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Der Israelit · 1902-12-01 · Heft 95 (1.12.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 95 (1.12.1902)
Date
1902-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2001 voin Korridor aus geheizt werden. Sämmtliche Raume sind selbstverständlich mit Warm- und Kaltwasserleitung und elektrischer Beleuchtung versehen. Ncpzin, 21. Nov. (Fürsorge-Bestrebungen.) Wenn unsere Altvordern sich aus ihren Gräbern erheben würden, so würden sie verwundert ihre Kövfe schütteln über die Mannigfaltigkeit der Bestrebungen auf dem Gebiete der Fürsorge, an denen wir Juden uns zu betheiligen gezwungen sind. Auch sie sorgten für die Armen und Unglücklichen, auch ihnen galt als höchste Pflicht das, worin sich heute noch die Wohlthätigkeit unserer edlen Glaubensgenoffen äußert. Die Ansprüche jedoch, die heute an die jüdische Wohlthätigkeit gestellt werden müssen, sind nicht nur wesentlich größere, sie bewegen sich zum Theil auch auf einem ganz anderen Gebiete. Als vor etwa zwei Jahren die Fürsorge-Erziehungs-Anstalt vom „D.-J. G.-B." gegründet wurde, da waren wohl wenig Juden von der Nothwendigkeit der Errichtung dieser Anstalt überzeugt. Und doch! Wie dringend war das Bedürfniß! Zahlen beweisen. Nach ll^jLhrigem Bestehen sind der Anstalt bereits ca. dreißig Zöglinge überwiesen, von denen schon mehrere als gebessert in die Lehre gegeben worden sind. Die Zeiten ändern sich eben! Auch unter uns Juden gibt cs Räudige. Ebenso dringend nothwendig, vielleicht noch notwendiger sind Erziehungsanstalten für schwachsinnige Kinder, sind jüdische Krüppelheime, sind jüdische Epileptikerheilanstalten, sind jüdische Jdiotenanstalten, ist eine jüdische Irrenanstalt. Lange noch wird es dauern müssen, ehe auf diesem umfangreichen Gebiete der Fürsorge wird Abhilfe ge- I schaffen worden sein. Aber es wird kommen! Die ] Judenheit wird sich auf die Dauer den Forderungen j nicht verschließen können, aus allgemeinen Mitteln An-! stalten für diese Unglücklichen zu schaffen. Zur Zeit i scheint es fast eine Unmöglichkeit zu sein, da die öffentliche Wohlthätigkeit in überaus reichem Maße in Anspruch genommen ist. Da bleibt nur eins übrig: Es muß Jemand das Risiko übernehmen und aus eigenen Mitteln eine Bahn, brechen auf diesem bisher von jüdischer Seite unbebautem Felde. Wenn dann erst einmal ein kleiner Erfolg aufzuweisen ist, so werden sich Mittel und Wege finden lassen, der hier herrschenden Nothlage abzuhelfen. Dieser- Gedanke leitet den Schreiber Dieses bei seinem Vorhaben. Fest überzeugt von der Nothwendigkeit oben genannter Anstalten - für Juden, will ich zunächst ein Erziehungsheim für geistig zurückgebliebene, noch bildungsfähige Kinder gründen. Zu diesem Zwecke wird ein Anstalisaeöäude in Niederschönhausen bei Berlin errichtet. . In der An-i staltsschule werden auch Kinder, die nicht dem Heim zur! Erziehung übergeben werden sollen, gegen entsprechende j Entschädigung sachgemäß durch geeignete Lehrkräfte unterrichtet. Es soll alles gethan werden, aus diesen unglücklichen Kindern Menschen zu bilden, die imstande sind, ihren Platz in dem Berufe, den sie erwählen, auszufüllen. Der Pensionspreis beträgt pro Jahr und . Kind ca. 1000 Mk. Um jedoch auch jetzt schon den unbemittelten Klaffen den Segen der Anstalt zu Gute ' " kommen zu lassen, soll bei zehn Zöglingen eine Freistelle . eingerichtet werden-für ärmere Kinder.- ' Wer von den geehrten Lesern in der Lage ist/zu dem mit Gottes Hilfe erfolgreichen Werke hilfreiche - Hand zu bieten, den bitte ich, mir beistehen zu wollen, / Interessanten auf mein Unternehmen hinzuweisen und . Prospekte über die Anstalt zu verlangen. V S. Ro sen baüm, Erziehungs-Inspektor in Repzin. Ans Württemberg. Herr Dr. Adolf Brüll aus Frankfurt a. M. hielt am 19. Nov. zu Stuttgart im „Verein für jüd. Geschichte und Litteratur" einen Vortrag über „Mischehen im Lichte der Geschichte und Wissenschaft." Das Resultat seines Vortrages ist: „Die Mischehen sind nach Bibel, Talmud und der neuen Theologie erlaubt!" Es dürfte , angebracht erscheinen, diese Leuchte der Wissenschaft der Oeffentlichfeit vorzuführen und namentlich den Eltern vor Augen ' zu stellen, was für einem Lehrer in Israel sie ihre unschuldigen, unverdorbenen Kinder anverirauen. Herr Dr. Brüll soll Religionslehrer in einer Frankfurter Schule sein.' Derselbe Herr hat vor einigen Jahren in Stuttgart eine biblisch verbotene Ehe.eingesegnet. Bad Kissingen, 28. Nov. Am 13. d. Mts. hielt Herr Distriktsrabbiner Dr. S. B a m b e r g e r seinen Einzug in unsere Gemeinde. Zum Empfange hatte sich der Vorstand am Bahnhofe eingefunden und begrüßte ' den neuen Seelsorger. Am darauffolgenden - Tage fand durch das Kgl. Bezirksamt die Vereidigung statt. Im Anschlüsse an diese wurde der Herr Rabbiner von zwei Mitgliedern der Kultusverwaltung in die festlich dekorirte Synagoge geleitet. Die offizielle. Antrittspredigt hielt Herr Rabbiner Dr. Bamberger am darauffolgenden Sabbat und hatte sich dieselbe allgemeinen Beifalles zu erfreuen. Als Text hatte der verehrte Redner den Ausspruch Salomons gewählt: - . „Deinen und Deines Vaters Freund verlasse nicht." Er gedachte des Heimganges seines Schwiegervaters, ' seiner hehren Vorgänger, entwickelte sein Programm ' . und bat um die Unterstützung seiner Gemeinden in der Arbeit zur Ehre Gottes. Mit einem Gebete für das . königliche Haus, für die hohen Beamten,, für die-Gemeinde der Stadt und die.Gemeinden des Bezirks, und ' für die Gesammteinwohnerschaft der chiesigen^Maht Woß.. die/weihevolle-Rede. r.a>‘s{h) rrf Der Ruf, der unserem neuen Rabbiner aus seinem früheren Wirkungskreise begleitet, berechtigt zu der Hoffnung, daß auch hier sein Wirken unserer Ge- .

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