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Der Israelit · 1902-11-06 · Heft 88 (6.11.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 88 (6.11.1902)
Date
1902-11-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sat seien. Für manche Leistungen, wie für die Erzeugnisse der Homiletik, werde es sehr schwer sein, einen unbefangenen Besprecher zu finden, und endlich sei es eine der schwierigsten Aufgaben für die Lesbarkeit der Aufsätze Sorge zu tragen. Als Korreferent tritt Prof. Geiger zunächst dafür ein, daß er die Herausgabe einer Zeitschrift nicht für opportun halte, weil sie ein Konkurrenzunternehmen der bereits bestehenden Zeitschriften darstelle. Aber zu der Herausgabe bestimme ihn der äußere Grund, daß die Mitglieder, die sich ja auch aus Laien zusammensetzen werden, für ihren Beitrag auch etwas bekommen müssen, damit sic wissen, was der Verein thue. Er denke sich die Zeitschrift in der Form der Jahresberichte, wie sie z. V. auf dem Gebiete der Litteraturgeschichte erscheinen, die die Leser unterrichten sollen, was im Laufe des Jahres an neuen Werken erschienen und in der ganzen Welt für die Wissenschaft geschehen sei. Neben Bibel und Talmud müßten Abschnitte gewidmet werden der Religionsphilosophie, der gesammten Geschichte der Juden, der Sprachwissenschaft, den jüdischen Rechtsverhältnissen und endlich der neuhebräischen Litteratur. In der sehr langen und lebhaften Diskussion trat Kirchenrath Dr. Kroner- Stutigart dafür ein, den Jahresberichten auch einzelne abgeschlossene Abhandlungen von allgemein wichtigem Inhalt beizügeben und ebenso in den Generalversammlungen dieses Ziel zu fördern, um so das Interesse an der jüdischen Wissenschaft in den Gemeinden selbst zu heben. Endlich müsse dafür Sorge getragen werden, daß für die gelehrten Kreise die ständig gut gehaltene Monatsschrift in Breslau vorhanden bleibe und gut fundirt werde. Rabb. Dr. V o g e l st e i n - Stettin wünscht das Gebiet der Bibelkritik besonders gefördert und die Zeitschrift etwa alle Halbjahr erscheinen zu lassen. Rabbiner Dr. Kellermann- Berlin wünscht die systematische Religionsphilosophie ohne Vernachlässigung, der Bibelkritik in den Vordergrund zu stellen. Dr. Poznanski warnt vor der Verflachung, die neue Zeitschrift soll die vorhandenen nicht verdrängen, sondern ergänzen, soll sich besonders der neuhebräischen Litteratur widmen und den Grenzgebieten, soweit sie das Judenthum betreffen, da die Wissenschaft des Judenthums nur gedeihen könne, wenn sie im Zusammenhang mit den anderen Wissenschaften geboten werde. Endlich giebt er noch zu erwägen, ob die Zeitschrift nicht polyglott sein solle und auch hebräisch erscheine, damit die Wissenschaft wieder hebräisirt werde. Es folgte alsdann die' Verathung der Statuten und der Organisation der Gesellschaft. Professor Philippson gab hierzu die Erläuterungen, berichtete über die Abänderungen, die noch in der gestrigen Versammlung beschlossen worden waren. Mannigfach waren natürlich die Wünsche, Die hier von 1841 'den Einzelnen vorgebracht wurden; der Eine will' nur? die Gebiete, die sich mit dem Kampf gegen den Antisemitismus beschäftigen, vornehmlich fördern, ein Niederer tritt in ausführlicher Weise für die von ihm an-: geregte Subventionirung von Lehrstühlen an höheren^ wissenschaftlichen Anstalten ein. Mehrfach dringen die? Redner darauf, daß die Gesellschaft, wenn sie bestehen, soll, eine rein wissenschaftliche sein müsse. Lebhaft wogte der Meinungskampf hin und her, verschiedentliche Abänderungsanträge waren bereits gestellt und zu späteren Paragraphen angemcldet — da brachte ein Antrag des Redakteur Klausner-Berlin eine dankenswerthe Abkürzung der Debatte. Er beantragte: Die Versammlung nimmt „en bloc" den Satzungs-Entwurf, der ihr gedruckt vorgelgt worden ist, mit den Aenderungen, die in der Vorbesprechung die Mehrheit gefunden haben, an. Die Versammlung überweist sämmtliche heute zu den Statuten gestellten' Abänderungsvorschläge dem Ausschuß zur Erwägung und ermächtigt ihn, diesen Abänderungsvorschlägen Folge zu geben. Die von dem Ausschuß auf Grund dieser Vollmacht festgestellten Statuten unterliegen der Bestätigung durch die nächste ordentliche Mitgliederversammlung. Auf Antrag Bernfeld beschließt dann noch die Versammlung, einen Ausschuß zu wählen und zwar werden in denselben die 21 Unterzeichner gewählt, denen das Recht der Cooptation zugesprochen wird. Nach den üblichen Schluß-' und Dankesworten des Vorsitzenden, Prof. Philrpps o n und Rabbiner Dr. V o g e l st e i n, welcher den Dank der Versammlung dem Vorsitzenden votirt, wurden die Berathungen, die eine fünfstündige Dauer in Anspruch genommen hatten, geschloffen. -? Da, wie wir erfahren, es in Berlin noch einige Glaubensgenossen giebt, die weder Vereinsvorstände noch Ausschußmitglieder noch Herausgeber jüdischer. Blätter sind, so sind wir zu der vollen Hoffnung berechtigt, daß demnächst noch einige neue jüdische Vereine, sowie noch weitere jüdische Blätter in der Reichs-. Hauptstadt gegründet werden. Berlin, 3. Nov. Reichstagsabgeordneter H e.i n - r i ch R i ck e r t ist heute gestorben. Den Folgen des Leidens, das ihm schon seit einigen Jahren die öffentliche Thätigkeit so gut wie unmöglich machte, ist der weitbekannte Parlamentarier nunmehr erlegen, nachdem erst vor Kurzem eine Besserung in seinem Befinden eingetreten zu sein schien. Arterienverkalkung' in Verbindung mit einem Herzleiden hatten ihm, dem bis dahin rastlosen und thatfrohen Mann, eine Zurückhaltung aufgezwungen, die durchaus wider seine Natur ging. Nur widerstrebend fügte er sich dem Gebot des Arztes, jedes rednerische Auftreten im Parlament zu' unterlassen. Einige Male aber hat er dies Gebot doch noch durchbrochen, in Fällen, in denen ein innerer Trieb es ihm unmöglich machte, zu schweigen; so vor zwei

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