Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1902)
- Date
- 1902-11-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449876--56997-2519761- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1872 ' - sangt aber an, mir unbehaglich zu werden. Anstatt mit mir von weltlichen und allgemeinen Dingen zu reden, fängt er jedesmal eine Diskussion über die Vorzüge der Religionen an. - Da hat er nun leichtes Spiels Aus'unschwer zu.begreifenden Gründen kann ich auf seine Anzapfungen nicht so antworten, wie ich mochte. Er treibt' mich also bald in die Enge, dann rühmt er stch vor meinem Herrn, mich besiegt zu haben. r '- 12. Thamus. . 7 Lieber Freund! Ich hoffte,' den Frieden und die Ruhe zu genießen, und nun überrumpelte mich die Tücke des Herrn Urjadnik. Heute Morgen trank sich der Urjadnik in der Schenke voll, wie er dies auch sonst zu thun pflegte, aber beim Weggehen verlangte er von meinem Herrn ein «Darlehen" von fünf Rubeln. Der Schankwirth weigerte sich aber und leistete dem Erpressungsversuch des Hüters der Ordnung energischen Widerstand, indem er ihn daran erinnerte, daß er ihm ja erst vor Kurzem zehn Rubel «geliehen" hatte. Der Urjadnik wurde wüthend, stürzte in mein Zimmer und fragte mich grimmig, woher ich sei, wie ich hierher, komme und was hier treibe? Ich konnte selbstverständlich nur meinen Reisepaß vorzeigen, in welchem es heißt, ich dürfe nach allen Orten reise, .wo Juden der Aufenthalt nicht untersagt ist. Das nützte natürlich hier nichts? Einige Minuten später wurde ich zum Dorfältesten gebracht, 'von wo aus ich polizeilich nach der Stadt abgeschoben werden sollte. Vergebens versicherte ich hoch und heilig, daß ich von selber auf der Stelle den Ort verlassen würde, der Dorfschulze und der Urjadnik schenkten meinen Versicherungen keinen Glauben: erst als ich .meinen Vetheuerungen klingenden Nachdruck gab, beruhigten sie sich. Es blieb dabei, ich mußte das Dorf auf der Stelle verlassen.;; :: Gesenkten Hauptes kehrte ich heim, - um meines Siebensachen, zu packen und abzureifen. Unter meinen Schülern herrschte unverholene Freuds daß sie so schnell Semesterschluß bekamen; doch der Alte schien mich etwas zu bedauern, er half mir meine Sachen packen. Als ich fertig war und traurigen Muthes ihn um etwas Geld bat, da der Schulze und der Urjadnik mir bis auf. den letzten Heller die Taschen geleert hatten, antwortete er, er habe mich für die paar Monate bereits bezahlt (außer den zwanzig Rubeln hatte ich inzwischen noch weitere zehn bekommen). Ich bemühte mich, ihm klar zu machen, daß er der Schuldige fei«., wenn er keinen Streit mit dem Urjadnik angefangen hätte, würde ich unbehelligt geblieben sein? Er aber ging darauf nicht ein. So kam es zwischen uns zu einem Zank. Im Herzen müßte ich ihm Recht geben, aber meine völlig leere Tasche zwang mich, ihm mit solchen Forderungen zU kommen. Schließlich gab er nach: er willigte ein, mich in seinem Wagen zur Stadt! zu bringen, auch gab er mir allerhand Eßwaären mit, Bohnen, Erbsen, Mehl, Erdäpfel, auch ein Stück weißer Leinwand; dann legte er noch zwei Rubel dazu. Ich verwahrte mich, daß ich ihn in, der Stadt zum Rabbiner laden würde.;:• / (Fortsetzung folgt.)?? Wschen-Rsleu-ev. Freitag, 14. November. 14. Cheschwan. ~ >' Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M.4 Uhr 15 Mi».' Samstag, 15. November. 15. Cheschwan. K“Wy Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 5 Uhr 3V Min. — Berlin 4 Uhr 59 Min. — München 5 Uhr 19 Min. — Hannover 5 Uhr 14 Min. — Stuttgart 5 Uhr 23 Min.—Prag ■ 5 Uhr 10 Min. — Stratzburg 5 Uhr 35 Mim — Posen 4 Uhr 48 Min. — Stettin 4 Uhr 53 Min. ' Montag, 17. November. 17. Cheschwan. »atf N'Wn. ' - Der «JSraelit" erscheint ^SclaeHatllcto sueiraal, E2©stags maO ©omEteffBteage, JebeSwoI in Mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 8 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dzv Buchhandel verkehrt durch G. Steinalstrp? Dripxig, Rotzplatz lS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Konpsreillezelleoder deren Kaum. Preis der Zelle im Keclamethell 75 Pfennig. — Direcie Francozusendung unter Streifband, pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 KeichS-Mark oder 16 Kronen österr.. für'S Ausland lS Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3798. Telephon40 5. S ellesuSende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine NuSgabck deS Israelis vier Wochen lang granS und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der ..Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige daS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post, aus dieselbe unter Nr. 3793 a» abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnserttonSbetragS mr-außer Stelle Befindliche bis «sch Erlangung einer solchen.• KkchÄt: (Qaa^mstty: Jom^Kipour-Neminiscenzen eines Kaufmanns. — Zeitungsnachrichten ü. Correspondenzen: Deutschland» Malm. Frankfurt, a. M. Vom Rhein.. Oesterreich: Wiem Palaitina: Jerusalem. — Femlleton: Aus den Briefen eines Ueberstümgen. ({Jwt e|ung)^ DsUagr: Literarisches. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland:. Cassel. Schrimm. Oesterreich: Wien. Ceernowitz. Schweiz: Basel. — Personalien: Karczag. . : " ^-rlUltwaEche WdLettsnrriOüearrLeLmMkM^tzr-Mghtz^-- >WpchWn.deS»J^^t".Schot^aße^.L Mainz. / . Druck und Wrkag der'F o ö. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei AtLen-Gefellschast ln LÄ? - * :* - t: i? Kitte Beilage. vi