Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1902)
- Date
- 1902-11-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1868 JerÄMgsNschrTchLm rmv SEefysVdmZe«. Deutschland. Mainz, im Nov. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Hermanstadt (Nagy-Szeben), Siebenbürgen, besteht seit zwanzig Jahren eine koscher Selchwaarenfabrik. deren Erzeugnisse überall, wo gesetzestreue Juden leben, das größte Vertrauen genießen. Und mit Recht. Die Eigenthümer und Inhaber des im großen Style eingerichteten Etablissements stnd durchwegs anerkannte D’otei dw gzz* 'i'vdn deren ganze Lebensführung und Geschäftsgebahrung das in sie gesetzte Vertrauen vollkommen rechtfertigen. Außerdem haben diese 0*123)1 o'ie>3 es nicht unter ihrer Würde gehalten, ihr ganzes Geschäft einer speziellen rituellen Aufsicht zu unterstellen. Es fungirten in dieser Fabrik stets zwei Schochtim mit Autorisation der größten Gedaulim und ein hervorragender Gaon Ungarns übte stets die Oberaufsicht aus. Vor mehreren Jahren war es noch nuon psn aus Chußt. der für die über jeden Zweifel erhabene Ritualität dieser Fabrik zeugte, und heute fungirt der rühmlichst bekannte Oberrabbiner aus Velenges als 120.T1 srw. Man muß aber Hermanstadt kennen, um - eine Idee davon zu haben, welchen Feindseligkeiten Männer vom Schlage Abraham Pollak und Schlesinger unter den bestehenden Verhältnissen ausgesetzt sein müssen. Das Gros der Gemeinde besteht aus lauter non »^no und die Eigenthümer der Fabrik, sammt ihren zahlreichen Angehörigen und Angestellten, mit der Thora, die in diesem kleinen Kreis wärmstens gepflegt, mit der npnx und den n'siö cwjp. die da geübt werden, bilden förmlich lebende Proteste gegen den religiösen Nihilismus. der dort zur Herrschaft gelangte. Ein von der orthodoxen Durchführungs-Kommission autorisirtes . Veth Din hat auch nach mehrtägiger Verhandlung an Ort und Stelle vor Jahren schon das Thora-Urtheil ausgesprochen, „daß diese gesetzestreue Kolonie in religiöser Beziehung vom Rabbinate dieser Gemeinde ganz u n a b h 8 n g i g ist." Gerade dieses vernichtende Verdikt hat aber die Leidenschaften der offiziellen Ge--- walthaber noch mehr aufgestachelt und mit den verwerflichsten Mitteln haben sie es fertig gebracht, durch Errichtung einer neuen Fabrik den Bestand der hochachtbaren Firma: Weiß, Pollak L Schlesinger zu erschüttern. Diesem Treiben wollten die Gaonim ^.Ungarns nicht stillschweigend zusehen und sie. beeilten ''/sich, gegen die neue'Hermanfiädter Selchtöä'ärenfäbrÜ ' einen strengen is'u zu veröffentlichen. Wir wollen aus diesen sehr bedeutsamen Kundgebungen nur einige Sätze hervorheben: „Jeder Schochet, der seine Dienste dieser Fabrik zur Verfügung stellen sollte, dessen Urtheil ist im Ritualgesetz ausgesprochen: «man darf von seiner , Schechita nicht essen." Kein religiöser Rabbiner wird sich dazu hergeben, durch Verleihung eines Hechscher die Uebelthäter zu unterstützen. — Wer gottesfiirchtig ist und nim m hat, „wird dieses Verbot nicht übertreten." Unterfertigt sind diese Kundgebungen von den hervorragendsten Vertretern der ungarischen Gaonim. u. a. von den Oberrabbinen zu Bonhad, Hunsdorf, Galßets, Tolcsva und a. m. . Aus der Zuschrift des Kaschauer Oberrabbiners verdient noch folgender Satz hervorgehoben zu werden: „Wer wie ich, der ich doch vor Jahren den Rabbinerstreit dort geschlichtet, weiß es zu beurtheilen, daß die Fabrikseigenthümer Pollak und Schlesinger sammt . ihren Angehörigen,.tatsächlich den schätzbaren Rest der Gesetzestreuen in Hermanstadt bilden, die den edlen Kampf für die jüdische Sache dort führen und deßwegen unsäglichen Verfolgungen ausgesetzt sind." Herr Oberrabbiner Jungreis aus Kaschau war der Obmann des seinerzeit von der orthodoxen Landeskanzlei delegirten Beth Din. Man sieht es diesen Worten an, daß sie der Aufschrei eines religiösen, überzeugten, mitfühlenden Herzens sind. Mit der ausgesprochenen Ueberzengung dieser irin fns rufen wir der alten, bewährten Firma „Weiß, Pollak & Schlesinger" zu: am» nrri'7» am*i n« pp cofyn iwn wo?' oorrnn .nfcnsi Frankfurt a. M. Dem Jahresbericht (für die Jahre 1899/1902) des „Mädchenstifts" zu Frankfurt a. M. entnehmen wir: Die ersten 25 Jahre des Bestehens unserer Anstalt sind zu Ende und mit dankerfülltem Herzen dürfen wir auf das Ergebniß unserer bisherigen Thatigkeit zurückschauen. Der bei der Begründung der Anstalt maßgebende Gedanke war, herangewachsenen und einer geeigneten hiesigen Häuslichkeit entbehrenden Mädchen, welche sich einem mehr als Elementar-Bildung erfordernden Berufe widmen, den Schutz eines geordneten und gesitteten Hauswesens zu gewähren, sowie auch,, falls die Mittel dazu ausreichen, ihnen die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen. - Dieser Gedanke zündete in den Herzen vieler edlen Menschenfreunde, aber trotz eifriger Bemühungen wäre es nicht so rasch gelungen, das Ziel unserer" Wünsche zu erreichen, wenn uns nicht durch die thatkräftige Unterstützung einer hochsinnigen Frau die Mittel zur . Begründung und Fortführung unseres Planes geboten worden wären^ Unserer Ehrenpräsidentin, Frau Charlotte Speyer, gebührt das hohe Verdienst, daß sie in richtiger Würdigung des angestrebten.- - - wohlthätigen - - und .gemeinnützigen Zweckes uns ihre dankenswerihe wirksame Hilfe zu Theil werden ließ. -; ' / Sie übergab dem.Vereine nicht nur das von ihr zu diesem Behufe angekaufte Haus (Rückertstraße 9)