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Der Israelit · 1902-11-27 · Heft 94 (27.11.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 94 (27.11.1902)
Date
1902-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1972 aogen-Neubaues um Beschaffung einer Mikwoh peti- > iionirte und abschlägig von der Verwaltung beschieden j wurde. Wo aber Mikwoaus bestehen, fand ich dieselben nicht nach ritueller Vorschrift, selbst dort nicht, wo ste durch Anweisung eines Kundigen erbaut waren, weil diese Anweisung nur schriftlich erfolgt, daher mißverstanden worden war. Es ist ein Rabbiner anzustellen, der an Ort und Stelle zugegen ist. Hier an den hei-, ligsten Institutionen der Familie müssen wir beginnen. Daß die Schechitah sich in den denkbar mißlichsten Verhältnissen. befindet,-ist bekannt. Diese wichtige heilige Institution liegt manchmal in den Händen von Personen, '.die nichts weniger als zu einem Kultusbcamten qualifirirt sind. Die Metzger würden zumeist gerne auf die Mühe des Schächtens selbst verzichten, wenn nur ein annehmbarer Schochei zur Verfügung wäre. Von dem ethischen Inhalt des jüdischen Gesetzes ist allenthalben keine Kenntniß anzutreffen. Die Gesetze werden aus Pietät geübt; die Idee ist nirgends mehr zu finden, und wo kein Geist mehr wach, da fällt auch der Körper.- Und'doch ist das Volk noch so gut. so frommen Gemiithes. so hingebenden Verlangens um das Gesetz. Es schmachtet nur danach, daß der Labestrunk ihm gereicht werde. Ueberall '— das beweist die stattliche Zahl unserer Herren Vertrauensmänner — lebt noch der Funke, ein leiser Hauch nur vermag ihn zu lodernder Flamme zu entfachen. Der Funke allein glimmt schwach, der Hauch allein vermag keinen Funken zu erzeugen. Wirken beide Elemente zusammen, dann kann das rr> s»x von neuem sich entzünden. Elieser war nach der Erzählung der Weisen von zwei Gottesboten, zwei Engeln, begleitet x-nnb -rnx "M'dx. rx rxbb “nxi npr: nx der eine sollte die Rebelka ihm zuführen, der andere ihn selbst begleiten. Lebt in Rebelka, dem Sprossen der Abrahamsfamilie, die Bereitwilligkeit, sich loszureißen aus aramäischer Umgebung, nur dann kann der Bote Elieser mit Hülfe, vom Abrahamsgeist beseelt, heimführen die Blutsverwandte in den Geist des Abrahamshauses. Leicht wird uns die Arbeit nicht werden. Neid und Mißgunst, Haß und Furcht werden unsere Begleiter auf dornenvollen Wegen sein. Mögen sie ihre Stimmen erheben, wir werden beharrlich schweigend unser Ziel verfolgen. Den alten Bund erneuern fordert Opfer. Doch diese fürchtet der Jude nicht. An seiner Wiege wird's ihm ja schon früh gesungen: "n “ps-tz Aus Deiner Opferung empfange Leben! ... (Fortsetzung folgt.) ZMsmgsNKchLichLerr rrnÄ Esrresyonderrzen. De u t f ch 1 and. Berlin/ 19. Rov. Heute Vormittag .fand im Dräsel'schen Saal eine trotz einer an alle Glaubensgenossen gerichteten öffentlichen Aufforderung' leider nur sehr schwach besuchte, außerordentliche Generalversammlung des „Vereins zur Forderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland" statt, zu der auch in großer Zahl die hier in Berlin befindlichen taubstummen Mitglieder des Vereins sich eingesunden hatten. Der zeitige Vorsitzende des Vereins, Herr Willy O p p e n h e i m e r, der noch der Sprache einigermaßen mächtig ist, berichtete, daß der Verein, der nunmehr seit sechs Jahren besteht, von den Taubstummen zur Hebung ihres geistigen und materiellen Wohles begründet worden ist, daß jedoch der Vorstand trotz der erdenklichsten Anstrengungen, sich als zu schwach erwiesen hat, um allein den an . den Verein gestellten hohen Anforderungen entsprechen zu können. In sehr beweglichen und rührenden Worten schilderte er alsdann die überaus traurige Lage seiner unglücklichen Glaubensbrüder und Glaubensschwestern, denen gegenüber die christlichen Leidensgenossen sich in einer bedeutend günstigeren Lage befinden. Werden sie doch nicht nur von gut fundirten Vereinen reichlich unterstützt, sondern es finden zu ihren Gunsten alljährlich Hauskollekten mit bestem Erfolge statt, und endlich fließen ihnen von der hohen Aristokratie alljährlich reichliche Spenden zu. Der Verein erstrebt nach seinem Statut, in Berlin oder dessen nächster Umgebung ein Heim zu begründen, in welchem altersschwache, erwerbsunfähig gewordene Männer und Frauen Aufnahme finden ' können. Trotz sechsjähriger regster Bemühungen des Vereins beträgt der Baufonds erst die geringe Summe von Mk. 802.83. Mit vollem Rechte wies der Vorsitzende darauf hin, daß der Andrang zu den jüdischen Altersversorgungsanstalten ein so großer ist, daß Petenten oft Jahre lang warten müssen und daß bei der Auswahl der Aufzunehmenden doch zweifellos die Vollsinnigen vor den Taubstummen den Vorzug genießen. Er wies weiter darauf hin, daß die Taubstummen sich in einer solchen Anstalt unter Hörenden und Sprechenden unglücklich und sich und den übrigen Insassen zur Last fallen würden. . Die Diskussion, die sich an diesen warmherzigen Appell anschloß, gestaltete sich trotz des geringen Besuchs der Versummlung sehr lebhaft. In eindringlichen Worten legte Rabbiner Dr. Eschelbach er, der dem Kuratorium des Vereins angehört, die Schwierigkeiten dar. welche die Taubstummen haben, um in der Gesellschaft fortzukommen, und erkannte lobend die tüchtige Leistung der Taubstummen an, die es in sechs Jahren aus eigener Kraft zu Stande gebracht haben, ein Vermögen von Mk. 7800 anzusammeln, in welche Summe der eiserne Fonds von 3000 Mark inbegriffen ist, aus dessen Zinsen unbemittelte Taubstumme unterstützt werden. Eine Uebereinstimmung in der Art des Vorgehens behufs Forderung des Vereins erbrachte die heutige Diskussion noch nicht. Während die einen neben der Errichtung eines Heims für altersschwache Taubstumme, nur die Ansammlung

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