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Der Israelit · 1902-11-13 · Heft 90 (13.11.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 90 (13.11.1902)
Date
1902-11-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1886 habe auch seinerzeit behauptet, in einer Schrift des Rabbi Mendel in Galizien werde der „Ritualmord" direkt gelehrt. Er habe darauf nach Galizien geschrieben und die Antwort erhalten, daß ein solches Buch überhaupt nicht existire. Den Vorwurf der Lüge habe er keineswegs stillschweigend hingenommen. Auf den Vorwurf, daß er die Beschuldigung der Lüge auf sich habe siyen lassen, habe er sofort in dem Vorwort zu der 1900 erschienenen Auflage zu seiner Schrift klar und deutlich geantwortet. Er habe außerdem, da er als evangelischer Theologe kein Freund von Privatklagen sei. die gegen ihn geschleuderten Angriffe schriftlich und mündlich den Ministern von Zedlitz und später von Bosse unterbreitet, und als 1900 neue Beleidigungen gegen ihn losgelassen wurden, habe er sich wieder an den Ministerialdirektor Althoff undden Geh. Rath Dr. Elster gewendet und angefragt, ob er dagegen Schritte thun solle oder nicht. Er sei dann nach Gastein gereist und habe, als er hörte, daß eine Art Generalabrechnung mit der „Staatsb.-Zeitung" gehalten werden sollte, den Artikel der „Staatsb.-Zeitung" der Staatsanwaltschaft zur Kenntnißnahme eingereicht. Er habe damals nicht gewußt, daß es zur Strafverfolgung eines besonderen Antrages seinerseits bedurfte. Der Gerichtshof hielt den Angeklagten der Beleidigung in zwei Fällen auch im Sinne des § 186 für überführt. Zu Unrecht habe er den Professor Strack als einen Mann hingestellt, der den Vorwurf der Lüge ruhig auf sich habe sitzen lassen. Prof. Strack habe ganz sachgemäße Schritte gethan, die nur durch eine Verkettung von Umständen fehl gingen. Das Urtheil lautete auf 300 Mk. Geldstrafe. Memel, 10. Nov. (Verein für jüdische Geschichte und Litieratur.) Der .Vorsitzende Herr Dr. C a r l e b a ch, leitete den Beginn der VortragSsaison durch ehrende Worte des Gedenkens für die Verewigten im abgelaufenen Zeitabschnitte ein: für unseren großen Dr. R ü l f, den geistigen Hauptgründer und Förderer des Vereins, und für Dr. Mandelkern -Leipzig, den Verfasser einer umfang- und inhaltreichen hebr. Encyklopädie. Im Sinne eines goldenen Talmudwortes, daß die ewige Seligkeit auch den Gerechten anderer.Konfessionen Vorbehalten sei, gedachte der Vorsitzende in herrlichen Worten dreier nichtjüdischer Gerechten,, des hervorragenden Centrumführers Dr. Lieber, des weltberühmten Gelehrten Prof. Virchow und des größten Romanschriftstellers Emil Zola. Das Judenthum wird diesen Edlen, die, ein Jeder in seiner Art, Verfechterder Menschenrechte waren, unauslöschliche Dankbarkeit bewahren. Der Haupttheil des Abends war der angekündiate Jahrhundert' 'des ^eÄm-Dr-'M e bürg. In seiner bekannten rhetorischen Begabung, in 'Form und Inhalt gleich schwungvoll und lehrreich. schilderte der Redner das altjüdische Leben in den engen Gassen des Ghetto. In einen sehr beschränkten Raum eingeengt, wo es. recht trübe, uneigen und uneben auf der Gasse draußen äussah, führt uns der Redner an der Hand eines damaligen christlichen Darstellers in ein altjüdisches Haus ein, und wie im Gegensatz zum äußeren unerquicklichen Anblick der Gasse drinnen im Hause lichtvoll und anmuthig das jüdische Familienleben waltet. Ohne Rücksicht auf die tief dunkle Situation von draußen, wird da in weihevoller Stimmung der Sabbat eingeweiht. Dann erst die Synagoge, die die allgemeine Centrale im altjüdischen Leben bildete, und das Lehrhaus, die Heimstätte friedlicher gelehrter Geistesarbeit, während ringsumher die Macht der Finsterniß noch vorherrschte. Eine Blumenlese schöner Sprüche, edelster Art, aus dem „Buche der Frommen" vervöllkommnete das Bildv der damaligen Judenheit, ihre Denkweise und Lebensart, sowie ihre Bildungsverhältnisse und geistigen Bestrebungen- Das überfüllte Auditorium spendete der interessanten Darstellung reichen Beifall. A me lifo. Neivyork, 2. Nov. (DieJntervention der Der. Staaten zu Gunsten der rumänischen Juden.) Die „Newyork Times" weist in ihrem heutigen Leitartikel darauf hin, daß der Protest des Staatssekretärs Hay gegen die Verfolgung der rumänischen Juden in vollem Einklänge mit der traditionellen Politik der Ver. Staaten flehte So hat im Jahre 1872 der damalige Staatssekretär Fish an den amerikanischen Gesandten in Petersburg geschrieben, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass eine Unterstützung Rußlands als einer Schutzmacht, an welche Klagen über die Verfolgung der Juden in der Moldau und Walachei gelangt waren, sehr angebracht wäre und im 'Jahre 1879 bemerkte der Staatssekretär Evarts in einer Note an den amerikanischen Gesandten in Wien, daß der rumänischen Regierung Vorstellungen wegen der Verfolgung der Juden gemacht werden sollknL ehe die Ver. Staaten offizielle Beziehungen zu Rumänien Herstellen. Der Staatssekretär Frelinghuyfen beauftragte im Jahre 1882 den amerikanischen Gesandten in Petersburg bei paffender Gelegenheit der russischen Regierung Vorstellung wegen der Verfolgung der Juden in Rußland zu machen und einen ähnlichen Schritt unternahm 1891 der Staatssekretär Blaine. Hierauf wies auch Präsident Harrison im Dezember des genannten Jahres in seiner Botschaft hin, in dem er besonders betonte, daß durch die Verfolgungen in Rußland so viele mittellose Juden nach Amerika getrieben werden, daß es schwer fallen dürfte, für sie Be- »IchMLWS-M -Mden. Herr Hay kann also auch in dieses Beziehung^ die wirthschMMnrMWH Mgyf einen Präcedenzfall'hinweisen und ' fetn'Prüte^ gegeck die Verfolgung der rumänischen Juden erscheint umso-

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