Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1902)
- Date
- 1902-11-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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ten und in gemeinschaftlicher öffentlicher Kundgebung die Gründe unseres Fernbleibens darzulegen.* . Die in Rede stehenden Schüler von Rabbiner Dr. Hildesheimer haben diese zuletzt betonte Pflicht nicht nur nicht erfüllt, sondern sie find einem Verbände beigetreten, von dem ihr Rabbiner fernzubleiben und die Gründe des Fernbleibens öffentlich darzulegen als eine Pflicht erklärt hat! Daß sich die Zeiten seitdem geändert hätten, daß Dr. Hildesheimer heute selber anders entscheiden würde, sind vage, durch nichts gerechtfertigte Verlegenheitsgründe, die sich in dem Munde gerade eines orthodoxen Rabbiners recht eigenthümlich ausnehmen. Das ist jadie Redensart aller derjenigen, denen das Religionsgefetz lästig ist und die sich mit einem gewissen Anstand von demselben emanzipiren möchten. Hier hält aber dieses Feigenblatt nicht vor. Ich habe deßhalb ausführlicher, als es sonst nothwendig gewesen wäre, an Aeußerungen und Beispielen aus den Schriften und Amtshandlungen des Verbands-Präsidenten. nachgewiesen, daß sich derselbe in gar keiner Weise von den 'n im» D'iBfla unterscheidet, wie sie schon im Jahre 8639 und 6644 eristirten. Daß der Verbands-Präsident aber mit seinen —destruktiven Tendenzen nicht allein steht,, daß er in der liberalen Fraktion des Rabbiner-Verbandes noch eine stattliche Zahl von Genossen hat, das werde ich rnt in einer besonderen, von diesen Aufsätzen unabhängigen Darstellung, darzulegen versuchen. Nicht für die orthodoxen Rabbiner des Verbandes, denn diese wissen es ohne mich.. Aber für die breite Öffentlichkeit. die ein viel größeres Interesse an diesen Zuständen hat. als Viele glauben;, sie. leidet unter der Zerfahrenheit und Prinzipienlosigkeit derjenigen, die ihre Leiter sein sollten, am meisten.,r - ma mv rimp m rwn dk vV'bx p aon «2 »V dW? »anto Vs* 'Jim pnyi »s vV .cv'tzp reeo tznis" w totpa nbn EsMergSKschriHSsrr rrrsv GESsyoKdEM. Deutschland. CydKrrhnen, 3. Nov. Naphtaly Rudnitzky aus Königsberg, früher Jude, jetzt Judenmissionar und angeblich überzeugter Christ, predigte gestern in der hiesigem Baptistenkapelle. Einen getauften polnischen Juden in einem schrecklichen Deutsch mit jargonartigem Accent über das Evangelium vor einer christlichen Gemeinde, sprechen zwhören, streift geradezu das Gebiet der Lächerlichkeit, Das Judenthum hat an einem Geisteshelden. wie Rudnitzki, sicher nichts verloren,, das Christenthum an ihm nichts gewonnen. - . - - Heute sandte der Herr Christ-Jude auf vorstehende Nötig der „E. Gr. Ztg." in beleidigtem und beleidigendem Tone eine Berichtigung, die natürlich von der Zeitung keine Beachtung findet. Eduard Segall Posen, im Nov. Rechtsanwalt Placzek erzählt in ' der „Posener Zeitung*, daß zur Zeit wieder in der Stadt Posen zahlreiche Ausweisungen zu verzeichnen sind, welche sich gegen ganz unbescholtene junge Leute aus Oesterreich, England und Posen richten, „nur allein, weil sie jüdischen Glaubens. sind.* Anfangs vorigen Jahres sei es gelungen, einigen mit der Ausweisung bedrohten Familien die Genehmigung zum Aufenthalt in Posen auszuwirken. „Jetzt wird aber wieder mit größter Strenge gegen harmlose junge Leute mit Allsweisungen vorgegangen, obwohl sie sich nicht die geringste, sei es sittliche, sei es politische Verfehlung haben zu Schulden kommen lassen. Ein junger Mann z. B. ist in seinem 10. Lebensjahre aus England zu Verwandten in der Provinz gekommen, hat die Volksschule bis zum 14. Lebensjahre besucht, ist dann in die Lehre getreten und in einem kaufmännischen Geschäft thätig gewesen, bis er sich zur Ableistung des Militärdienstes meldete. Erst bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß er Engländer sei und deßhalb seiner Wehrpflicht hier nicht genügen könne; er war dann weiter mehrere Jahre in Posen bei gutem Gehalt als Reisender thätig. bis er jetzt vor einigen Wochen die Aufforderung erhielt, Posen innerhalb drei Monaten zu, verlassen. Vergeblich wurde darauf hingewiesen, daß der junge Mann, der sich tadellos geführt hat, doch fast sein ganzes Leben in Deutschland zugebracht hat; die. Ausweisung wurde aufrecht erhalten. Fälle, in denen Kinder von 14 und 16 Jahren, welche in kaufmännische Geschäfte als Lehrlinge eingetreten waren, ausgewiesen wurden, weil sie jüdische Ausländer seien, können, meint der genannte Rechtsanwalt, mehrfach genannt werden. > Ungar tu Budapest, im Nov. Aus Gyonpyos wird berichtet: Im. Herbst vorigen Jahres trieb sich hier ein armer jüdischer Kantor Namens Lazar Abraham Metzlovits herum, der von milden Gaben lebte. Da er von der Behörde keine Erlaubniß hatte, Spenden zu sammeln. wurde er verhaftet. Der Polizeibeamte nahm bei Metzlovits eine Leibesvisitation vor und begleitete diese Amtshandlung mit Schimpfworten, die sich auf das Judenthum bezogen. Als der Kantor gegen diese Verspottung seiner Konfession protestirte, erhielt er mehrere Rippenstöße und Ohrfeigen. Der Kgl. Gerichtshof zu Erlau verurtheilte den brutalen Polizisten zu drei Tagen Gefängniß. Die Budapester Kgl. Tafel und die Königs. Curie als höchste Instanz bestätigte vor einigen Tagen dieses Urtheil. - — Aus Fiume wird gemeldet, daß dort der Bau der neuen Synagoge bereits begonnen hat. Die Kgl. Ungar. Regierung, die Stadt Fiume und der Gouverneur von Fiume haben namhafte Beträge gespendet.