Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1902)
- Date
- 1902-11-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1899 Wohlthat selbstredend nur Verbandsgenoffen zu Gute kommen kann, so wird diese Kaffe ein gutes Lockmittel für noch fernstehende und für solche Orthodoxen abgeben, die dem Verband nur widerwillig weiter angehören und sich gern mit Anstand wieder von ihm lossagen möchten. Das ist ganz sein eingefädelt und macht den Einfädlern alle Ehre, wenn auch unser Onkel Esaw die Priorität auf die Erfindung des. Handels zwischen Linsen und Erstgeburtsrecht hat. Aber ich halte die orthodoxen Mitglieder des Verbandes doch für zu ehrenvoll und zu charakterfest, als daß sie an diese Falle , gehen. Die Sorge für Weib und Kind stellen sie Demjenigen anheim, der auch den Räbbinen alten Schlags und ihren Familien ohne Reliktenkasse helfend zur Seite stand. Sie sind fähig, sich durch schöne Worte bereden und bethören zu lassen, daß sie durch einen so widernatürlichen Anschluß das Judenthum retten, den religiösen Frieden erhalten, und der Himmel weiß, was sonst Verdienstliches thun, aber sie sind nicht fähig, gegen ihr . Gewiffen, gegen ihre Vergangenheit, gegen ihre Meister und Lehrer D'.i cn otbö '"hmi, so offenkundig zu handeln — damit sie für sich und ihre Familien eine Hand voll Geld aus einer Kaffe erhalten, die aus solchen Motiven in's Leben gerufen wurde! Ich kann die Hoffnung nicht fahren lassen, daß an der Ehrenhaftigkeit und Charakterfestigkeit der wenigen hier in Betracht kommenden Rabbiner noch einmal alle diese Machenschaften zerschellen, daß sie früher oder später die Netze zerreißen, in die sie in dem guten Glauben gerathen sind, unserer großen, heiligen Sache zu dienen. Es handelt sich bei dem Verband im Wesentlichen um eine Verbindung zwischen Schülern von Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer s. A. mit Schülern des Breslauer Rabbinerseminars. Und da meine ich, das bloße .Andenken an ihren Rabbi müßte stark genug sein, den Elfteren den St'aar zu stechen und sie die Dinge sehen zu lassen, wie sie in Wirklichkeit liegen. Sie müssen sich entweder von ihrem' Rabbi oder von diesem Verbände lossagen, einen anderen Ausweg gibt es nicht. — Am 2. Jjar 5639 hat Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer s. A. folgendes Gutachten abgegeben: „Ihre an mich gerichtete Frage, ob ein gesetzestreuer Israelit bei der Anstellung eines Zöglings aus der Breslauer Schule zum Rabbiner in seiner Gemeinde. sein religiöses Gewissen beruhigen könne, muß ich in Erwägung:: daß bei weitem die meisten derselben - vielleicht alle — manche Vorschriften unserer Weisen wie W öVw ,s" cjid .ptw rr^ccs b-sSc übertreten, daß, wie die Erfahrung lehrte, dieselben selbst in den neuerungssüchtigen Gemeinden Stellen annehmen, und um des sog. „lieben Friedens" willen die Änderungen der geheiligsten Anordnungen und Reformen geschehen lassen, eine Erscheinung, die ihren Erklärungsgrund darin findet, daß der auch noch jetzt in jener Anstalt lehrende Begründer seiner „Historischen" Schule, wie aus dessen Schriften sattsam bekannt, nicht nur die mündliche, sondern auch die schriftliche Ueberlieferung vom Criterium subjektiver Beurtheilung in Abhängigkeit bringt, zu meinem Bedauern vernein e n. . '. > Dr. Israel H i l d e s h e i m e r, Rabbiner. - Dieses Gutachten wurde von Männern eingefordert, in deren . Gemeinde ein Zögling der Breslauer Schule als Rabbiner angestellt werden sollte. Auf dieses Gutachten (sowie auf ein in gleichem Sinne gehaltenes der Herren Rabbiner Dr. Hirsch s. A. und Rabbiner Dr. Lehmann, s. A.) hin, hielten ' sich die Fragesteller verpflichtet, aus der Gemeinde auszutreten und sich zu einer besonderen Gemeinde zu konstituiren. Wenn somit nach Rabb. Dr. Hildesheimer s. A. die Anstellung eines einzigen Rabbiners dieser Richtung genügt, um aus einer solchen Gemeinde auszutreten, wie können Schüler, die im Geiste ihres Rabbi leben und wirken möchten, sich freiwillig einem Verbände anschließen, der zum großen Theil aus Rabbinern dieser Art besteht? Das ist ein vbv pswr -öiro *>p N212M. Wer sich aber dennoch bereden wollte, . Rabbiner Dr. Hildesheimer hätte die Rabbiner dieser Richtung nur für die Gemeinden, aber nicht für seine Schüler außer Kurs gesetzt, der wird durch eine andere Erklärung vom 12. Jjar 5644 des. rechten belehrt, worin er in einem Rundschreiben die Gründe angibt, welche ihn veranlaßten, die Aufforderung, mit jenen Rabbinen zusammenzugehen, abzulehnen. Es heißt darin unter anderem: „Ich wies aber die Aufforderung, an der Versammlung theilzunehmen, zurück, und zwar außer dem generellen Grunde, den ich nicht erst anzugeben brauche, ganz besonders aber, weil sich r,6 II. (Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes) zwischen uns und einigen der Einladenden keine Brücke schlagen läßt,, da ich, wenn anwesend, das Mittel in erster Linie stellen müßte, daß nicht die Rabbiner selbst das Religionssetze mit Füßen treten. Dasselbe ist auch bei Punkt 3 der Fall, wenn man, wie ich, die eigentliche Tendenz dieser dunkelgehaltenen These kennt, nämlich eine Vereinbarung darüber, welcher Rabbiner als solcher anzüerlcnnen sei. „Dafür", sagte ich dem Mitglied des Rabbinats, das mit mir über meinen Beitritt unterhandelte, „wird überhaupt keine Definition .gefunden werden können, „unmöglich", muß ich aber hinzufügen, „von dieser Versammlung eine solche, mit der sich die Gesetzestreuen einverstanden erklären können.".. Mir sind meiner Meinung nach verpflichtet," heißt es dort, ferner, „aus der Passivität herauSzutre-