Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1902)
- Date
- 1902-11-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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in der Gemeinde -geschieht^ mit der Kanzelthätigkeit des Rabbiners in irgend welchen Causalnexus zu bringen. Statt daß - der Rabbiner der Gemeinde-die religiöse Richtung vorschreibt, bestimmen die Gemeinden, wie sich ihre Rabbiner zu führen, wie sie zu predigen und wie sie zu schweigen haben. Sie stellen sie an,- wie man einen Kommis anstellt, sie entlassen sie, wie man keinen Kommis entläßt, die ganze Anftellungszeit ist an Bedingungen geknüpft, deren Unwürdigkeit keiner besser kennt, als die so behandelten Rabbiner, und sie lassen sich das alles gefallen und bitten hinterher beim Gemeindetag um Achtung! Wenn diese Herren, die zu Hause nichts zu sagen und nichts zu bedeuten haben, zu einem Verband zusammentreten und eine Versammlung abhalten, was können sie beschließen, was können sie dekretiren, was kann bei all dem Gethue und Gerede herauskommen? Es hat sie Keiner geschickt, Keiner bevollmächtigt, sie deklamiren auf eigene Rechnung und die Gemeinden . nehmen , deßhalb absolut keine Notiz davon. Das ist der wesentliche Punkt,, in dem sich die . alten Rabbinerversammlungen von den anderen unterscheiden. Die alten waren getragen von dem Vertrauen und. der Hoffnung der Gemeinde. Die . Beschlüsse einer solchen Nabbinerversammlung waren daher maßgebend für die Gemeinden, die sie delegirt hatten, weil die alten Rabbiner wirklich die Führer ihrer Gemeinden waren. Die Gemeinden lvaren sich bewußt, daß sie keinen anderen Daseinszweck, keine andere Existenzberechtigung hatten, als Thora und Mizwoh in möglichster Vollendung zum Gemeindgut aller Mitglieder zu machen. Das machte. die gründlichen Kenner, die selbstlosen Lehrer der Thora, zu Führer der Gemeinde, das bewirkte die Ächtung vor den Rabbinern und ihren Versammlungen. ' Die erdrückende Mehrzahl der Verbandsrabbiner hat redlich den Jammer verdient, unter dem sie leiden. Die Derouie unter ihnen ist eine so vollständige, daß ihr Anfangs der achtziger Jahre gegründeter Verband sich aufzulösen drohte. Da kamen die treibenden Elemente dieses Marasmus auf die pfiffige Idee, auch orthodoxe Rabbiner an ihrer Blamage theilnehmen zu lassen. Und unbegreiflicher Weife ging eine kleine Zahl auch wirklich auf diesen Leim. Die alte Wahrheit, daß es lediglich -rnpn .nars u sind, welchen die rr.s "p ihren Bestand. verdanken, hat sich hier wieder «»mal glänzend bewährt. Der Koscherzettel, der die Namen der paar dem Verbände beigetretenen orthodoxen Rabbiner bedeutete, hält noch heute diesen Mischmasch künstlich zusammen. Daß sie geistig nicht zusammengehören, das wissen sie. das bekundet jedes gesprochene und noch mehr jedes unterdrückte Wort. ' Daß sie niidvdii.LTcyrh nicht einen einzigen Schritt gemeinsam mit Erfolg thun können, das hat ihre vierjährige Ver- . nunstehe bewiesen und wird die Zukunft noch mehr beweisen. Das ist auch der Smn des Satzes,'mit welchem das Referat über' den Thatigkeitsbericht schließt: „In Bezug auf die vielerörterte Frage der Autorisirung nicht an Seminarien vorgebildeter Ratzbinats- Kandidaten sei es der liberalen und der traditionellgesetzestreuen Rabbiner-Vereinigung anheimgegeben worden, ihrerseits Prüfungskommissionen , zu ernennen." " . ' In ehrliches Deutsch übertragen heißt das: Wir bilden zwar einen Verband von Rabbinern, aber die Liberalen unter uns möchten, keinen Rabbiner anerkennen, der von den Orthodoxen autorisirt ist, denn ivenn diese ihres Prüfungs-Amtes ehrlich walten sollten, müßten sie die große Mehrzahl der Verbandsgencffen außer Kurs setzen.*) Noch weniger können sich die Orthodoxen entschließen, Rabbiner als solche anzuerkennen. welche die Liberalen autorisiren. Darüber haben sich die Herren nicht einigen können und deßhalb lassen sie beide Fraktionen nach Belieben schalten und walten, als ob kein Verband existirte. Das heißt: wenn es. der liberalen und orthodoxen Fraktion gelingen sollte, hier irgend etwas zu Wege zu bringen, so können sie es nur unter Jgnorirung des Verbandes. Unter seiner Aegide stoßen die erhitzten Geister nur zusammen, um sich über ihre Prinzipien zu streiten, oder sie, wie der offizielle beschönigende Waschzettel- . Ausdruck lautet, „viel zu erörtern." Je mehr es an ideellen Momenten fehlt, die sich als Kitt eignen für einen Verband zwischen a'isns und c’xt oder wie man sie heutzutage höflicher aber wahrheitswidriger Weise nennt, zwischen.liberalen und traditionell-gesetzestreuen Rabbinen, um so eifriger war man darauf bedacht, wenigstens einen materiellen Köder zu suchen, der alle ohne Unterschied der Richtung an den Verband ködert: „Das soll die P e n - sions- und Relikten-Kasse des Verbandes werden." Daher stammt der Eifer, mit welcher für diese Kasse agitirt und gesammelt wurde. Das hier erzielte. Resultat ist in der That die einzige Leistung des Verbandes, die diesen Namen verdient. Und wenn sie auch auf geistigem, idealen Boden nichts zu leisten vermochte, auf's Geldmachen verstehen sie sich, darin sind sie den Mitgliedern der alten Rabbinerversammlungen, die sich schlecht auf ja» rtvs. verstanden,* unstreitig über. Wenn sie den bereits mit so gutem Erfolg entfalteten Sammeleifer weiter in dieser Weise fortsetzen, so wird die Kasse ohne Zweifel zu Stande kommen. Da ihre *) Auf -er Berliner Rabbiner-Versammlung am 5. Juni 1S84 bekamvfte der Prandent Dr- Fo^l—Brcslan einen Antrag bctr. Ferndaltung m religiöser VeZ'elmng ungeeigneter Elemente von dem illel'gwnslebreriwu^e mir folgenden Worten: .Was tjei&t religiös" v Religiös ist ein Begriff der verschieden nusgelegt wird. Zweifeln Sie daran meine zerren. dass cs in Deuu chtand Leute giel,t.die uns selbst die Religiosität ndsprechen.?! «Ruse: ,ebr wahr'.) Wir mallen diesen Antrag nicht an- »ekrnien. denn wir setzen un» dann selbst au» unserem Amte