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Der Israelit · 1902-11-10 · Heft 89 (10.11.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 89 (10.11.1902)
Date
1902-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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untrügliche Maßstab für die Qualität eines jeden Rabbiners. Will er das Volk in Unkenntniß halten, so hat er nicht mehr das Recht, sich „Rabbiner" zu nennen, er ist „Geistlicher". - Die Gemeinde hat es dann mit sich abzumachen, ob sie sich diesen Luxus erlauben darf, ein ganz neues Amt zu schaffen. Daß aber „geistliche Funktionen" im Judenthume gar nicht „geistlich" sind, das ersehen wir daraus — und damit gibt, meiner Ansicht nach, sich die freiere Richtung unter den Juden eine: Blöße — daß auch Lehrer einen Talar anziehen dürfen und hinter dem Leichenwagen als „Geistliche" erscheinen. Damit ist gekennzeichnet, daß diese Funktion wirklich eine geistliche und auch keine jüdische Institution ist, und ich wundere mich sehr darüber, daß solche Volkstäuschungen sich so lange haben halten können. Wenn in andere Konfessionen sich etwas Jüdisches eingeschlichen hätte, wäre es bald entfernt. Aber , der „Katholizismus" scheint sich im Judenthum — durch die Reologie eingeschmuggelt — zu halten. Das trägt nicht zur Achtung des Judenthums bei. Jede Religion muß sein wollen, was sie sein soll. Rur dann ist der konfessionelle Frieden möglich. Die ehrliche Ueberzeugung und redliche That kann in nachbarlicher Freundschaft nebeneinander wirken. Jeder Uebergriff aber auf ein angrenzendes Gebiet bringt Hader und Zwist. Das erkannt zu haben und zur Geltung zu bringen ist das Verdienst der Orthodoxie, .und wo sie so wirkt, sei es auf rother oder anderer. Erde, da wünsche ich ihr Glück. . '? , . L.;:!* O e st e t t e i ch. Wien, 6. Ott. Die Stadt Wien hat nunmehr den Sieg der Christlich-Sozialen bei den Landtagswahlm vervollständigt, indem sie sogar in solchen Bezirken, die als die festesten Burgen der inneren Stadt galten, die christlich-sozialen Kandidaten wählte. Auch die Allianz mit den Sozialdemokraten hat den Liberalen nichts genützt; sie wären beide-zusammen nicht, stark genug, der antisemitischen Strömung Halt zu gebieten. Wien hat jetzt auch im Landtag die Vertretung, die ihm gebührt. -' Das Hauptverdienst am Siege der Luegerpartei kann, die Geistlichkeit für sich in Anspruch nehmen, da sie mit den bekannten Mitteln mehr als je gearbeitet hat. Daran könnten sich die Liberalen ein Beispiel nehmen, Die Geistlichkeit arbeitet unaufhörlich, jahraus,, jahrein, auch wenn keine Wahlen vor der Thüre stehen, während die Liberalen sich der Wählerschaft in der Regel erst dann erinnern, wenn sie wiedergewählt werden ollen. - Die paar Wahlversammlungen und. Zeitungsartikel machen dann nicht gut, daß man sich , Jahre: lang um die Wähler nicht gekümmert hat. Die.Mozialdemokra.ten. HÄMsicht KhyrzkMr schon! längst eM Beispiel genommen; siesstehen mit ihren Wählern in stetigster enger Fühlung, s Freilich sind ihre Wähler.auch dem.stärksten Drucke ausgesetzt. Im Ganzen werden die Wahlen dem Wiener Liberalismus gezeigt haben, daß die Rettung der Hauptstadt aus den Klauen des Antisemitismus und Klerikalismus von einem viel tieferen Grunde aus in Angriff genommen werden muß, als dies bisher geschehen ist. Palä st i n cu' ' :' Jerusalem, Ende Okt. Dem „Standard" zufolge ist etwa um die Mitte dieses Monats die asiatische Cholera von Egypten nach Palästina übertragen worden; sie wüthe in Gaza und Lydda und sei auch in Jaffa aufgetreten. Eine offizielle Liste der Sterbefälle werde nicht geführt, aber trotzdem glaube man mit Sicherheit angeben zu können, daß bereits über 400 Todesfälle vorgekommen seien. Opfer der Krankheit seien meistens Eingeborene Muhamedaner. Der Gouverneur von Jerusalem hat sehr energische Jsolirungsmaßregeln getroffen und den Eisenbahnverkehr mit Jaffa eingestellt. Man sage, daß der mangelhafte Grenzdienst an der egyptischen Grenze die Einschleppung verschuldet habe, und man setze große Hoffnung auf den jetzt eingeiretenen Wetterumschlag. Heult t e i o tt. As ien Imsen eines NerWgcn. Nach dem Hebräischen von M. E. Eifeuftadt. ... A - _ ■! . V; . ■/; - . ' ' , 9. Siwan. . ' Lieber Freund! - , Es wäre vergebliche Mühe, wenn ich Dir genau. meine gegenwärtige Lage zu schildern unternähme. Während der ersten Woche meines Hierseins war ich beglückt, endlich Ruhe und ein Stückchen Brod gefunden zu haben, und merkte nicht, daß mich das Schicksal unter verwilderte Menschen verschleudert hat, mit denen mich kein geistiges Band verknüpft. Allgemach ist mir diese Einsicht gekommen. Meine Arbeit ist freilich keineswegs aufreibend, aber sie ist mir in der Seele zu-, . wider, da ich weiß, daß sie keine Früchte bringt, und das Geld, welches ich dafür als Lohn bekomme, förm-! lich zum Fenster hinausgeworfen ist. . Fünf Arbeitstage habe ich in der Woche und am heil. Sabbattage ruhe ich aus. Auch am Sonntag bin . ich frei von meiner Lehrerthätigkeit. dafür aber muß ich den ganzen lieben Tag im Schanklokal stehen und -WiM WrWleuten b^jm Zerschleißen^ des, Bräuntweins behilflich sem, die Gläser füllen und. Re Lahl-'. reichen Bauern überwachen, daß sie nicht das geleerte, - Glas in die Tasche stecken, sonst etwas mitgehen heißen»

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