Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1902)
- Date
- 1902-11-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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werfen, die im Laufe des Jahres auf großen Reisen nicht die ungetrübte Reinheit nach dieser Seite hin bewahrt haben. Die Versuchung ist so groß. Der religiöse Leichtsinn hat auf Schritt und Tritt so viele Änwälte und beredte Wortführer, daß es schwer ist, ihm immer und überall das Ohr zu verschließen und ihn abzuweisen. Es dürfte nur sehr wenig reisende Kaufleute geben, die sich nach dieser Seite hin keinen Vorwurf zu machen haben und ich weiß für meine Person ganz sicher, daß ich noch vor einigen Jahren nicht unter diese wenigen zählte. Auch des Umstandes erinnere ich mich ganz genau und werde ihn nie vergessen, der in mir den Entschluß reifte, hier Wandel zu schaffen, wenigstens für meine Person. Es war die Kunde von dem Zusammenschluß einer Anzahl frommer Kaufleute, die sich vereinigt hatten, um dem Schlendrian entgegen zu treten, der sich hier geltend macht. - Es ist der „Verein zur Förd e r u n g ritueller Speise Häuser," der in diesen Blättern schon wiederholt rühmlich erwähnt wurde, der aber immer noch nicht die allseitige Bekanntschaft, Anerkennung und thätige Mitarbeiterschaft findet, die er in so hohem Maße verdient. Ich meine immer, in der Mitgliedschaft dieses Vereins dürfte gar kein Jehudi, dürfte vor allem kein jüdischer Kaufmann fehlen, der seinen Stolz darin findet, zu den gelichteten Reihen der o'vben zählen zu dürfen. Ja, vielleicht noch mehr sollten diejenigen zu einem derartigen Verein zählen, die dessen Bestrebungen zwar zu würdigen wissen, für ihre Person aber im praktischen Leben die rechte Consequenz schmerzlich vermissen lassen. Man fühlt dies wohl niemals im Laufe des langen Jahres nachhaltiger, als eben am Jom Kippur. .Auf der Reise, im Verkehr mit anderen Leichtsinnigen, mag die Mehrzahl derjenigen, mit welchen wir darüber sprechen, uns noch Recht geben und den kleinen Vruchtheil religiöser Gewissenhaftigkeit, den wir uns noch bewahrt haben, als etwas so Großes und Vollendetes feiern, daß wir gar nicht zum Bewußtsein unserer Halbheit, Viertelheit und Achtelheit kommen. Vor Menschen mag dieser Rest religiösen Ernstes noch als eine große, gute That gelten, vor Gott,. vor den uns jeder, Jom Kippur stellt, hat diese selbstgefällige, genügsame Selbsttäuschung keinen Bestand. Er ringt uns das Bekenntniß der Sünden ab, die wir vielleicht nicht vor Menschen, aber die wir vor Gottes unbestechlichem Richterblick — "psA — durch Speise und Trank begangen haben. - Und wenn wir trotz aller guten Vorsätze uns im Laufe des Jahres lax und schwach erweisen sollten,,so} müßten ifür unseren guten Willen, für unsere rechte Gesinnung die paar Pfennige zeugen, die wir den Bestrebungen eines Vereins zuwenden, der seine Maßnahmen lediglich auf Grund der Satzungen des überlieferten Judenthums trifft. Unser Jom Kippur mit seinen Sterbekleidern erinnert uns doch nachhaltiger als sonst an die Stunde der Verantwortung, die auch' an unsere \m kvd den unerbittlichen Maßstab des Gottesgesetzes durch die Frage: ,nnvu2 nrui nww mb dw «np legt. Und wie weit der Einzelne von der Erreichung dieses Ideals auch geblieben ist,/ daß wir es am guten Willen zu seiner Erreichung nicht fehlen ließen, das dürfte doch unser Anschluß an die/ Bestrebungen bezeugen, die der lvackere „V er e in z ur Förderung ritueller S p eise Haus er" verwirklichen möchte. Der vor einigen Wochen ausgegebene zweite Jahresbericht zeigt denn in der That, wie das Verständniß für diese hohen Ziele in immer größere Kreise gedrungen, wie wesentlich die Zahl der Mitglieder gewachsen ist und wie auch die segensreiche Wirksamkeit des Vereins größere Dimensionen angenommen hat. Aber die große Zahl derer, die noch fernab stehen, steht in keinem Vergleich zu der seiner Mitglieder. Große, , ansehnliche Gemeinden Deutschlands sind noch gar nicht vertreten und andere, sind es so spärlich, daß sich jedem von selbst die Nothwendigkeit dessen aufdrängt, was hier noch anzustreben und zu erreichen ist. Und. es genügte in jeder Gemeinde ein einziger Mann, mit etwas Einsicht und gutem Willen, um hier Wandel zu schaffen durch den Hinweis auf einen Verein, dessen eigentliche Tendenz die Vorbeugung und Wiedergutmachung des Unrechts anstrebt: tarnayith'". ÜKoro nmwöi, wie es in unserem snw UVv auf der Reise zum. Ausdruck kommt! - Möchte diese meine am Jom Kippur gelobte Anregung zu solchem Anschluß auf empfänglichen Boden fallen. Wenn jeder Leser und jede Leserin dieser Zeilen sich zum Beitritt zu diesem Verein entschließt, wenn jeder Beitretende darauf bedacht ist, dem Verein wenig-, stens ein Mitglied zuzuführen, so wird das eine Entfaltung dieses Vereins bedeuten, die sich jeder Schätzung entzieht.. Die Adresse ist: „Verein zur Förderung ritueller Speise- Häuser, Hamburg, Börsenhof SV." So verdienstlich ein solcher Anschluß ist, so verantwortungsvoll ist die Abweisung einer solchen Anregung. Unsere großen Weisen bezeichnen eine solche Abweisung als fprft b'2' inrrr? niyo als ein Unrecht, das nicht wieder gut zu machen, als ein Schaden, dessen Tragweite gar nicht zu kontrolliren ist. . Aber auch der Nutzen, die heilsamen Folgen, lüsten sich in ihrer Bedeutsamkeit gar nicht ermessen, die jeder und nun gar dieser n'pnx eira dieser Anschluß gleichgesinnter, wackerer Jehudim. für uns, für . unser /£ßuff,y unstzre^Assmeind^ ,ssnd die.ganze jüdische Ge- 'sa^nmtheit haben muß, "wenn sich schwache Einzelkräfte vereinigen, um mit Erfolg einer solchen Calamität entgegenzntreten! . Deßhalb: .’ v.’ rb n^rnsn 0222V pvrw ipin . .Mp ip2 pmwi pm