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Der Israelit · 1902-10-30 · Heft 86 (30.10.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 86 (30.10.1902)
Date
1902-10-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Vor einiger Zeit hat ein christlicher Professor einen Vortrag gehalten, in dem er den Ursprung der Bibel nach Babel verlegte. Ein anderer christlicher Professor hat das Christenthum auf Kosten des Judenthums heräusgestrichen. Wie sind da unsere Herren Rabbiner so schreib- und redselig geworden, um gegen diese Behauptungen zu protestiren und das. Judenthum wieder einmal zu retten! Ich frage nun diese Herren Ritter, wenn ihre Liebe für das Judenthum so heiß ist, wie sie schwören zu jeglicher Stund', warum hoben sie den Handschuh nicht auß den der erste Rabbiner der ersten Gemeinde Deutschlands, den der Vorsitzende des Rabbiner-Verbandes in Deutschland in so lecker Weise dem Judenthum hinwirst? Die obigen Citate aus dessen Schriften, in welchen ganz unverblümt ausgesprochen ist, daß die Bibel in der Prophetie und diese im Heidenthum wurzelt, diese Citate, die sich verzehnfachen ließen, liegen so offenkundig vor aller Welt, daß alle Scheuklappen nicht hoch genüg sind, um sie ignoriren zu können. Warum wird so laut gegen einen christlichen Gelehrten gepoltert, der die Wiege der Thora in Babel entdeckt zu haben glaubt, und warum wird so leise geschwiegen gegen einen Rabbiner, der - sich nicht auf Babel beschränkt, sondern sie auf das ganze Heidenthum der grauesten Vergangenheit aüsdehnt? , Macht jenes laute Poltern, dieses Schweigen, sobald es sich um wie Anwürfe handelt, die ein Verbandsgenosse gegen die Bibel richtete, diese nicht zu einer narre.äpw? Brauchen sie in die Ferne zu schweifen, wo das Schlechte so nahe liegt? jra vvb rm, da hätten sie die Hände voll zu thun, .wenn sie das Judenthum wirklich retten wollten. Und. sie hören, nichts und sehen nichts und thuen, als wüßten sie von alledem nichts. Wo bleibt der Muth? Wo die Consequenz und das, was man Selbstachtung und Charakter nennt? Bevor ich m e i n e Antwort auf diese Fragen gebe, will ich doch einmal abwarten, ob sie vielleicht einem unserer großen Verbands-Schweiger die Zunge lösen, und um nun wieder zu meinem Pensum zurückzukehren.) Ueber Punkt 2: Stellungnahme zum Konitzer Mord, sagt der Bericht. „Anläßlich des Konitzer Mordes wurde der Central-Ausschuß angegangen, einen öffentlichen Protest gegen die scheußliche „Ritualmord"-LLge zu erlassen. Rach reiflicher Ueberlegung sei davon abgesehen worden, weil die bloße Thatsache, daß das Judenthum gegen die Bezichtigung des religiösen Kannibalismus erst in Schutz genommen werde, eine Entwürdigung desselben bedeute. (Allseitiger Beifall.) Für alle Fälle sei eine diesbezügliche Erklärung in Bereitschaft." Hier äußert sich also die vierjährige Thätigkeit des Verbandes in einer Erklärung, die der Verband — Nicht erlassen hat. Und das ist wirklich eine Leistung bei so thatendurstigen Gemüthern, wenn man an das' Mißgeschick denkt, das ihren Maßnahmen, Erklärungen und.Beschlüssen immer.und überall anhaftet. -Die Erklärung liegt allerdings in Bereitschaft, , aber es ist zw hoffen und zu wünschen, daß sie ewig liegenbliebe,', und die Thätigkeit des Verbands in den.eingeschlagenen Bahnen sich weiter entfalte. Also die Leistungen bei Punkt 2 ebenfalls:. Rull.; r; : 3) Um die Stellung der Rabbiner 'zu heben,; wurde der. „Deutsch-Israelit. Gememdebrsnd" ersucht, dem Gemeindetag die Resolution befürwortend zu un< terbreiten: Daß die Rabbiner nach dreijährigem Provisorium definitiv anzustellen seien, daß' denselben bei geplanten Kultus-Aenderungen ein Vetorecht einge-? räumt und daß Bezirksrabbinate gebildet^ werden mögen." . . tY:-.'- * Wenn man das, was der Verband hinsichtlich dieses Punktes erreicht, mit Rull, bezeichnet wollte,' so hätte Man es zu hoch bewerthet. Es steht sö tief unter Rull, daß der vorliegende Unthätigkeits-Vericht sich nur darauf beschränkt, anzuf8genr<- „Das Schicksal dieser Resolutionen, ses aus den- Berichten über den IX. Gemeindetag bekannt."; - v Hier liegt ein Verhandlungsgegenstand, vor, dessen richtige Würdigung grelle Streiflichter auf die. Stellung der Rabbiner und ihres Verbandes zu den - Gemeinden, und umgekehrt wirft. Hier liegt das Arkanum het' Rathlosigkeit, Thatlosigkeit, kurz der ganzen. Impotenz der bisherigen modernen Rabbinerverfammlungen in Deutschland, wie sie in der jüngst verflossenen ihren? Gipfelpunkt erreichte. - Es scheint deßhalb geböten, diesen Punkt etwas schärfer in's Auge zu fassen.^ ' - (Fortsetzung folgt.); - ' - - - . i ... .... ... j •v.ij*'?-: urrd SorresporrdsrrzrNi Deutschland. ...... Hagenau, 28. Okt. Die „Hagenauer Zeitung^ berichtet von hier: Mit einer hochherzigen Stiftung hat der von hier gebürtige, seit fast einem halben Jahrhundert in Paris ansässige frühere Advokat Rhens, jetzt Direktor der Pariser Aktiengesellschaft ^Parfümerie Violet", die hiesige israelitische Zufluchtsanstalt bedacht, nämlich mit der Summe von 100,000-STif. Der Spender, der mit dieser Stiftung das Andenken seiner hier noch in bester Erinnerung stehenden Eltern und Großeltern ehren will, hat bestimmt, daß mit den Zin-? sen dieses Kapitals ein gemeinnütziges Werk in's Leben gerufen werden soll. Seitens der Verwaltungdes israelitischen Zufluchtshauses ist beabsichtigt, ein Waisenhaus zu gründen, in dem israelitische Waisenknaben von ganz Elsaß-Lothringen Aufnahme finden sollen, jedoch unter Bevorzugung von Hagenauer und Schirrt hofener israelitischen Waisenknaben. - k -.--/-. 'p

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