Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1902)
- Date
- 1902-11-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Zigarette anbiete, bläst er mit größtem Vergnügen die Rauchwolken auf und spricht begeistert: „Nicht nur am Geschmack, sondern sogar , am Rauch erkennt man unschwer, daß es ein viel feinerer Tabak ist, als unser heimischer." Ich lache im Stillen, kläre ihm aber den Jrrthum nicht auf, da ich mächtig in seiner Meinung sinken würde. ' ' - 11. Tischri. \' Lieber Freund! Den heiligen Fasttag habe ich glücklich bestanden. Nach dem Mussaf-Gebet stiegen mir herbe, für diese Stunde ganz unpassende Gedanken auf. Woher sollen wir den Winter über leben? fragte ich mich. Freilich, sagte ich mir, wer ist, wie das Volk Israel, ein einziges Volk in der Welt, welches an das Fasten gewöhnt ist?. Außer den sechs regelmäßigen Fasttagen im Jahre haben wir noch die Rüsttage der Neumondsfeste, die Selichoth- und Bußtage, Montag- und Donnerstag-Fasten, Schauwowim« Thath"-Fasten, und hie und da ein gelegentlicher Fasttag, wie am Todestage der Eltern oder nach einem bösen Traume. Immerhin bleiben doch noch.Tage int* Jahr genug, an denen es Noth thut, etwas zu essen. Ich hatte beschlossen, im Herbst nach Besserabien oder nach Odessa zu reisen, um dort mein Glück zu suchen, aber meine Frau widersetzt sich dem hartnäckig und Wünscht, ich solle unbedingt hier bleiben. Auf meine Frage, wovon wir leben sollen, antwortet sie mir, der liebe Gott, der Chajim dem Schneider, Jochanan dem Schuster und Schmerel dem Krämer ihr tägliches Brod sendet, werde auch uns nicht verlassen. Ich bemerkte, daß Chajim und Jochanan, Perez und Schmerel allesammt am Hungertuche nagen, worauf sie ihrerseits erwiederte, wenn der liebe Gott also diesen armen Leuten Kraft gibt, Mangel und Noth auszuhalten und im Darben nicht zu erliegen, so brauchen wir gleichfalls nicht zu befürchten, Hungers zu sterben.^ Du fragst, was ich treibe? Nun, ich baue eine Sukkah. Ich bin freilich kein Zimmermann, noch der Sohn eines Zimmermanns, aber wer von uns kann nicht wenigstens ein paar Künste? Heute habe ich mit der Laubhütte angefangen; und heute bin ich auch mit der Arbeit fertig geworden, seit sechs Uhr gehe ich müßig umher. Du darfst aber nicht glauben, Eliah der Prophet sei mir erschienen und habe mir geholfen, wie jenem frommen Mann in der Legende, der einen Palast bauen sollte. Im Grunde gibt es ja nicht leichteres in der Welt, als eine Sukkah aufzuführen. Sie braucht ja nur drei Wände zu haben; zwei aber stehen das ganze Jahr aufrecht, die eine ist die Wand des Hauses, unddie zweite der Bretterzaun des Hofes, als dritte dient irgend eine ausgehobene Thüre, an Stelle . der vierten aber wird ein Laken als Thürvorhang angebracht. Nun ist das ganze Gebäude fertig. Die Bauern, welche uns ja mit allem für die Festtage Nöthigen versehen— mit Eiern vor Pesach, mit Geflügel vor Jom Kippur und mit „Sechach" (Reisern) vor Sukkoth — haben heute einige Wagen mit Reisern und Laubwerk in die Stadt gebracht und vor dem Synagogenhof Aufstellung genommen. In ganzen Schaaren versammeln sich sofort unsere Glaubensgenossen, um die Reiser zu kaufen, aber die Bauern forderten vierzig Groschen für den Wagen. Die Stadtleute machten vergebens geltend, daß eine solche Theuerung noch nie dagewesen sei. Freilich reicht ein voller Wagen beinahe für zehn Parteien aus, aber wer kann sich heutzutage bei uns den Luxus erlauben, vier ganze Groschen auf Laubwerk zur Sukkoh auszugeben? Die Unbemittelten gingen nach Hause, zogen. das Stroh. aus den Betten und deckten damit ihre Lauben, dieser-und jener . schickte wohl die Kinder aus, um Schilf vom Flusse zu bringen, die angeseheneren Bürger aber beschlossen zu warten, vielleicht würden die Bauern sich doch eines Bessern besinnen. ' (Fortsetzung folgt.) . Der Israelit" erscheint xySScIaentllcli s^eltaal, Honlwga nsfl donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Man abonnirt ganzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehr! durch G. Zs. SLeinucker, Leipzig, Notzplah jS. — Inserate 25 Pfennig die vtergespallene Aonpareillerelle oder deren Kaum. Preis der Zelle im Neclametheil 75 Pfennig. — Direete Francoznsendung unter Streifband vro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder t6 Kronen österr.. für's Ausland iS Mark, an die Expedition sranco einsenden. Postzeitungsliste 37S2. Telephon 10-5. Slellesuchende und sonstige Interessenten können aus Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgaLe dsS StösadU" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der ..Kleinen Ausgabe" längere Zeit so kann man sich für 25 Pfennige SaS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post, aus dieselbe unter Nr. 379Sn abon'niren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnfertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis «sch . Erlangung einer solche«. LrLc.-i-<HsuM»laLl): Die Cholera im .hl. Lande. — Zeltungsnachrichten iu Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Memel. Amerika. Rew-Tork. — Feuilleton: Aus den Briefen eines Ueberllussigen. lSorttetzung.) - Inhalt der ersten Deilag«: Schweigen hat seine Zeit m Reden hat seine <,e:t. lschluß.).—Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Hannover. Schonlanke. Stuttgart. — Benno chtcs. — Der Phaimnienal-Kock>er ein Wunder der Technik. Inhalt der ,weiten WeUag« :. , Rabb.inec-Bcrlarlimlungen emst und. jetzt. (Schluß.) — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Eodtkuhnen. Posen. Budapest. . . ' - -. .. Ertra-LrilaQ«: Speuden-BerZtchmsse.*,.; .. ~ v' -- ' : > Verantwortliche Redaktion: OQcju Lehmann in Mainz. — Expedition deS ^Sraelit". Schottftraßs Nr. 2. Mainz. DruÄ und Verlag der Job. Wirth'schen HosbuchdruSerei Actien-Gesellschaft in Mainz.. . - chSssL« drei VsAsgru.