Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-11-27 · Heft 94 (27.11.1902) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 94 (27.11.1902)
Date
1902-11-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449881--57100-2519799
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1970 unterricht aufwachsen, oder höchstens das Lesen der Gebete in der nothdürftigsten Weise und, wenn die Knaben Bar Mizwoh werden, ihre Parscha lernen, von da ab nichts mehr von unserer heiligen Religion erfahren und so. jeder Kenntniß derselben bar. in die Welt geschickt werden. Wenn daher warm für unsere heilige Emunoh fühlende Jehudim j-w2 DJ waren, dem drohenden Unheil Vorbeugen wollen, so ist dies gewiß anzuecfennen und mit der größten Freude zu begrüßen. Äon Euskirchen aus wurde nun die Initiative zu einem Verein gegeben, der in derselben bewährten Weise wie in Westfalen die Gläubigen und Gesetzestreuen unter seine Fahnen sammeln sollte, um mit vereinten Kräften, durch gegenseitige Unterstützung das zu erreichen, was dem Einzelnen zu erlangen nicht möglich war. Vor Allem galt es einen Raw, ein geistiges Oberhaupt anzustellen, der den zahlreichen Gemeinden, die ohne Führung dastanden, ein Berather und Leiter sei und ihnen angebe, wo es fehle und wo angesetzt werden müsse, um zu bessern und zu stützen, damit das glorreiche Banner des alten und unverfälschten Judenthums wieder allenthalben in Städten wie auf dem Lande in seiner stolzen Pracht zur Entfaltung gelangen könne. Am 19. Januar d. I. constituirte sich daher der Verein und wählte ein Komitee zu den nöthigen Vorarbeiten. In Herrn Rabbiner Dr. W o l f aus Köln, der bereits interimistisch zwischen der Amtsführung des zum Direktor der Realschule zu Frankfurt a. M. berufenen Herrn Dr. Lange und der jetzigen des Herrn Dr. Marx als Rabbiner für Westfalen thätig gewesen war und Hervorragendes geleistet hatte, war eine tüchtige, bewährte Kraft gefunden, und in hingebendster, opferfreudigster Weise übernahm dieser Herr es, die Sache in die Wege zu leiten und das Verständnis für sie anzuregen. Daß ihm dies aber in schönster Weise gelungen ist, und das Komitee seine Aufgabe in bester Weise gelöst hat, davon gab die am gestrigen Tage in Köln stattgehabte erste Generalversammlung sichtbaren, beredten Beweis. Denn eine große Schaar war von nah und fern herbeigekommen, um ihr reges Interesse an der Sache zu zeigen und mitzuberathen, damit dem Vereine ein möglichst fester Grund gelegt und mit Hülfe des Allgütigen eine glückliche Zukunft vorbereitet werde - Außer den von allen Gauen des Rheinlandes herbeigekommenen Delegirten von Gemeinden und Einzelmitgliedern waren auch zur größten Freude Aller hervorragende Ehrengäste erschienen,' so die Herren Provinzialrabbiner Dr, Cahn aus Fulda, und Dr. Munk aus Marburg, welche das Fest durch Anwesenheit und Wort verherrlichten und ihm besondere Bedeutung'verliehen. ' Auch der „Verein zur Förderung rituell jüdischer Speisehäuser" war durch Herrn Hugo Mainz (Hamburg) und der „Verein für die jüdischen Interessen Westfalens" durch seinen wackeren Vorsitzenden, den Herrn Lewertoff (Höxter) vertreten. So machte die stattlich besuchte Versammlung, die in dem schönen, geräumigen Saale der Philharmonie tagte, schon gleich einen trefflichen Eindruck, und eine frohe Stimmung, die mV nnct? bemerkte man in aller Mienen. Da eröffnete der Herr Rabbiner Dr. ~ Wolf die Versammlung mit folgender Begrüßungsrede: \ Hochverehrte Herren Rabbinen! Hochansehnliche Versammlung! Im Namen des provisorischen Komitees des „Verein für die jüdischen Interessen des Rheinlands" habe ich die Ehre, Sie alle, die Sie hierher geeilt sind, zu begrüßen und Ihnen für Ihr Erscheinen zu danken. Zu danken habe.ich vor.Allem Ihnen, hochverehrte Herren Rabbinen dafür, daß Sie, ohne der Mühe Zeit und Opfer zu achten, aus Ihren Berufspflichten heraus hierher geeilt sind, um mit Ihrer Person unser Werk gründen zu helfen. Den Dank habe ich auszusprechen dem Vertreter des „Vereins für Förderung ritueller Speisehäuser" in Hamburg, Herrn Hugo Mainz, dafür, daß Ihr Verein es schon mehrfach bekundet, daß eine gemeinsame Arbeit segensreich für die Gesammtheit wirkt, zu danken habe ich dem „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westfalen", der seinen ersten Vorsitzenden, Herrn Lewertoff, entsandt, um das Wiegenfest unseres Vereins zu verherrlichen. Dank, innigen Dank habe ich besonders auszusprechen Ihnen, hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Cahn, daß Sie bereitwilligst unserer Bitte entsprochen und die Festrede für den heutigen Tag übernommen haben. Wie Sie den Schwesterverein in Westfalen, geehrter Herr Rabbiner, mit den Flammenworten Ihrer Rede eröffnet, so dürfen Sie gewiß eine n'27 darin erblicken, auch in der rheinischen Metropole der gleichen Bestrebung Ihre- Worte zu widmen. Sie wissen alle, es gilt heute, eine große Idee Leben gewinnen zu lassen,, mit einem Gedanken in die größte Öffentlichkeit zu treten, der in seinem Ursprung, in seiner Ausführung und seinem Ziele nichts anderes bezweckt, als die Hochhaltung des jüdischen Glaubens nach seiner schriftlichen-und mündlichen lleberlieferung. wie es in Tauroh und Talmud niedergelegt und in Decisoren codificirt ist. Der Schauplatz, des Wirkens in diesem Sinne sollen diejenigen Gemeinden in der Rheinprovinz sein, aus deren Mitte die Anregung zur Gründung des Vereins hervorgegangen, und welche sich im Einverständniß mit diesen Zielen dem Vereine angeschlossen haben und noch beitreten werden. Nur im Zusammenschluß aller gleich denkenden. gleich lebenden, gleich strebenden Kräfte läßt sich ' dieses Ziel erreichen. Wohl gab es dereinst Kraftge-' stalten, deren Person allein die sittliche Macht besaßt' . Anziehungskraft genug als Mittelpunkt eines Sternen--

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.