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Der Israelit · 1902-11-03 · Heft 87 (3.11.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 87 (3.11.1902)
Date
1902-11-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1828 Argentini en. Buenos-Aires, 17/Okt. ' Das /Argentinische Wochenblatt" ^schreibt} - n /Die jüdischen Einwanderer, welche letzthin mit den Dämpfern ^Washingtons und Mmbria" hier an- .längten/behäupten.steif und^ fest,daß sie für Rechnung ''ber'„Jewish Col.-Association" durch einen Agenten derselben in Jassy, einem Herrn Adolf Warmann, mit -. 'vM, Hesem gezählten Passagen hierher geschickt, worden ■ seien. Sie^ glaubten natürlich, hier sofort Arbeit zu finden.^ iE s ' sei. denn auch eines'Tages ein gewisser MoMtßaE H irhnett iw die,Einwanderer-Herberge ge- -Ü>nimen/ünd sie hätten sich überzeugen können, daß dieser' Herr"eirie von. demAgenten in Jassy geschickte.Liste besäst, aufwelcher ihre Namen sämmtlich verzeichnet . » -,<V : iy. :? Äenn .diese.Angaben, wie man wohl annehmen ^/.'müsse.'v'äüf-Wahrheit, beruhen, so ist .es schwer zu begreifen^, warum .bic(L-&." sich den armen Leuten ^gegenüöer so-ablehnend verhält. Aber wie gesagt, das 4HHerWHvdML.lhun<Wnnen, ist, sich rasch entschlossen / Hach eine^ anderweitigen Beschäftigung umzusehen.! Glücklicherweise gibt es jü in der Argentinischen Repu- / blik NiM nur Judenkolonien. Von berufener Seite Ist : Übrigens der Regierung die Verpflichtung.nahegelegt wordene sich , durch Verinittlur.g ihres Konsuls bei der! ^Generaldirektion der Gesellschaft zu vergewissern, ob Ä deren Leute wirklich mit deren Zustimmung hierher be- : /fördert tynrden oder, nicht,' und ob.also die hiesige Ver- \ /tretung. berechtigt ist,'Hie Einwanderer zurückzuweisen. •*-?$>*;-Vv i t iii F e rr r l z <r:i o n J ijv -■**7 i.-; , . , -• ,v*s . -rr-rr.- - ' --- > ’ » 1*1 f, :.; . . . V-’j'.. v!!■!• ' '■ '' - . ' /.Bäckbldcm--Hebräischen von M. G. Etsenftadt. - : *^4 - . .- v t . 25. Nissan 5649. I -i . Lieber Freund!'' - \"Y Meinem Versprechen getreu, will ich Dir von Zeit j^ÄÜ 'ZO'Mreiberr^nH.',Dir.'übermeine Erlebnisse beji; ^ichten/Unfdie^ Wahrheit. zu. gestehen, würde ich in. .-seiner jetzigen Lage'gerne einen Briefwechsel mit Dir IS ^ugekNÜpft haben, auch ohne hierzu durch meine, feierj ^iche Zusage verpflichtet zu sein. Die Zeiten andern zEkW^^^^lntMhMNL^DaMMl^lsckch^noch ruhig und in Frieden zu Hause fast, war mir das Schreiben eine mühselige Last; nur gezwungen nahm ich bisweilen die Feder zur Hand, um ein paar Zeilen an Dich zu richten. Doch jetzt, da ich einsam und verlassen in fremdem Lande umherirre, das Herz voll von traurigen Gedanken, da ist mir die Gelegenheit willkommen,'mit Dir ein wenig brieflich zu plaudern, . um mir in der Bedrängniß Lust zu machen. Vor wem soll sich mein Herz ausschütten, wenn nicht vor Dir? In. den Briefen an meine Frau befleißige ich mich eines fröhlichen Tones und spiegle ihr allerhand glänzende Hoffnungen vor, obgleich ich noch fern von jeglicher Erlösung bin. Ich weiß ja nur zu gut, in welchem Seelenzustand, dir Aermste sich befindet, da ich sie und unfern kleinen Sohn verlassen mußte, ohne jegliche Hilfe und Beistand. An meine Eltern habe ich seit der.Abreise noch keine Zeile geschrieben, ich gestehe Dir, daß ich ihnen grolle, denn sie allein haben mein jetziges Elend, verursacht, indem sie mich zu der frühen Heirath drängten. Ich wäre heute noch ein freier Mann, und wenn ich Mangel litt, ich litte ihn blos für meine Person/ Und jetzt? Wenn ich hungere, muß ich.daran denken, daß noch zwei mir theure Seelen vergebens nach Brod rufen, und wer hat ihren Jammer verschuldet? Meine Eltern wollten an ihrem Sohne so rasch als möglich „Trost" erleben, und so brachten sie mich in diese Lage. Ich sehe, wie Du über diese lose Aeußerung lächelst, wenn es mir wieder gut geht, werde ich wohl auch darüber lachen, und hoffentlich allen Groll vergessen. Aber in dieser Stimmung bin Ich über meine Eltern wirklich ungehalten. ' ' Aus dem Poststempel ersiehst Du, daß ich mich augenblicklich in der kleinrussischen Stadt R. befinde. Doch gleich morgen verlasse ich den Ort. Unterwegs traf ich einen Landsmann, einen Littauer, der die Bewohner dieser Stadt und ihre Sitten genau kennt, und der gab mir den Rath, mich hier nicht länger aufzuhalten, denn hier gäbe es so viele Melamdim (Kinderlehrer), als Schüler, lauter Littauer, und auch in den umliegenden Dörfern feien ihrer genug in Stellung; wenn ich hier bliebe, ich könnte höchstens einen „Ort" für dreißig Rubel das Semester bekommen; die besten Plätze seien besetzt. So erzählte mir der Mann, der ein gutherziger Mensch zu sein schien. Ich klagte ihm meine leidvolle Lage und daß mein Kleingeld zu Ende wäre und ich meine Wege nicht fortsetzen könnte. Der Mann erwies mir die Wohlthat, mir meinen Pelzmantel abzukaufen. Nun bin ich ein'reicher Mann. Als ich das Kleidungsstück dem Käufer übergab, mußte ich schmerzlich lachen, da ich mich unwillkürlich erinnerte, welch' ein heftiger Streit über diesen Lappen vor zwei Jahren, kurz vor meiner Hochzeit, Wischen meinen Eltern und den Eltern meiner Frau, getobt. Älls. nämlich die Eltern.meiner Frau merktechdaß in

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