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Der Israelit · 1902-11-10 · Heft 89 (10.11.1902) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 89 (10.11.1902)
Date
1902-11-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1875 Der Berufungssenat beschloß bezüglich der ersten Klage, das Urtheil der ersten Instanz aufzuheben und eine neue Verhandlung anzuordnen. Das Oberlandesgericht sei der Ansicht, daß die Klausel im Testamente, wonach Jemand im Falle des Religionswechsels der Erbschaft verlustig werde, leine unerlaubte oder unsittliche Bestimmung ist, denn der Testator wollte einen Abfall verhindern und aus sprechen, 'der vom Glauben abfallende Erbe sei nicht erbfähig. Hierin liege auch kein Gewissenszwang, da ja die gleiche Bestimmung in den Fideikommißgesetzen vorlomme und die Staatsgrundgesetze nur die Stellung der Staatsbürger gegenüber den Behörden regeln. Die Absicht, die Viktor Schey mit der Taufe hatte, sei dem. Erblasser keineswegs zu Grunde gelegen und seine Klausel sei zulässig gewesen. - Da dieser Grund der Klageabweisung wegfällt, hat das Landesgericht jedoch jetztden Eventualantrag bezüglich der Anfechtung zu prüfen. Anlangend die zweite Klage wird die Berufung verworfen und die Entscheidung des Landgerichts bestätigt. Auch das Oberlandesgericht ist der Ueberzeugung, es - stehe außer allem Zweifel, Viktor Schey habe sich nur deßhalb taufen lassen, um seine Gläubiger zu verkürzen, weshalb die Anwendung des Anfechtungsgesetzes zutrifft und die Testamentsexekutoren trotz des Religionswechsels zum Erläge der Erbschaft verpflichtet sind. . . Czernowitz. (R e l i g i o n s l e h r e r und Jom Kippur.) Ich habe Ihnen eine geradezu beschämende Thatsache zu melden, einen Vorgang, der nur in unseren — ich muß sagen — in unseren Mittelschulen stattfinden konnte. Es war an der Czernowitzer gr.-or.. Oberrealschule, deren Schüler über 60 Prozent jüdisch sind. Am Freitag, dem Vorabend des Versöhnungstages, suchten viele Schüler vom Nachmittagsunterrichte befreit zu werden. Derselbe dauert nämlich bis 5 Uhr und daher bleibt keine Zeit für die Vorbereitungen zum Versöhnungstage übrig. Andererseits hatten einige Klassen auch bis 6 Uhr Abends Unterricht. Es ist dies nämlich eine Stunde, die dem Turnunterrichte gewidmet wird, da keine andere ordentliche Unterrichtsstunde dafür besteht. Nun ist cs jedoch um 6 Uhr schon vollständig Nacht; der Gottesdienst hat dann schon längst begonnen, folglich können die jüdischen Schüler nicht nur keine Vorbereitungen für den Versöhnungstag treffen, sondern sie werden auch gezwungen, ihrer Religion entgegen zu handeln. Daß dabei von einem Gottesdienst keine Rede sein kann, brauche ich nicht erst zu betonen. Es begaben sich daher einige'Schüler zum Herrn Religionsprosessor und ersuchten ihn, dahin zu wirken, daß doch wenigstens dieser Nachmittag freigegeben werde. Und nun kommt das Wunderbare. Der Herr Religionslehrer sagte, er könne doch nicht für Jeden bitten gehen. Er erbitte für sich selbst nie etwas, er wolle sich daher auch keine Unannehmlicheiten' wegen anderer bereiten; wenn den Schülern so viel daran gelegen sei, dann " /- möchten sie sich selbst zum Herrn Direktor begeben."' Kurz und gut, er sei für solche Sachen nicht zu haben./ / — Traurig, traurig . . . Seht, das sind die See!-- " sorger Israels, denen die Jugend anvertraut wird; - die reden so . . . . So viel ist ihnen an den Schülern gelegen. Ja, an wen soll sich denn zuerst der jüdische" Schüler wenden, ja, wer ist denn am meisten verpflich-/ ' tet, für den jüdischen Schüler zu sorgen? Wer? Ja, v'/'• gebt mir eine Antwort darauf? Doch genüg, der Rede. " Es ist traurig, zu traurig. — Durch die vereinte Mühe der Schüler gelang es dennoch, den Nachmittag frei zu // bekommen. Es ist dies zwar sehr erfreulich, aber die Schule schenkt nichts. Beim Vorlesen des Anzeige- . buches kam nun der wahre Geist der Schule zutage. .. Es wird den Schülern vorgelesen: „Der heutige Nachmittag ist für die jüdischen Schüler unterrichtsfrei, . aber dagegen wird am 24. Oktober, Nachmittags, auch//, für die israelitischen Schüler regelmäßiger Unterricht './ sein." (Am 24. Oktober war bekanntlich Simchas ' Tauro.) Wer dies hört, der erkennt schon aus dem./ . Töne den edlen Charakter der hiesigen Schulmänner. ./ . Eine Art Revanche wird an den jüdischen Schülern ge-, nommen. Weil ich dir heute freigegeben habe, mußt . , du an einem Feiertage darum die Schule besuchen! Wenn man nun nicht beides zusammen vorgelesen . hätte, so könnte man vielleicht über den wahren Sinn getäuscht werden, aber hier liegt es offen.' Es wird eine Art Revanchepolitik gegen den jüdischen Schüler./', betrieben. . . /..= .../' . /,•/.../ ... Als Besonderheit, wenngleich nicht so selten, ' möchte ich noch erwähnen, daß die zwei jüdischen Pro-/ / fessoren an der gr.-or. Oberrealschule auch am Vcr-. söhnungstage den Unterricht ertheilt haben. ,. (Jüd. Volksbl.) . " . S chw e i z. ' . Basel, 30. Okt. Auf Veranlassung des Herrn/' Rabbiner Dr. Cohn versammelten sich vor einigen / Tagen im hiesigen Beth-Hamidrasch achtzehn jüdische. - Firmeninhaber und beschlossen nach eingehender Dis-. kussion einstimmig die Gründung/ eines Vereins. „Schomre Schabbös, jüdischer Stellen-Vermittelungs-' ' Verein für die Schweiz." Der Verein stellt sich die./ Aufgabe, jüdischen jungen Leuten, die den Sabbat und /: die jüdischen Festtage heilig halten wollen, Stellen zü''./' verschaffen, in denen es ihnen gestattet ist, die jüdischen /!//- Ruhetage zu beobachten... -Zu diesem. Zweck wird sich / / der Verein mit denjenigen Geschäftsinhabern, in Ver-/./ bindung setzen, bei denen jüdische Angestellte am Sab-// bat von. der Arbeit befreit sind, und sie^ bitten. bei ein-.''. / tretenden. Vakanzen sich der Vermittelung des Vereins zu bedienen. Der Verein wird in den größeren

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