Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1902)
- Date
- 1902-11-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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der Ausdruck lautet, selbst die Nachkommen Abrahams aus, wenn sk sich durch Mißachtung des Gottesgesetzes unwürdig des Bodens zeigen, des ihnen lediglich zur Entfaltung ' eines in den Bahnen dieses Gesetzes geführten Lebens zugewiesen wurde. Als an die Stelle der ersten jüdischen Exulanten fremde Völker auf den heiligen Boden verpflanzt wurden, konnten sie sich daselbst nicht ansiedeln, so lange sie das Gesetz Gottes nicht kannten und erfüllten» Seit mehr als zweitausend Jahren sind die von Gott - selbst eingesetzten Erben dieses Gotteserbes — inbm, wie unser vvbv - Gebet das heilige Land nennt — von demselben gewaltsam entfernt und andere Völker haben davon Besitz genommen. Schwere Katastrophen haben seitdem das Volk und sein Land heimgesucht.. Keines kann ohne das andere zur Ruhe kommen. Keines von beiden erreicht seine Bestimmung, so lange sie von einander getrennt sind, so lange die Erben des Gotteserbes nicht vom Vater der Menschheit wieder in ihr Erbgut eingesetzt sind. Aber keine dieser Katastrophen erweist sich schwerer, als diese Gottesbotin, welche die Cholera bedeutet, die wiederholt das heilige Land heimgesucht hat und auch jetzt wieder ihre Todesernten dort hält. Man. muß sich diese Krankheit in ihrem ganzen Auftreten und ihren Begleiterscheinungen vergegenwärtigen, um das namenlose Elend würdigen zu können, das sich mit jedem weiteren Vorwärtsdrängen an ihre Fersen heftet. - - - Die Cholera befällt Menschen jeden Alters und jeden Standes, Gesunde wie Kranke, am häufigsten aber Personen, welche unregelmäßig leben (besonders starke Trinker) und solche, die schlecht genährt sind und sich nicht schonen können, also Arme. — Vorboten hat die Krankheit in der Regel nicht, und dieses Plötzliche ihres Auftretens ist. es in erster Reihe, wodurch sie allenthalben Schrecken verbreitet. Die Dauer der Krankheit ist sehr verschieden, denn sie kann sich blos auf Stunden und Tage beschränken. wie auch auf Wochen ausdehnen. Daß eine große Menge von Schutzmitteln gegen die Cholera empfohlen und ohne Erfolg gebraucht werden, versteht sich wohl von selbst. Wenn man alles vermeiden wollte, was angeblich schon die Cholera veranlaßt haben soll, dann dürfte man gär nicht mehr * denken, essen, trinken und überhaupt leben. Das beste Schutzmittel bleibt es immer, wenn man den von der Cholera befallenen Ort bei Zeiten verläßt und in eine gesunde Gegend übersiedelt. Wie schwer f, und wie, - .gerade'zu.unmöglich die Anwendung dieses ‘ Mittels sur'-die -Ärinen iss.''dw der Gefahr am,meisten ausgesetzt sind, braucht nicht erst gesagt zu werden?' Da v die Cholera leicht durch Cholerakranke verschleppt werde« kann, so ist eine strenge Quarantäne das erste, was zur Jselirung des Seuchenherdes geschieht. Das ist auch augenblicklich im heiligen. Lande der Fall. So nothwendig diese Quarantäne ist, so lähmend wirkt sie auf den ganzen Verkehr und hat einen Mangel und - eine rapide Theuerung der gewöhnlichen"Lebensmittel zur Folge, daß dieselbe für die Armen geradezu unerschwinglich sind. Die dadurch sich von selbst ergebende schlechtere Ernährung, der Mangel an Trink- . Wasser, die ungenügende Reinheit desselben und eine Menge anderer Kalamitäten, an welchen das heilige Land auch in normalen Zeilen leidet, erhalten unter diesen Verhältnissen eine Steigerung, die geradezu verhängnißvoll ist. ..- Diesen traurigen Verhältnissen entgegenzutreten, ist das Nächste und oft auch das Einzige, was aus der Ferne zur Besserung des Looses der Unglücklichen geschehen kann: „durch reichliche Geldsendung e n den Armen eine bessere und reichlichere Nahrung zw ermöglichen und so die schädlichen Einflüsse zu beseitige n, die ein Umsichgreifen der Krankheit begünstigen." . Es ist dies umsomehr geboten, als nach den vorliegenden telegraphischen Berichten die Krankheit zur Zeit fast ausschließlich die mohamedanische Bevölkerung ergriff, während die Juden bis jetzt ziemlich verschont geblieben sind. Die frugale, einfache, nach den Gesetzen der Thora geregelte Lebensweise der letzteren stattet dieselben mit einer Immunität aus, die Gottes Wort seiner treuen Befolgung durch die Zusicherung verheißen hat: , / „Es wird sein, wenn Du fortwährend gehorchen wirst auf die Stimme Gottes, deines Gottes und das in Seinen Augen Rechte thust und ganz Ohr bist für. alle Seine Gebote und förderst Seine Gesetze, so werde ich alle Krankheit, die ich Mizrajim auferlegte, dir nicht auferlegen, denn ich bin Gott, dein Arzt." (2. B. M.. Cap. 16, V. 26.). ' Aber diese Widerstandskraft wird durch die angedeuteten Folgeerscheinungen der Quarntäne auf eine schwere Probe gestellt. Da es leichter ist, Krankheiten zu verhüten, als zu heilen, so ist jetzt der. rechte Moment einzugreisen, um mit Erfolg dieses große Liebeswert zu Ende zu führen. > Es erscheint deßhalb angesichts des Ernstes der Lage als Pflicht durch sachliche Darstellungen und Aufrufe die öffentliche Meinung auf diese Zustände hinzuweisen. Eine rechte Würdigung dieser Zustände wird nicht nur die Nächstenliebe, sondern auch die Eigenliebe bestimmen, fördernd und helfend hier in die Bresche zu treten. Wenn es die Verkehrswege, die Schiffe, die Eisenhahnen u. dgl. in erster Reihe sind, welche diese tückische KräNkhei t' weiterfragen^?so' Hot es ^vielleicht noH nie eine Zeit gegeben, welche der'EinWeppung^ver'8holera nach Europa so günstig war, als gerade unsere Gegenwart. Die Kriege in China und Afrika und eine Reihe