Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1902)
- Date
- 1902-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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I! i 1! I I t i i t i f 1971 systems am Firmament des jüdischen Lebens sich zu behaupten. Heute aber sind durch die mannigfachsten Lebensverhältnisse die Individuen leiblich und geistig zu wenig stark eine dauernde Concentrirung aller Gedanken auf ein Ziel durchzuführen. Keine Einzelperson stellt mehr ein einheitliches Ganzes dar und kann somit auch nicht für andere maßgebend nach einer Richtung sein. Unsere Altvorderen erkannten das schon und bezeichnen das mit allmählicher Abnahme der jud An die Stelle des Einzellebens tritt die Gesämmtheit, in welcher die gleichen Ideen der Individuen die Theile des Gedankenlebens, die einem und demselben Gegenstand gehören, sich verbinden, sich um diesen Gegenstand krystallisiren. Und je größer im Widerstreit der verschiedensten Interessen der Kampf Aller gegen Alle sich erhebt, um so nothwendiger ist die Verbrüderung derselben Ziele, um so inniger geschieht sie. Das ist der Segen dieses Kampfes, das Aequivalent, das er selbst erzeugt. Der Kampf, gebiert den Frieden. So sehen wir diesen Zusammenschluß auf allen Gebieten menschlichen Denkens und Schaffens, so wollen und müssen wir ihn in erhöhtem Maße erreichen auf dem eigentlichen Gebiete des Friedens aller Menschenbrüder, dem religiösen r«rn "wyc Soll dort der Quell der Segnungen tausendfältig nach außen sich ergießen, labend und befruchtend wirken, dann darf nichts Fremdartiges, nichts Entgegengesetztes dem Element des Labsals beigemischt sein. jipbdi iw poosen jvbo dm p*naon war Hillel's großes Wahrheitswort. Sammeln und Zerstreuen ist der Dienst, den wir der Torah leisten können. In Zeiten, wo man die Thora, die jüdische'Wissenschaft und das jüdische Leben als Privatgut für wenige Bevorzugte ansieht, da gilt es die Thora-Saaten auszustreuen, da ist es Pflicht dem Volk zu geben, was in Wahrheit des Volkes ist, und in Zeiten, wo nur zerstreut sich finden die Getreuen des göttlichen Wortes, da sammele, auf daß gemeinsam hoch sie tragen das Panier des Judenthums.' Nicht neu ist diese Idee. Heute fährt sich der Tag, da wir festlich vereint in Dortmund versammelt waren. Der zweite Rabbiner unseres Schwestervereins, des „Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westfalen" trat sein Amt an. Da konnte man die Herrlichkeit der göttlichen Waltungsziele und Waltungswege schauen. Die Thora spricht nspn »6 'v .ipiT w2. Das Wort vom Sinai wird nie vergessen aus Israels Munde. Die Geschichte spricht svbrr rrb rp^'xa bxiP’ der Lenker der Geschicke vergißt Israels nicht. Die Thora spricht: Nie Israel ohne Gottes Wort; die Geschichte lehrt: Auch nimmer Gottes Wort , ohne Israel. Wer hätte vor einem Dezennium es gedacht? In Westfalen ein Herold alter, echter Ueberlieferung, in Westfalen Häuser, Synagoen und Schulen dem unverfälschten Judenthum erhalten! — Und doch hat Gottes allmächtiger, starker Wille es gefügt! — Und die Kunde von diesem unvergeßlich schönen Feste drang in die Welt. Da kam ein Mann zu mir aus Rheinlands Gauen und schildere, wie wenig anders auch in der Rheinprovinz die jüdische Sache im Argen liege und er meinte: Was Westfalen konnte, das brächten Rhein- - länder unter göttlichem Beistand auch zu Wege. Denn das dürften die Rheinländer sich sagen: Ist auch die : Handhabung des Gesetzes durch dessen meistens völlige Unkenntnis nicht stets nach Vorschrift, jüdisches Empfinden lebt in Volkskreisen noch überall. Dieser An- , regung gab ich freudig Folge und stellte meine schwachen Kräfte der edlen Brühe zur Verfügung. Schon am 11. Schewat 5662 (19. Januar d. I.) wurde der Ver- ' ein gegründet. Ob er nun wirklich ein Bedürfniß ist? Die- Stimmen aus dem Volke über diese Frage möchte ich reden lassen. Da schreibt mir der eine: „Lehrer haben wir nicht, die Kinder lernen nothdürftig beten, und die Jungen lernen einen oder zwei Abschnitte in der Thora zur Bar-Mizwoh-Feier auswendig, um dann, wenn dies vorbei ist, die ganze Beterei an den Nagel zu . hängen." Ein anderer, der in einem Orte wohnt, der keine Bahnverbinding hat, schreibt: „Auf eine jüngst erfolgte Eingabe an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde, daß es den hiesigen Kindern am erforderlichen Religionsunterricht fehlt, wurde erwiedert, daß die Eltern, sofern sie ihre Kinder nicht einer anderen Religionsschule überweisen wollten, dieselben Sonntag Nachmittags nach 36. 2). schicken können, wo denselben von einem Neligionslehrer aus N. N. Unterricht ertheilt werden kann. Da nun keine Stundenzeit angegeben worden, überhaupt der Unterricht nicht regel- . mäßig zu einer Zeit stattfindet, so ist dies für die Kinder sehr erschwert, zumal dieselben % Stunden bis zur Bahn gehen müssen, um zum bezeichneten Orte zu fahren." Es giebt Gemeinden, in denen ca. 40 Kinder ohne irgendwelchen jüdischen Unterricht aufwachsen. Mikwoaus finden sich auf den kleineren und mittleren Plätzen sehr selten; man schreibt mir hierüber: „Der nächste Ort, wo eine Mikwoh ist, ist drei Stunden von hier entfernt. Vis zur nächsten Bahnstation haben wir einen Weg von zwei Stunden zurückzulegen. Die Aus- Übung dieser heiligen Mizwoh kostet hier sehr viele Mühe und Opfer." Die natürliche Folge ist, daß die Mizwoh unterlassen wird. Wo neue Synagogen gebaut werden — und das ist auf dem Lande apch modern — da sieht man Ornamente und Thürmchen.die nicht immer gerade das ästhetische Empfinden eines. Groß-.^N städters angenehm berühren und meistens die.Unkosten V; mehr vergrößert Haben, - als die Einrichtung. euictjij;: Mikwoh gethan hätte. Es soll vorgekommen sein, daß - die gefttzestreue Minorität gelegentlich eines Synaj