Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1902)
- Date
- 1902-11-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1842 Jahren in der Reichstagsdebatte über die Vorgänge in Könitz, und ebenso in dieser Reichstagsseffion in der Frage des Vereinsrechts der Frauen. Er hat beide Male sein parlamentarisches Pflichtbewußtsein mit schweren Rückfällen büßen müssen, und das zweite Mal ist keine Erholung mehr eingetreten. Rickert war am V..27. Dezember 1833 in Putzig in Westpreußen geboren. .. . Schon frühzeitig widmete er sich den öffentlichen Angelegenheiten. 1868 übernahm er die Redaktion der „Danziger Zeitung", deren Miteigenthümer er spater wurde. Er spielte bald als Politiker eine bedeutende ' Rolle und bethätigte sich auch an der Kommunalverwaltung Danzigs in erfolgreicher Weise; als unbesoldeter. Stadtrath leitete er speziell die Armenverwaltung. Mit Heinrich Rickert ist eine der auch dem größeren Publikum bekanntesten parlamentarischen Erscheinungen aus dem Leben geschieden. Er war ein überzeugter Verfechter des Liberalismus manchmal zu sehr Opportunist, aber immer von ehrlichem - Streben, ein Verfechter freiheitlicher Forderungen, ein Vertreter der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung und einscharfer Gegner aller ungerechten Beeinflussungsversuche. So ist er namentlich für bessere Sicherung des Schutzes des Wahlgeheimnisses eingetreten und hat tn erster Reihe im Kampfe gegen den die konfessionelle Gleichberechtigung bedrohenden Antisemitismus gestanden und sich, nach Kräften bemüht, die von den Antisemiten . künstlich genährien Vorurtheile und die zum Theil ganz abergläubischen Vorstellungen von den Juden, so den Aberglauben vom jüdischen Ritualmord, zu zerstreuen. Entschieden trat er allen amtlichen Wahlbeeinflussungen, entgegen, wie überhaupt den von Beamten geübten Uebergriffen auf verschiedenen Gebieten, -so u. a. auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechts. . Roch zuletzt hat er hier das gleiche Recht der Frauen im Reichstage vertreten, wie er überhaupt fürdie Frauenfrage ein gutes Verständniß hatte. " Rickert gehörte ferner zu den-überzeugtesten Anhängern derkommunalen Selbstverwaltung. Als Landesdirek-? tor der Provinz Preußen hat er selbst zwei Jahre, ' 1876 bis 1878, d. h. bis zur Theilung der Provinz,; an der Spitze..der provinziellen Selbstverwaltung ge- , standen: - : Der Reichstag und das Abgeordnetenhaus per- . lieren in. Hm einen der temperamentvollsten Redner — . mnd eines..der fleißigsten Mitglieder. Auch außerhalb -.» . des Parlaments hat sich Rickert an einer Reihe gemein- : -,- -^nützig>e.r7Bestrebungen. betheiligt. Hervorzuheben -ist , namentlich seine erfolgreiche Leitung' . der Gesellschaft .. p? zü.r DeEeftüng von Volksbildung - seit dem Jahre .^^^lH3^,d1e^e.M,sthr v^snstvolle..Wirksamkeit zu ver- £!>!.- ^-4zeHnen Hat^ - Do ho^t er auf verschiedenen Gebieten erv,<,.rfalgreiH gechW-immer mit.dem Bestreben, dem öffent- ' /' . lichen Wohl zu dienen^' 'und in'Anerkennung'' dieses Strebens bei Freund und Feind gleich, geschätzt. Ehre seinem Andenken! Ungar n. EperjcS, 1. Rov. Dem echt liberalen und sehr geschätzten „Reuen Pester Journal" entnehme ich folgende, recht interessante Notiz, mit der ich — wie ich meine — den Lesern des „Israelit" nur Freude bereite. („U n g a r n und Jude n.") Zu Rovnye im Komitate Trencfen befindet sich ein von einem schönen Parke umgebener Herrensitz: Dieser gehörte seinerzeit dem Freiherrlichen Geschlechte Derer von Skrobensky und war anno dazumal theils wegen seiner zwerghaften Stechpalmen, theils wegen der über dem Gitterthore des Parkes angebrachten Aufschrift berühmt Erstere bildeten eine Laube von Spießruthen, in welcher Niemand ungestraft wandeln durfte; letztere lautete folgendermaßen: „Hunden und Juden ist der Eintritt verboten." Seitdem hat sich Manches geändert. Es sind viele Freiherren auf den Hund gekommen, und mehrere Juden haben es selbst ohne die Eintrittsberechtigung in den Rovnyer Park zu etwas gebracht. Der Eine und der Andere wurde Millionär, ein Dritter Kriegsminister (allerdings blos im katholischen Italien), ein Vierter Lordmajor der Stadt London u. s. w. Keinesfalls aber erinnern wir uns auch nur eines einzigen Israeliten, der daran gestorben wäre, weil es. ihm nicht gegönnt war, den Rovnyer Schloßpark zu betreten. Das Rad der Weltgeschichte rollt pflichtgemäß weiter. Was ist ihm Hekuba, was kümmert es sich um Rovny, was um die dortige Gitterthor-Aufschrift? Und was läßt es sich in seinem Weiterrollen durch einen anderen, winzigen Fleck des Erdballs hemmen, durch ein Aussatz-Bröselchen am Haupte der zivilisirten Menschheit, oder sagen wir, um ein verschwindend kleines Unschönheits - Pflaster am reinen . Körper menschlichen Fortschritts? . ... Wenn eine mikroskopische Eintagsmücke auf dem Balkan zufästig. Rumänienheißt und auf einmal eigen Hustenanfall bekommt, wer hat den Schallvergrößerungs-Apparat am Ohr und wer hört Solches? Und so mag denn die liberale Regierung des Königs Karol (so sehr hat sich das Schlagwort des Liberalismus schon lange nicht kompromitirt), so mag.sie denn in ihrem Amtsblatte die Satuten eines Spar- und Vorschußvereins genehmigen, zu welchem jedem Lebewesen, mit Ausnahme von Ungarn und Juden, der Mitgliederfchasts-Beitritt. gestattet ist. Weder der Ungarische Staat, noch das in mehrtausendjährigen harten Prüfungen erprobte Volt Israels wird von dieser jedenfalls recht witzig erdachten Maßregel besonders Nachtheiliges verspüren. Weder die .Ungarn, noch die Juden werden.Selbstmorde begehen, ob der grausamen Ausschließung - vom Bukarester Spar- und Vörschüßüerein. Aber'selbst denjenigen Naturliebhabern, die es nicht ungernHörest, wenn an stillen Abenden das keusche Schweigen' der Natur t