Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1902)
- Date
- 1902-11-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1883 anderer Momente haben zwischen dem Orient und Europa einen Verkehr angebahnt, wie er in dieser Lebhaftigkeit vielleicht noch zu keiner Zeit erreicht wurde. Erwägt man, wie erschreckend nahe die Krankheit schon Europa steht, wenn sie bereits im heiligen Lande sich ausbreitet, so kommt alles, was zur Erleichterung der Lage der Unglücklichen im Orient geschiehtmittelbar uns selber zu Gute. Doch als Juden dürfen wir von dieser naheliegenden, äußeren Beziehung ganz absehen, um das Bewußtsein uns neu zu beleben, daß das Gute, das wir Armen und Unglücklichen leisten, noch mehr den Spendern, als den Empfängern zu Gute kommt. Zu den Worten der Thora: -pim *pnn dwi pui. Gott gibt dir Erbarmen und dann erbarmt Er sich deiner und macht dich groß, — merken die Weisen an: dw p 'sbs pomo ronan bv armr ba. „Wer sich' über leidende Menschen erbarmt, dessen erbarmt sich auch der Himmel, und wer für leidende Menschen kein Erbarmen hat, für den hat auch der Himmel keines." Daß wir bei der Gestaltung des heutigen transatlantischen Verkehrs mehr als je den Gefahren der Verschleppung von Krankheiten ausgesetzt sind, haben wir bereits angedeutet. Für uns tritt gerade in diesen Tagen noch Ler Ernst der eintretenden Winterzeit hinzu, deren Temperaturwechsel gewöhnlich von einer Reihe unsere Gesundheit gefährdenden Einflüssen begleitet ist. Besonders gilt dies für die zarte Konstitution unserer Kinder, so daß wir in diesen Tagen, wie alljährlich, so auch jetzt, drei Fasttage begehen, uw 'Vvn 'n, die sich unter anderen Erwägungen auch auf die erwähnte stützen. Mehr als je sind .wir für diese Zeit auf die Gnade und das Erbarmen Gottes angewiesen. Wir können uns diesen Gottesschutz aber nicht besser sichern, als durch die thätige Menschenliebe, die wir Armen, Leidenden undUnglücklichen zuwenden. Unter allen Armen stehen aber die Armen des heiligen Landes obenan. Und unter allen Unglücklichen haben die Kranken den ersten Anspruch auf unsere Unterstützung, 'n '.ivbv' ns'i ci'i hx b'ZVü „Glücklich ist der, der sich dieses Armen annimmt, am Tage des Unglückes wird ihn Gott erretten." Zu spenden, zu stützen, zu helfen, selbst mit dem Bewußtsein, daß die Liebe, die wir anderen erweisen, uns füglich selbst am meisten zu Gute kommt, ist der einzige statthafte Egoismus. — .TV*, ya nnw ^at» apufrit yba auran .-’iHM'pnx. Wenn Jemand sagt, ich gebe diesen Betrag für Zedoko-Zwecke hin, damit mein eigenes Kind lebe, gedeihe, gesund werde und gesund bleibe, der ist..deßhalb,.hoch' .ein, vollendetergerechter.... So wollen wir denn dem Ernst der Zeit Rechnung tragend, die Wunden zu heilen suchen, die' Krankheit und Roth ungezählten Lausenden von Unglücklichen und Kranken geschlagen und wollen nach Kräften zur Milderung dieses Jammers beisteuern. Mögen in allen Gemeinden der Diaspora Sammlungen veranstaltet und Comitees. gebildet werden, die das Liebeswerk organisiren. Wir sind selbstredend gerne bereit. Spenden entgegenzunehmen, dieselben dem Central- Komitee für die Armen des heiligen Landes'ln Amsterdam zu übermitteln und darüber in diesen. Blättern. öffentlich zu quittiren. . i \ Möge das Verdienst dieser Gütthat uns die Erfüllung des Gebets sichern, mit dem'wir diese Betrachtung einleiteten: - y/■' y ' "n'ia yao nvM nrota. 'ztn ’ajni .aani ‘»an nba ua^ö wa» ■/■jrÄniD nvw yio wate wa» u«- EorrespsKyeUze«. D e v t {dj I a n b„?r,; Berlin, im Rov. Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus", der bereits in der vorigen Nummer unseres Blattes des Heimgegangenen Begründers ' des Vereins kurz gedacht,'widmet dem Gedächtniß Henn-. r i ch R i ck e r t' s folgenden Nachruf: - Ein reiches Leben ist dahingegangen, ein warmes Herz hat aufgehört zu schlagen.- In weiten Kreiseir. wird seine immer zum Helfen bereite Hand, sein Mitgefühl für die verschiedensten Nöthe des Lebens entbehrt werden, und Viele werden.sich, theilen müssen in die Arbeit, die der Eine geleistet 'hat.-- Es soll.hier nicht versucht werden, den. Umfang der rastlosen Thätigkeit unseres dahingegangenen Freundes zu schildern. Aber gerade an dieser Stelle muß hervorgehoben werden, in wie hohem Grade uneigennützig ihn sein menschlich schöner Sinn antrieb, für Verfolgte oder Bedrückte jeder Art einzutreten.- Als Rickert und Gneist in Gemeinschaft mit zehn anderen Herren im Jahre 1890 .die Gründung des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" in.. die. Hand nahmen, waren sie sich über die Schwierigkeit dieses Unternehmens, über die' .Verleumdungen, denen sie sich aussetzten, völlig klar. Aber in seinem Bericht über die Vereinsthätigkeit der ersten drei Jahre sagte am 28. November 1893 der damalige Vorsitzende Rudolph von Gneist: „Die Meinung, der liebe Gott und der Staat werden helfen, ist irrig. Der liebe Gott sorgt nur für uns, wenn wir unsere Schuldigkeit thun., -und, deßhalb^ ist.'dieser. Verein* 1 Diese Äötte'. Entsprachen der auf sovielen Gebieten bewährten emsigen Arbeitslust und Arbeitskraft, mit welcher unser Freund Rickert die Mitstrebenden