Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1902)
- Date
- 1902-11-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1838 Unter anderem forderte ich bei einer großen Anzahl gesehestreuer Rabbiner'Gutachten'darüber ein, ob jenes „Gebetbuch" .für den jüdischen Gottesdienst verwendbar ist bezw. ob man einem Gottesdienste, dem dieses „Gebetbuch" zu Grunde liegt, beiwohnen darf. Darauf erhielt. ich' fünfzig Gutachten und zwar f a st sämmtlich m it der ausdrücklichen Be - t o n u tt gdaß d i es es „westfälische Gebetbuch" verschiedene Grundwahrheiten des Judenthum's verleugnet, daß daher genanntes Gebetbuch-für einen jüdischen Gottesdienst, sowie für die Haus l i ch e Andacht nie m a l s verwendet werden darf und daß man einem d a n a ch a b g e h a l t e n e n Gotte s - dien,st e n i ch t beiwohnen dar f." Da'ich annehmen mutzte, daß viele.Glaubensgenossen unserer Provinz sich des fraglichen Gebetbuches für ihre häusliche Andacht resp. für ihren Gottesdienst bedienen 'und einem darnach geleiteten Gottesdienste, beiwohnen, und zwar ohne daß die se.lben wu ßLen, daß ln di esem sogenannten '„jüdischen' Gebetbuche" Grundwahrheiten des Judenthüms v e r l e u g n e t w u r d e n, s o erachtete ich mich als. verpflichtet, die mir seitens der Herren Rabbiner gesandten Gutachten im Interesse unserer, heiligen Religion der Oeffentlichteit zu übergeben,' damit hierdurch eine große Anzahl Glaubensgenossen unserer Provinz über den wahren In hc l t dieses sich „j ü di sches Gebetbuch" ^nennenden Wertes aufgeklärt wurden! ' ' " Ich überlasse es dem Ermessen der verehrt. Leser, ob dieses mein Vorgehen in der Gutachten-Angelegenheit als ein „A u s s ch r e i e n" zu bezeichnen ist! Wenn we st fälische Juden mit einem sog. „neuen Gebetbuche" beglückt (!) werden.sollten, so haben doch auch sicher s o l ch c. w c st fä l i sche Juden, welche entschiedene Gegner " dieser Reformen sind, das g r ö ß t e'Recht dazu, gegen derartige Neuerungen Einsprache zu erheben! —Selbstredend war der Druck und Versand der Gutachten-Sammlung mit großen Kosten verknüft' und wandte ich mich daher an die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums in Frankfurt a. M." behufs Bewilligung eines entsprechenden Betrages, zur Beihülfe für die baareu AuSlageis'än Papier.-und Porto, welcheHerstellung - ünd '^Versünd' von. ca 3000 Exemplaren der Gutachten-Sammlung verursachten und die. auch, an-, gesichts der großenWichtigkeiti.dieser Sache,' seitens des V'örstciNVes-dör /.Freien. Vereinigung"/: anstandslos .bewilligt'wurdest:!' :;4 «-/v'i. r.7 .... ... ' Hiermit'' bezw/ durch' / /die-: Veröffentlichung /der Gutachten-Sammlung ist eigentlich das Kapitel meiner Thätigkeit in dieser Angelegenheit vollauf erschöpft und zwar sowohl hinsichtlich des „A u s s ch r e i e n s", als der Verbreitung „anklägerischer Flugblätter. da von meiner Seite bezw. der gesetzestreuen Gesinnungsgenossen unserer Provinz in dieser Angelegenheit nichts weiter geschehen ist. auch nichts mehr zu thun war, weil die Gutachten eben f ü r sich selbst wirkten! — ' Doch jetzt begann das „Ausschreien" sowie das Verbreiten „anklägerischer Flugblätter" und zwar seitens der Gegner, wovon sich die verehrlichen Leser durch folgende auserlesene Proben überzeugen können.. Sofort nach Veröffentlichung der Gutachten wurde seitens des „Synagogen-Verbandes" die ganze Provinz mit einem „Flugblatte" überschwemmt, dessen Inhalt u. A. Folgendes ausführte: 1) Es ist entweder Böswilligkeit oder Unwissenheit, die Vogelstein'sche Bearbeitung des Gebetbuches als etwa unerhörtes noch nie dagewesenes darzustellen, da sämmtliche neueren Gebetbücher nach denselben Grundsätzen bearbeitet sind, wie das Vogelstein'sche. Die: Angriffe auf dieses Buch seitens der Orthodoxie haben ihren Grund in der Verbreitung, die das Buch gefunden und in der Furcht einer Erschütterung der orthodoxen Position, in weiten Kreisen durch dieses Buch. 2) Unter den 50 Rabbinen findet sich nicht ein einziger von hervorragender Bedeutung. Außer Hannover und Hamburg, deren Rabbiner hochorthodox sind, ist keine große Gemeinde durch ihren Hauptrabbiner vertreten. Es befindet sich sogar ein Kultusbeamter, unter ihnen, der gar kein Rabbiner ist. Ferner sind neun Rabbiner orthodoxer Separatgemeinden und dabei gehört kein einziger der mittleren oder freieren Richtung an; sie sind ausnahmslos Vertreter der krassesten Orthodoxie. Angesichts dieser Thatsachen, wird es für eine unerhörte Anmaßung und Ueberhebung erklärt, die Gutachter als die bedeutendsten Rabbiner des In- und Auslandes zu bezeichnen.. 4) Fast alle Gutachten enthalten nur Phrasen; von eingehender, sachlicher Kritik ist keine Rede. Zudein ist der Ton fast durchweg ein unwürdiger. 5) Die ganze sog. Gutachtenfammlung. ist ein Werk der ultraorthodoxen Partei, denn die „Freie Vereinigung für. die Interessen des orthodoxen Judenihums" hat die. Veröffentlichung subventionirt. . Der Jahres-Bericht des „Synagogen-Verbandes" vom 1. April 1894 bis 1.. April 1895 ließ sich «J. in folgender Weise aus: .1- .... .•., . „Die von ult ra.orthodoxer 'S eite, zum...g.r oß.em Theil..In gehäss\ge.r/ ünbv .v n wü r.d i ge r F o r m.^-..gegen unser GeöetbuH gerichteten Angriffe haben sowohl durch-ihren Mangel.;, an Sachlichkeit, als auch durch die Haltlosigkeit ihrer