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Der Israelit · 1902-11-27 · Heft 94 (27.11.1902) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 94 (27.11.1902)
Date
1902-11-27
Page
– (sequence 26)
Language
German
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1994 Das Prototyp der Ersteren war der Jan kiel in Herr Thaddäus* von Adam Mickiewicz (Deutsch von A l b e r t Weiß, Leipzig 1882, Wilhelm Friedrich.) Typisch waren ferner die Gestalten des Aaron im Lustspiele „Die Juden* von Josef Korzeniowski, sowie die des Abraham und des Salomon in den Bildern von Chadzko und die der Juden in den übrigen Romanen Kraszewskis. Diese Typen waren, mit Einschluß des Malers Jonas, nach der Natur,gezeichnet und dargestellt. Seit der Zeit ihrer Entstehung bis zu unseren Tagen aber vollzog sich eine große Umgestaltung in dem rituellen, und, wenn man so sagen darf, in dem politischen Leben der polnischen Juden. Der Dichter mußte daher im vorliegenden Romane, der sich auf dem Hintergründe der Zeit seiner Entstehung (1865) abspielt, jenen Einfluß der Aufklärung und Civilisation (wie dies auch thatsächlich geschah) in Rechnung ziehen und demgemäß aus der bisher noch in strengster Jsolirung vegetirenden Mehrheit der Juden eine starke Minderheit von Leuten mit modernen Anschauungen über europäische Bildung ausscheiden. Bei der Darstellung gerade der Gestalt seines Jakob beabsichtigte er lediglich ein treues Spiegelbild der neuen Verhältnisse zu liefern, wie sie durch die langsame, aber sichere Einwirkung der Aufklärung auf alle Klassen und Stände des Volkes geschaffen wurden. Hiervon unabhängig beeinflußten ihn auch ethische Rücksichten, nämlich der Wunsch, in einem Nach der Natur gezeichneten Bilde zu zeigen, daß unter Leuten mit verschiedenen Ansichten und Ueberzeugungen gleichwohl eine Gemeinschaft - der bürgerlichen Bestrebungen und der Vaterlandsliebe bestehen kann und soll. - - ' Jakobs Schulfreund, Jwas, ist von altem Adel und erzogen in Vorurtheilen gegen jeden Nichtadeligen. Trotz allen Wohlwollens gegen seinen Reisegefährten, den Juden, ist Jwas doch ab und zu empört und aufgebracht über den Grundsatz: „Gleiche Rechte und Pflichten für alle Bewohner eines Landes,* wie ihn Jacob in seinen Gesprächen als Hauptbedingung desselben und der normalen Entwickelung all' seiner Faktoren hinstellt/ . Neben der. aufgeklärten Gestalt Jacobs, dieses Fortschritts- und doch so. glaubensstarken Mannes, gruppiren sich auch als negative Charaktere einige Freigeister und Skeptiker, die, jede Ueberlieferung verachtend, die Berechnung zu ihrer Lebensmoral und die Schlauheit zur einzigen Richtschnur in ihrem Verkehre mit den Menschen machen. Solch'eine Gestalt ist der Vater der sympathischen, aber etwas schwärmerischen T h i l d a. Der Dichter hält, als glaubensstarker Mann, de» Glauben für ein untrennbares Merkmal der Menschlichkeit und peitschte daher Leute dieses Schlagemit der Geisel der Satyre.' Stellenweise donnern seine. Worte mit der vollen Wucht der Entrüstung wider den Materialismus und die Abkühlung gegen Alles, was groß und heilig ist. Das konservative Element, welches auch, dem politischen Fortschrist fernsteht und mit beiden Händen die alten Formen und Gebräuche festhält, vertritt in unserem Romane Jankiel Mewes. Der Gegensatz dieses Typus ist Jankiel's Nachbar/ David Seebach,, der kleinstädtische Bankier, dessen Haus weder jüdisch, noch christlich ist. Nur zum Scheine beobachtet man in ihm die alten Sitten und Gebräuche, ohne aber den geringsten Werth darauf zu legen, nur für das Auge, spöttisch und gleichgültig. David j r., Seebach's Sohn, weicht noch weiter ab von den Ueberlieferüngen. Ein'Mensch von scheinbar sorgfältiger Erziehung, ist er thatsächlich ebenso verderbt und geldgierig, und in den Mitteln ebensowenig wählerisch, wie der Vater. Auf dem: Boden dieses bunten Gewebes , von Juden-Typen und Charakteren, unter den mit gewohntem Genie und Scharfblick gezeichneten Gestalten von Skeptikern, wie Simon, von moralischen Chamäleons, wie Mann, und von zweideutigen Figuren,'wie Frau Wtorkowska und deren Tochter Musa, spielt sich die Handlung des Dramas' ab. ‘ Jakob, als Apostel der Wahr heit, bemüht sich, in diese schon von der Atmosphäre des Unglaubens. und Kosmopolitismus umwehte Gesellschaft, den Geist der Aufopferung für das G e m e i n w ö h l. auszugießen." Auf diesem. Wege aber stößt er überall auf Gleichgültigkeit oder Spott. . Viele fromme. Juden erklären ihn für einen Ungläubigen, zucken die Achseln über sein Apostelthum und weisen jeden Gedanken an Mitarbeit, die sie als „Reformen* strgmaflsiren. zurück. Die deutsche Juden sind Hegelianer, die f r a n - zösischey Positiv ist eq. . Alle Uebrigen ermangeln jeder Philosophie und fühlen sich mit wüstem Kopf und Herzenvollkommen ruhig und zufrieden. Neben dieser meisterhaften Schilderung finden sich im Romane Abschnitte von wunderbarer Schönheit, welche bezeugen, daß der Autor sich nicht nur in das

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