Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1902)
- Date
- 1902-11-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1843 vom Quaken eines Frosches unterbrochen wird, muß der königl. rumänische, antimagyarisch-antisemitische Witz kläglich. Vorkommen. Ein Frosch soll eben quaken. Und wenn er sich, von plötzlichem Größenwahn befallen, aufbläht, auf daß er aussehe wie ein Ochs, so kann man ihm eigentlich auch das nicht verübeln. Es ist dies Ambitionssache. Wenn jedoch etwas schon ein fertiger Ochs ist, wozu bläht sich das auf? Adolf A l t ir. ann, Rabbiner-Kandidat. Vermischtes. Berlin. Der Castcllan Albert Litt au er. der seit 36 Jahren im Dienste der jüdischen Gemeinde stand, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Ihm fiel die Aufgabe zu, die fürstlichen Besucher der neuen Synagoge zu geleiten. So batte er Kaiser Wilhelm I., Kaiser Friedrich, den Fürsten Bismarck und den jetzigen Kaiser, der als Prinz einem Synagogenconcert beiwohnte, zu führen. Auch Tom Pedro von Brasilien besichtigte, als er im Jahre 1877 in Berlin weil:e, unter Littaucr's Führung die neue Synagoge. München. Nachd m üch in l-tztcr Zeit in Freiburg (Baden), Posen, Leipzig jüdische Turnvereine aufgcthan, hat sich auch hier eine Bewegung geltend gemacht, welche die Gründung eines Turnvereins bezweckt. Kornmcnden Sonntag, 9. November, wird im Saale des Herrn Jocksbcrger die konstituircndc Berscimmlung staltfinden. Bei dem regen Interesse, das man der Sache cntgegenbringt, dürfte die Zahl der cinlrctcnden Herren eine beträchtliche sein. F e u irr e t o rr. Alis kn Triefen eines Metfllfip. Nach dem Hebräischen von M. G. Eifettstadt. rl .2] “ - ' . ' 7 . -- -. . r‘ .; 20. Jjar. Lieber Freund! ' Gott sei Dank, ich bin ein reicher Mann! Seit zwei Wochen sitze ich in B., einem von der Reichshauptstadt zehn Meilen entfernten Dorf, wo ich die Kinder eines der Bewohner zu unterrichten habe, die nach der Behauptung ihres Vaters ungewöhnlich begabt und in allen, „sieben Weisheiten"-bewandert sind. Ich bekomme für das Semester fünfundsiebzig Rubel und dafür liegt mir ob, die zwei erwachsenen Söhne, einen siebzehn- und einen fünfzehnjährigen, ferner die. zwei kleineren Knaben, einen zehn- und einen zwölfjährigen, endlich das achtjährige Mädchen zu unterrichten. Mein ältester Schüler ist um Kopfeslänge größer als ich und spricht das Jüdische.Aur mühsam, da er. ..unter, den' Bauernausgewachsen ist, . die - den - ganzen Tag .. bei. seinem Vater in der Stube sitzen. Dieser< ist nämlich der Schankwirth im Dorfe. Als ich das erste Mal das Haus betrat, trommelte der Vater seine Kinder, meine künftigen Zöglinge, zusammen, und stellte sie mir vor. Ich winkte dem Aeltesten, näher zu treten, und fragte' ihn einen Vers in der Bibel,'um mich zu überzeugen; 77*. wie weit seine Kenntnisse reichen. Anstatt mir zu antworten, brach der Junge in ein Weinen aus.- Der Vater wandte sich an mich und rief:;.?>•—7-L-'7i „Ihr seht, meine Kinder sind zärkerzögen/- nn>7'7 Strenge nicht gewöhnt, Jhr werdet also sanft mit ihnen? umgehen,, auch sie nicht mit Studien überbürden. Ich -7^ will ja aus meinen Söhnen keine Rabbiner machen^'/.-./?', auch Melamdim will ich sie nicht werden lassen. -Ha, ' ha, ha! Es genügt, wenn sie in ein heiliges Buch einen Blick werfen können, und als Erwachsene es nicht V: -K nöthig haben, wie der Hahn in Venei Odom') hinein- (• zugucken:" 7/; 7V'V 7 7 Ich merkte, daß diese väterliche Rede den' Söhnen ' gut gefiel.- Auch der Erstgeborene wischte sich die Thränen aus den Augen und eilte im Schankzimmer? zu den Bauern, wo dichter Tabaksqualm herrschte. Ich. bin noch immer nicht in's Gleichgewicht gekommen^; - denn als geborener Littauer. der nie die Stadt.ver-7-.7 lassen hat, kann'ich mich nur mühselig an das Landleben . gewöhnen, . und das Alleinsein in den freien i ' Stunden fällt mir schwer. Bekannte' hübe . ich hier ' ' nicht. Hier im Dorfe wohnen im Ganzen fünf jüdische Familien, und alle mühen sich schwer und sorgenvoll . um das tägliche Brod. Der eine Jude ist Schmied und . arbeitet im Schweiße seines Angesichts den ganzen. Tag über; die Bauern zollen ihm Hochachtung, und auch ein Bischen Furcht; die hiesige Bauernbevölkerung hegt nämlich vor jedem Eisenschmied einen höllischen Re- 7 spekt, da sie in ihm zugleich einen Hexenmeister und!-.--; Besprecher erblickt. Der zweite Jude ist ein altfränki- ' scher Schneider. In der Stadt war es ihm zu enge , geworden, da das jüngere Geschlecht seine Kunst ver- - schmähte und ihm keine Arbeit gab. Er siedelte daher ' in's Dorf über, wo es die Juden und Christen mit der. — neuesten Mode nicht so genau .nehmen; er bedeckt also . ' die Blößen Aller, und verfertigt natürlich Kleider für Herren und Damen zugleich^ Sogar der Dorfälteste ' und seine Familie lassen bei ihm arbeiten. ' Der dritte .' . Glaubensgenosse 'ist ein ganz armer Teufel; ein Ün- ' gtücksmensch, der viel Ungemach im.Leben erlitten/-7 denn alles, was! er anfaßte, mißlang und der endlich - dahin gekommen ist, sich vcn dem. . Verschleiß" von 7 Schnaps im Geheimen ernähren zu können. Von Zeit zu Zeit wixd er regelmäßig abgefaßt ynv,7muß.7i«S Strafgeld verlegen,' welches vermuthlich seinen 'ganzen- , 7 jänlmerlichen Gewinnst verschlingt. Der vierte Jude. ifb^ ' . ein Glaser und hat auch einen kleinen Kramladen;, den>7 £l seine Frau versieht. Der fünfft'!st7ebttr'^!nekM,Prvd-;'A^ geber, er gilt als-der einzige Wohlhabende' unter' seinen Glarlbensgenoffen, er besitzt einige Morgen.- A^er7 Än Gasthaus ,Ed^"erne7SHMchWWW777MlkMttZi^ Woche "betet ein Jeder ^einsam^7 nur7 ajn SäRat 'ver- 1) Bei der Zermonie des Kavparoth-Schlagens. — Sprichwört* liche R edensart für einen, der nicht lesen kann. -