Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1902)
- Date
- 1902-11-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1 u 1840 - i'■■■■. t sie gestellt werden-müssen. Es werde augenblicklich eine Art antiquarische Forschung betrieben. Die jüdische Wissenschaft befinde sich zudem in sehr schlechter pekuniärer Lage unh ohne die vielen fleißigen Arbeiten der Gelehrten könne sie nicht leben. Nach der übereinstimmenden Ansichtaller Unterzeichner des Aufrufs * werde dje neue Gesellschaft im Stande sein, der jüdischen Wissenschaft! aufzuhelfen und die ihr anhaftenden Mängel, zu beseitigen. Sie solle befähigten Herren, welche ihre Studien absolvirt haben, ermöglichen, einige Jahre sich der Wissenschaft des Judenthums zu widmen, um dadurch auch zugleich einen Stab von Lehrkräfte^ zu schaffen, deren die Lehranstalten bedürfen; die ^sicherlich vorhandenen, aber zerstreuten Kräfte im Rabbinerstand müßten gesammelt werden und auch die Methode und das Ziel in der Wissenschaft könne ein anderes'werden. Der kritiklose Geist, der sich in manchen Schriften finde, müsse beseitigt werden, und der neue Verein werde durch seine Jahresversammlungen und' durch seine Zeitschrift eine scharfe Controlle über die erschienenen Werke ausüben. An diesen mit sehr lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte eine sehr ' lange Diskussion. Aus derselben heben wir nur hervor, daß Rabb. Dr: Maybaum die Neuschaffung dieses Vereins nicht für nothwendig halt und auf die'mit denselben Zielen bestehende Zunz- Stiftung verweist, die nur ausgebaut zu werden braucht. (Es freut uns, hier einmal mit Herrn Maybaum ein und derselben Ansicht sein zu können. Red. d. I.) Nach seiner Ansicht müsse Geld gesammelt werden, um den bestehenden Lehranstalten zu helfen, um die Studenten besserzu stellen, und nicht zuletzt dafür gesorgt werden, daß die Stellung der Rabbiner in den Gemeinden eine bessere werde. Mit neuen Kräften müsse das Alte gefördert, aber nicht Neues geschaffen werden. Dagegen kommt Prof. Geiger- Berlin in längerer Ausführung dazu, die Nothwendigkeit des neuen Vereins, aus innerer Ueberzeuguna zu begründen. Die Zunz-Stiftung sei seit zwanzig Jahren nicht gefördert worden und das Interesse für sie könne deßhalb nicht plötzlich geweckt werden. Außerdem wolle aber der neue Verein in Kreise gehen, in die die Zunz-Stiftung nicht dringe. Der neue Verein solle nicht eine Gesellschaft von Männern der Wissenschaft, nicht nur von Rabbinern bilden, sondern durch ihn sollen weite Kreise des Lebens daran erinnert werden, daß es eine Wissenschaft des Judenthums gebe, und weite Kreise sollen durch die Wissenschaft belehrt werden. Es sei der ernste Wille des Vereins, das Streben befähigter junger Männer zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu gewähren, eine neue Bahn zu be-, treten. Auch Dr. Bernfeld - Berlin mahnt energisch, auf das große Publikum, in welchem das beste Mäcenatenthum stecke, bei der Neugründung des Vereins Rücksicht zu nehmen. Rabbiner Dr. David- Düsseldorf halt den jetzigen Zeitpunkt, so sehr er auch den Bestrebungen des Vereins zugethan sei, nicht für geeignet, als es sich jetzt darum handle, Brot zu schaffen für Tausende von unglücklichen Gläubensbrüdern. Die Diskussion, an der sich noch die Herren Rabbiner Dr. Finkel - Pasewalk, Dr. Rosenthal, Prof. Dr. Kisch-Prag, Zahnarzt Lifisch ü tz - Berlin betheiligten, endete, wie nicht anders zu erwarten stand, mit dem fast einstimmigen Beschluß — nur zwei Herren, darunter Dr. Maybaum, stimmten dagegen — der Gründung des Vereins. Zu Punkt 2 der Tagesordnung giebt alsdann Dozent Dr. Baneth-Berlin einen Ueberblick über die Arbeitsgebiete und Aufgaben der Gesellschaft. Vier verschiedene Gebiete sind vorgesehen, auf welchen der neue Verein thätig sein soll. Er will aus seinen Mitteln Stipendien an jüdische Gelehrte geben, ferner Schriften herausgeben,' die die Wissenschaft des Judenthums betreffen, und eine periodische Zeitschrift, er will die Errichtung von Lehrstühlen an geeigneten höheren Lehranstalten fördern und endlich alljährlich Generalversammlungen stattfinden lassen, .in welchen eine Controlle über die Thätigkeit des Ausschusses ausgeübt und ein Gedankenaustausch der einzelnen Mitglieder ermöglicht werden soll. In kurzen, klaren Worten giebt der Redner Erläuterungen zu diesen vier Punkten und schließt mit der Hoffnung, daß es dem Verein vergönnt sein möge, auf diesen Arbeitsgebieten Tüchtiges und Ersprießliches zu leisten zum Heile des Judenthum und zum Heile der ganzen Menschheit. Unter vorläufiger Absetzung der Diskussion wird daran sofort der dritte Punkt der Tagesordnung geschlossen, betreffend die Herausgabe einer periodischen Zeitschrift. Als Referent giebt Dozent Dr. B r a n n - Breslau die allgemeine Direktive für die Zeitschrift an, die die Aufgabe haben soll, die jüdische Wissenschaft in wissenschaftlichem Geiste unbefangen zu fördern. Die verschiedenen Zweige der jüdischen Wissenschaft sollen in ihr möglichst gleichmäßig berücksichtigt werden, die Quellen der jüdischen Geschichte zum Ausdruck kommen, die Bibel behandelt werden. Ferner sollen die neuen litterarischen. Erscheinungen in ihr und zwar möglichst rasch nach der Publikation besprochen werden, und endlich werde es sich darum handeln, neben der Sachlichkeit und Gründlichkeit der Abhandlungen für deren Lesbarkeit Sorge zu tragen. Doch verhehlt sich der Redner nicht die ungemein großen Schwierigkeiten, die sich der Erreichung dieser Ziele entgegenstellen. Es werde sehr schwer sein, die verschiedenen Zweige der Wissenschaft möglichst gleichmäßig zu berücksichtigen, weil die Arbeit auf den verschiedenen Gebieten eine im höchsten Grade ungleichmäßige sei. die Arbeiter auf dem Gebiete der Bibelkritik und den hebräischen Exegeten sehr dünn ge-