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Der Israelit · 1902-11-03 · Heft 87 (3.11.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 87 (3.11.1902)
Date
1902-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1829: meiner Aussteuer, entgegen -er üblichen Sitte, der Pelzmantel fehlte, schlugen sie förmlich Lärm und drohten, von der Partie zurückzutreten, falls das Fehlende nicht ersetzt würde. Der Streit würde ernstliche Formen - angenommen haben, wenn sich' nicht unser Rabbiner in's Mittel gelegt und in seiner sanften Art den Frieden wieder.hergestellt hätte. Es blieb dabei, daß'mein Vater mir seinen Pelzmantel schenkte und ' obendrein noch eine Geldsumme hergab, um den Mantel aufzufrischen. Nun habe ich das Prunkstück ohne Zank und Streit, ohne Donner und Blitz hingegeben, und zwar um ein paar Rubel. ' ' '-' Voraussichtlich reise ich nach der Gouvernementsstadt P., wo ich Beschäftigung zu finden hoffe. Wenn ich an. Ort und Stelle bin,, gebe ich Dir Nachricht. ••-/0;;/ V*'' r’ -- ' V; - 1. Jjar. Seit zwei. Tagen bin ich in P. und suche, mir eine Stellung, es ist mir gleich, wo ich bleibe, in der Stadt, oder in einem Dorfes Hier' erzählte, ich einigen Leuten von meinem kurzen Aufenthalt in R. Auf ihre verwunderte Frage, weßhalb ich dort nicht geblieben sei, antwortete ich, ein Landsmann, dem ich begegnet — ich meinte den Käufer meines Pelzmantels — hätte mir ein Verbleiben abgerathen, . da Stadt und Umgebung mit Stellungsuchenden überfüllt seien. Alle lachten mich aus.' Nun merkte ich erst, daß mein guter Landsmann mich hinters Licht geführt hatte, als er mir vorerzählte, er-wäre ein Schaffellenhändler,, und der Ort sei mit. Lehrerstellungskandidaten überfüllt. - Nein, er war selber Mclamed und wollte in mir einen Nebenbuhler aus der Nähe verscheuchen. Er that mir in der Seele leid; der arme Mensch mutz wohl schwer um sein, kümmerliches Dasein zu kämpfen gehabt haben, wenn er nun zu solchen Mitteln greift, um sich seines . Konkurrenten zu entledigen. Jetzt traue ich aber auch denen, nicht mehr, die mir den Rath geben, schleunigst P. zu verlassen und anderweitig mein Glück zu suchen. Vermuthlich sind das auch Schicksalsgenossen,/ die' mich gerne los sein möchten. .. /./. - Seit zwei Tagen bin ich hier und all die Zeit .habe ich keinen Augenblick geruht;., ich bin den Tag über fortwährend auf den Beinen, . um auszuspähen, ob nicht mal irgend ein Dorfbewohner für seine Kinder einen Lehrer sucht, abends komme ich in's Beth- Hamidrasch und spreche mit dem Schames, der nebenbei auch Lehrerstellen vermittelt, vielleicht könnte er mir irgendwie behilflich sein. Leider waren alle meine bis- .herigen Bemühungen fruchtlos.. Ich tröste mich blos damit, daß ich nicht der Einzige bin, der sich in solcher Läge befindet. Es thut. einem ordentlich das Herz weh; wohin': ich mich wende, ' .ich treffe Meralkeure/Wenge' junger-Ehemänner,—deren magere und vergrämte- Gesichter laut verkünden, daß sie Litwaken (Littauer) seien, ebenso wie ich, und gleichfalls hierher gekommen sind, um als Melamdim in den südlichen// Gegenden-/ ihr r- „Glück" zu suchen.*) Mit einigen posi/ihney,lvpstm^ ich in derselben Herberge..; Gesterst Abend / flöq/miH lange der Schlaf, ich, begab rnich^-ajsö '/fn/'diatz/NiM^r> meiner armen Schicksalsgenossen./und chis^MitterNächt erzählten wir uns gegenseitig unsere^ LDnsgeschicht^ 7 Es ist merkwürdig, daß wir alle beinahedieselbe-Biographie haben. . Meine Erlebnisse sind, Dirjü^ beginnt, dieselben Erlebnisse, nur mit ganz-kleinesi Äenderungen, hat auch ein jeder.-hieser^Mgen'-HMe-idUrch?-;)' gemacht. Der dine, ein Sohn armer Wtern^ abervdn^ vornehmer. Familie,/ heirgthetete-- auf?-MMhH^' W'- „Schadchen" und der Eltern "bie-'; vornehmen., aber wohlhabenden Family? 4/ 0t. bekam . zweitausend Rubel Mitgift/' und; /,Wgen" Hä^usha.lt..^ beim Schwiegervater. Mittlerweile glück an, den Alten zu verfolgen,/ er verlorMn/^ Vermögen und, die Mitgift' der TochsexMazy, Junge hat nun, als Vater', zweier KmdÄ, beMössen^ Melamed zu werden,..um?Ich sein' Stückcheü/Hryo.'zu'' verdienen. Der zweite r;sf. > - der' dritte ^//^^DVchwozu die lange Erzählung?- Dieselbe Geschrchte//nur mit einigen Varianten, wiederholt sich-beild-zweiteNi - beim dritten und beim viertenMelaryM//.'L'»Ä^K'/.!lLM' . Als ich heute nach Hause kam, um wein frugales'; Mittagsmahl ' einzunehmen, erschienen bei. mir.^zwei^ Männer. Der eine war der Makler-und-sein^Beglestzr-- der „Baal häbojis," der Hchlsher^Ve^mi<^Aylff;H:xr für seine Kinder.nehmen.sollte. .' E^Mie..Mch'u/ne.ub--- lich über meine Gäste.i,/Der, Makler, ^ä^-'/war-/namttch^ unser Schames, stellke -mich dem/ den Worten:;; : . 7 „Das ist ber SHföat . ’ Jener musterte mich vorn .Schüteb/öls'^ür ZehLi und betrachtete merkwürdigerweise sogärmeiEHägde^.. Ich hatte das demüthigende Gefühl^alAtützdesich^^ doch schwieg ich.- „Könnt Ihr Euch/ünterziehen/ Wme drei.7Pohü^ -und--meine Tochter zu ünLerrichtenHAWWMch der Mann nach kurzem Schweigen.--: „Es kommt 'auf/däs'^Honorär'ani''/'/-MW^"Wr-: bieten wollt, danach werde ich mich kNtsMid^f' antwortete ich. : „Sechzig Rubel; für? das- Semesterbiete«: ich; außer Kost und' Quartier.:! Aber/.bie/Häüptfäche.chä.tke, ich beinahe/vergessen.. Seid.Jhr der russischen Sprächt in Wort und - Schrift^MächtigIhr Al.. / Albeh;?.7,chel'':.. ichhab'sschon vergessen, wie femitmü sich nuf einer niedrigen StUso VtsUtdek. düsür'abee d*r Wohlstand grüüer. als in de,n armen Litlauen ist. Die Juden dieses Landes unterscheiden sich von ihren anderen Brüdern in. Sprache Tracht und Lebcnsgeivohnheiten. -

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