Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1902)
- Date
- 1902-11-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449875--56962-2519725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1839 Begründung, wie wir mit Genugthuung konstatirenden beabsichtigten Erfolg nicht gehabt. Der gesunde Sinn unserer westfälischen Glaubensgenossen hat sich auch hier trefflich bewährt gegenüber dem anmaßenden und widerwärtigen. Gebühren ultra orthodoxer Fanatiker." Als ferner nach Verlauf von Dreiviertel Jahren im April 1896 seitens des „Synagogen-Verbandes" dreizehn Gutachten „f L r" das neue „Gebetbuch" veröffentlicht wurden (im Gegensatz der von mir veröffentlichten fünfzig Gutachten), hieß es im Vorwort der Broschüre u. A.: „Den maßlosen Angriffen der Orthodoxie aber werden wir in Zukunft mit der Nichtachtung begegnen, die sie verdienen. Der durchaus unwürdige Ton, in welchem jene Herren das Gebetbuch und seinen Verfasser geschmäht haben — wir verweisen auf die Zusamenstellung in unserem Flugblatt vom verflossenen Jahre — bekundet nur auf's neue, wie wenig - jene Herren sachlich zu kämpfen verstehen." (Schluß folgt-.) ZettrHrgsnachrichLerr rmS Eorre?N0Kderrzen. Deutschland. Berlin, 2, Nov. Im .Logensaal des alten Architektenhauses fand.heute die Constituirung des „Vereins zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums" unter lebhaften Zuspruch hiesiger und auswärtiger Theilhaber, deren Mehrzahl Rabbiner waren, statt. Die Gemeinden Berlin und Leipzig hatten hierzu offizielle Vertreter entsandt und zwar Berlin Herrn Gemeindesyndikus Rechtsanwalt Lilienthal. Unter dem Vorsitz der Herren Prof. Dr. Philippson, Rabb. Dr. M a y b a u m — Berlin und Dr. Vrann — Breslau, denen als Schriftführer die Herren Dr. Samuel P o z n a n s k i und Dr. Hochfeld — Frankfurt a. O. zur Seite standen, boten die Verhandlungen außerordentlich viel Interessantes; vor allem brachten sie vier schlichte und lichtvolle Referate, welche die Versammlung über Zwecke und Ziele des neuen Vereins aufzuklären bestimmt waren. Als erster Redner sprach Herr Rabb: Dr. L u c a s - Glogau, der bereits vor fünf Jahren im hiesigen„A!ademischen Verein für jüdische Ge-' -schichte und Litteratur" über die in Frage stehende' Begründung einen eingehenden Vortrag hielt, über die Nothwendigkeit der Schaffung des Vereins zur Förderung der Missenschaft des Judenthums. Er gab in . . längerer. Ausführung die Vorgeschichte der sehr/müh-' seligen Bestrebungen, welche auf seine Slnregung hin unternommen wurden,, und berichtete,' daß'der erste Aufruf, der in offener Weise die Gründe des Niedergangs der Wissenschaft des Judenthums.darlegte, auf vielfache Proteste hin habe zurückgezogen. werden müssen, und daß der zweite Aufruf von ihm in Ge- . meinschafk. mit dem Geh. Regierungsrath Herrn Prof. Dr. Cohen- Marburg ausgearbeitet worden. sei. Diesen zweiten Aufruf haben wieder/einige orthodoxe Autoritäten*) zu unterschreiben sich geweigert, weil nach ihrer Angabe der gemeinsame Boden zu/gemeinsamer Arbeit fehle. Der zweite Aufruf, hat. eine ungemein große Begeisterung hervorg^rufen^ . er .wurde in's Hebräische und in's Englische übersetzt, auch allen amerikanischen Rabbinern . zugesandt, und:, aus der ganzen Welt liefen in großer Zahl Zustimmungsbriefe ein, darunter auch ein sehr warm gehaltener von Geheimrath Prof. Lazarus. Auch materielle Opfer wurden sofort dargebracht. So zeichnete der Generalkonsul Philippson - Brüssel 4000 Mark und die Königswarter - Stiftung stellte in dankenswerther Weise ihres jährlichen Zinsenertrags, etwa 700 bis 800 Mark, dem'neuen Verein dauernd zur Verfügung. Etwa hundert Herren träten in Folge des Aufrufs dem Verein als Mitgliederbei. Diese, allgemeine Begeisterung, so führte der Redner im Weiteren aus, sei auch ganz erklärlich, wenn man die Bedeutung der Wissenschaft für die jüdische Gemeinschaft in's Auge fasse. Wenn die Geschichte in ihrer Gesammtheit mit allen Disziplinen nicht studirt werde, dann pflege sich außerdem die Phantasie dieser Dinge zu bemächtigen, und die Phantasie sei bekanntlich sehr, konstruktiver. Art. Es werde Sache einer ernsten Forschung sein, nachzuweisen, daß die Vergangenheit" der Juden den. Schlüssel biete, der zwar nicht die. Krystallpaläste, der Phantasie erschließe, aber auch nicht di< Höllenihore. (Dieser hohe Weisheitsspruch wäre würdig über der Eingangspforte des zukünftigen . Vereinshauses angebracht zu werden. Ned . d. I.) Besonders wichtig sei gegenwärtig das Studium, .der Geschichte, namentlich der alten und neuen Zeit, ündch'as Studium der Religionsphilosophie, die zu zeigen' bestimmi sei, was eigentlich. Judenthum' heißt. Es fehlten dem Judenthum die großen Mengen der Gelehrten, nicht im absoluten, sondern im relativen Sinne. Es seien zu. wenig zu der Menge der christlichten Gelehrten, welche sich mit der Wissenschaft des Judenthums befassen und unter deren Wirken die Schriften der jüdischen Gelehrtenwie in einen Strudel--versänken. Die christlichen'Gelehrten seien--auch nicht unbefangen und eine geistige Gemeinschaft wie-Vas -Judenthum dürfe die Wissenschaft, Vas'heißt'die'eigentliche Basis seines Bestehens, nicht ohne Aufsicht--anderen! ander-' trauen/. Außerdem 'abed entsprächen wuch^ viele Werke jüdischer' 'Gelehrtin' nichtdew Anforderuügen;ubelche an : - *) ES jräre-, mtecyffiint - *a'uT ersakjrrn,. welche ''orthodoxe Autoritäten das sind., * ' \ Red, d. „Israelit.