen, so daß ihre Energie und Arbeitskraft gelähmt wird; eine Thatsache, die weder für sie,, noch für uns gut ist. Eine Ausweisung einer, solch' großen Anzahl Männer und Frauen ist keine lokale Frage. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Ausweisung aus einem. Lande den Hinweis auf ein anderes bedeutet. Dieses und die; Forderung der Menschlichkeit, erklären unsere Remonstration bei der russischen Regierung." - ,/./ ^'/ . Der Berliner Vertrag am 33. Juli 1878 zwischen - England, Frankreich, Deutschland, Rußland und", der Türkei, erklärt.Rumänien für,.unabhängig.' und in/Mui' / 44. Artikel die ses/ Vertrages. wurde' hestltmnt, daß /E ligionsverschiedenheit keinerlei Grund züm Ausschluß

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