Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1902)
- Date
- 1902-11-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43. Jahrgang. Abrahams letz! e Tage. Zu paraschath "N. Den würdigen Patriarchen — bis jetzt sahen wir ihn als den berufenen Gottesboten, wie er Haus und Heimath verläßt, in unbekannte Länder wandert, um das Gotteswort zu verkünden, um die Lichtstrahlen der wahren Religion unter die Volker zu verbreiten, die im tiefsten Dunkel lebten und vom Dasein des alleinigen Gottes keine Ahnung hatten — ihn, den wir bis heute in dem schönsten, unverwelkbarsten Kranze der herrlichsten Eigenschaften, in seiner Friedfertigkeit und Nächstenliebe, seiner Uneigennützigkeit und seinem unbedingten Gottvertrauen, in 'seiner Gastfreundschaft und wahren Frömmigkeit gesehen, heute zeigt ihn unser Schriftabschnitt als den Mann, der an dem Wendepunkt eines Lebensabschnittes steht, und da können wir noch so unendlich viel von ihm lernen. Zurückgekehrt von Morias Bergen, mit Freude im Herzen ob des wiedergeschenkten Sohnes, ob des herrlichen Lohnes, der ihm von oben verheißen, will er der liebevollen Gattin alles berichten, doch er findet ste nicht unter den Lebenden. Sein Kommen war noch, um die, welche ihm einst treue Gehilfin und liebevolle Beratherin gewesen, zu beklagen, und zu beweinen." Ein jäher Wechsel im Hause Abraham's, der uns letzteren. aber in seiner ganzen Größe zeigt. Ohne vom Schinerz sich übermannen und hinreißen zu lasten — Gottes Thun ist untadelhaft — „stand Abraham auf." Noch andere Aufgaben warteten seiner. O, möchten wir uns daran ein Beispiel nehmen! Das schmerzzerrissene Herz, das niedergebeugte Gemüth, das thränenvolle Auge nehme sich hier ein Vorbild, sie, die sich gehüllt in Kleider der Trauer, die ein theures Glied der. Familie beweinen, sie mögen zu Abraham emporblicken. „Ach, an der Erde Brust sind wir zum Leide da." Doch wir dürfen unsere Mission nicht vergessen, nicht um ein Werk von Staub und Asche, um ein irdisch:» Gut unsere Aufgabe vergessen, entsagen sollen wir, tragen die Dornen unseres Daseins, die Schmerzen dieser Erde, um sie einzutauschen, wenn wir unsere Pflicht gethan, mit den Freuden des ewigen Lebens. „Und Abraham war alt geworden und in die Tage gekommen." Da galt es, noch eine wichtige Aufgabe zuerfüllen. Mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln geht er zu Werke, seinem Sohne die rechte Gattin zu verschaffen. Er. läßt den Knecht schwören, Isaak nicht mit. einer Tochter Kanaans zu. verbinden;, dann ist sein,. Testament: „seine Kinder den Wec^ Gottes zu führen," gefährdet und sein ganzes Wirken und Schaffen umsonst gewesen. Und Elieser, als ein Knecht Abraham's, er wußte wohl, welche Eigenschaften eine solche Gattin besitzen mußte. Er stellt deßhalb nicht Forderungen, wie die jetzige, moderne Welt sie liebt, nein,. Eigenschaf- - ten, die einem edlen, guten Herzen entspringen, mußte die künftige Gattin Isaaks besitzen, und doch nur Eigenschaften, wie sie ein Abraham besessen. Sehen wir in der mit dem Wasserkruge daherlommenden Rebekka, wie sie so schnell und liebevoll ihr ganzes Thun in den Dienst eines ihr gänzlich fremden. Mannes stellt, nicht die würdige Jungfrau, erzogen in den Grundsätzen eines Abraham, sehen wir hier nicht unwillkürlich die geistige Verwandtschaft zweier Menschen, so schöne, harmonische Seelenverwandtschaft? Und Isaak, war er nicht ebenfalls in den Grundsätzen eines Abrahams erzogen? Drum konnte aus seiner Verbindung mit Rebekka, einer Verbindung geistig verwandter Seelen, nur Heil und Segen ersprießen. . Das wußte Elieser, der Knecht Abrahams, von diesem eingeweiht in diese Dinge, ganz genau, und darauf rich- tete er ganz besonders sein Augenmerk. Will unsere heutige, moderne Welt dies nicht beherzigen? .Ihre Augen sind auf den Mammon gerichtet, er verbindet Menschen, die geistig verschieden beanlägt sind, die ganz verschiedene Grundsätze haben, die deßhalb auch nie die innere Zufriedenheit erlangen und ewiglich unglücklich sind. Durch den Bund, den Isaak und Rebekka schlossen, in dieser Seelenharmonie sah Abraham den Frieden seines Hauses gesichert und somit die Basis geschaffen, auf der sein Sohn und Nachfolger, das von ihm begonnene Werk nun fortsehen könne. Jesberg. v I. Höxter.' ZettLMgARsHrrchLLrr rmd Torresyondenzeii. D e u t fch l and.. . ' Berlin, 26. Nov.. (D e r a m e r i k ä n i s ch e Botschafter Andrew D. Wh i t e übe r d i e Verfolgung der r u m ä n i s ch e n: I ü d e n.) Als vor zwei Wochen der amerikanische Botschafter in Berlin, Herr Andrew D. White, seinen.70. Geburtstag feierte, haben deutsche Blätter aller Parteien. dem amerikanischen Staatsmanne, der so. lange, und, so erfolgreich die Vereinigten Staaten in. Berlin vertreten " hat, wegen seiner Gerechtigkeitsliebe und Unparteilich--. tut volle Anerkennung gezollt. -: Aeußerungen einesK solchen Mannes, verdienen '.daher, sicher weitestgehende: Beachtung und man sollte ännehmen, daß der nachstehend wiedergegebene Brief des Herrn White über die