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Der Israelit · 1902-11-27 · Heft 94 (27.11.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 94 (27.11.1902)
Date
1902-11-27
Page
– (sequence 25)
Language
German
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>’ m WWW ARO N>3^f» 27. Nov. 1902.1 Mr. 22. W/6&] mm fmä IHMB iiSSMiiagars; mmm Zeitgemälde von I. I. Nrsszewsky in autorifirter Uebertragung. o . «Auch, wenn sie schon m der Feinde Land sind, pake ich ne gleichwohl nicht verworfen und ekelt mich ihrer nicht also, daß es mit ihnen aus sein sollte und mein. Bund mit ihnen sollte nicht mehr gelten, denn ich bin der Serr, ihr Gott!" (in. Auch Mose. Cap. 26. B. 44). Vorwort. Den Hauptinhalt vorliegenden Romans bilden die Juden; deren häusliches und religiöses Leben und die verschiedenen Charaktere, Typen und Gestalten liefern den Stoff, aus dem der Hauptbau zur dramatischen Entwickelung besteht. Zum ersten Male versuchte der Dichter (wie A. Kraushaar in seiner hier im Wesentlichen wiedergegebenen Abhandlung „Zur polnischen Judenfrage", treffend bemerkt), in dieser Weise den Juden in der Litteratur darzustellen, nicht in Gestalt eines langbärtigen Asiaten, sondern eines aufgeklärten Europäers der modernen Civilisation. Der Jacob des Romans ist trotz all seiner Weltlichkeit ein tief religiöser Mensch, der die Ueberlieferungen seines Volkes hoch verehrt und die politische Verschmelzung seiner Glaubensgenossen mit ihrer Umgebung heiß ersehnt, trotzdem aber feststeht auf dem *) Anmerkung der Redaction. Es gereicht uns Kur Freude, unseren Lesern hiermit eines der bedeutendsten Werke der slaoischen Litteratur. das gleichzeitig der Tendenz unseres Blatts in jeder Hinsicht entspricht, bieten zu können. Wenn auch die Klemmalereien des Verfassers zu Beginn der Erzählung Manchem etwas zu ausführlich erscheinen mögen, so wolle man deshalb die Geduld nicht verlieren. Gar bald wird die spannendste und anregendste Handlung den Leser für seine Ausdauer entschädigen. Grunde der Unantastbarkeit seiner Absonderung im religiösen Leben, wie sein Volk sie in allen Stürmen und Schicksalen seiner Geschichte aufrecht erhalten hat und bis auf den heutigen Tag mitten unter fremden Völkern festhält in treuer Anhänglichkeit an die Ueberlieferungen seiner Vorfahren. Eine derartig aufgefaßte Gestalt war, wie gesagt, in der Litteratur ganz neu und eigenartig. Man warf daher dem Dichter vor, sein Jacob sei zu ideal gehalten: Solch ein Doppelcharakter, bald konservativ, bald fortschrittlich, so meinte die Kritik, sei völlig unmöglich bei einem polnischen Juden. ~. Das Jrrthümliche dieser Ansicht zu zeigen, dürfte hier nicht am Platze sein. . Es erklärt sich dies lediglich aus der Gewohnheit der Menge, die Judengestalten sich stets in. derselben Form vorzustellen: halb asiatisch, halb mittelalterlich, mit dem Beigeschmack einer mehr oder weniger interessanten Ehrbarkeit und einer großen Dosts Schlauheit und Gewandtheit in der Ausbeutung ihrer Nächsten. Die polnische Litteratur kannte bisher nur einige ausgeprägte Typen von ihr sympathischen Juden neben einer zahllosen Menge von Karrikaturen.

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