Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1902)
- Date
- 1902-10-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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7 * v R u ß l a n d. Czenstochau, 28. Okt. Ueber die bekanntxn judenfeindlichen. Ruhestörungen in Czenstochau. die vor einigen Wochen wegen Mißhandlung einer alkd Frau vorgefallen sind, schreibt man der „Schles. Volksztg": Der Krawall in Czenstochau war doch in seinem Umfange bedeutender, als er bis jetzt geschildert werden ist. Es sind, wie jetzt genau festgestellt ist, über dreißig Personen vom . Militär erschossen und etwa hundertsechzig Personen verwundet worden. Die Erschossenen, welche Angehörige in Czenstochau hatten, sind von ihnen vom Platze sortgeschafft und in aller SMe beerdigt worden, während der auf der Straße liegen Gebliebenen sich die Polizei annahm. Unter dem Militär, das zur Unterdrückung des Krawalls kommandirt war. befanden sich sechs Juden und ein sehr großer Theil Russen. Diese haben in den Pöbel hineingeschoffen, während die Soldaten polnischer Abstammung in die Lust schossen. Letztere haben sich sogar bei den Plünderung! betheiligt; die dabei Betroffenen sind sofort verhaftet und gefesselt in die Zitadelle nach Warschau abgesandt worden. Die Polizeiorgane polnischer Abstammung sind gleich bei Beginn des Krawalls fortgeschiüt worden, da man ihnen.- nicht traute und durch russisch: Polizei aus den größeren Städten ersetzt worden. Ter Pöbel hat ganze Fässer Petroleum auf die Brucken gegossen und angezündei, um den Verkehr nach Czenstochau zu unterbrechen. Auch Häuser wurden damit begossen und in Brand zu stecken versucht. Aus der Umgebung von Czenstochau kamen während des Krawalls polnische Bauern mit Wagen um Abnahme der geraubten Gegenstände. Ein reicher Fleischer aus der nächsten Umgebung Czenstochaus war gerade im Segiiff, geraubte Gegenstände dem Pöbel abzunehmen, als er dabei erwischt wurde.' Bevor ei sich 'versah. Wien ihn zwei Russen ergriffen und in aller Eile ihm zwei Mal fünfundzwanzig Knutenhiebe aufgezählt, worauf sie ihn laufen ließen, wenn er dies noch gekonnt hat. Während des letzten jüdischen Versöhnungsfchrs waren von Nachmittags 4 Uhr bis nächsten Tag 7 Uhr Abends 250 Mann Infanterie an der Hauptsynagogr vostirt, während berittene Militärpatrouillen in den Straßen und an den anderen Bethäusern sich bewegten. Pa l a st i na. Jerusalem. Die Verwaltung des »Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" hat von Direktor.Ephr. C oh n einen Bericht über dir Laemelschule erhalten, dem wir Folgendes entnehmen: . In Folge der in diesem Hochsommer herrschenden Hitze, die selbst für die hiesigen klimatischen Verhältnisse außergewöhnlich war, haben wir in den letzirn Wochen des Sommersemesters den Nachmittagsunterricht insofern reduzirt, als wir in den oberen Klaffen an Stelle des planmäßigen Unterrichts je eine Gesaugstunde angesetzt haben. Aus demselben Grunde schloß die Schule am 10. September, anstatt wie beabsichtigt war am 18. Sept. Der Gesundheitszustand war trotz der über- - mäßigen Hitze ein normaler und der Schulbesuch in - Folge dessen ein guter. Die klimatischen Krankheiten, Malaria und Augenleiden, blieben natürlich auch in diesem Sommer nicht aus. doch waren die Malariafälle nicht mehr, als im vorigen . Jahre aufgetreten, und es , konnte sogar eine Verminderung der Augenkrankheiten . im Vergleich zum Vorjahr erfreulicherweise konstätirt werden. : 7 Von dreizehn Austritten im Laufe des Semesters, außer einer Entlassung wegen Augenentzündung, sind acht in Folge Auswanderung aus Jerusalem erfolgt. Die traurige ökonomische Lage der hiesigen jüdischen Bevölkerung, speziell durch die Ueberzahl der jüdischen Handwerker hervorgerufen, zwang viele von den letzteren, Palästina zu verlassen. «Mehr als 180 Familien sind in diesem Sommer nach Amerika, Australien und Afrika ausgewandert." In Rücksicht auf die unverhältnißmäßig große Anzahl der Handwerker in Jerusalem waren wir froh, wiederum zwei Zöglinge, die die Schule absolvirt haben, in hiesigen Geschäftshäusern unterbringen zu.können. Nicht weniger-Befriedigung bot uns die Gelegenheit, bei dem Neubau, der Schule jüdische Handwerker und Arbeiter_.in großer Anzahl zu beschäftigen. -7 ' : 7 Unternehmer, Maurer, Zimmerleute, Schmiede und Handlanger sind sämmtlich Juden, deren Arbeit volle Anerkennung der Fachleute findet. - Außer dem Souterrain ist nunmehr auch der Rohbau des ersten Stockes fertiggestellt und wird in diesen Tagen, an. den Bau des zweiten Stockwerkes geschritten, werden können^ 1 ' - : r' v , Am 17. Juli unternahm die Schule einen eintägigen Ausflug nach Ain-Karem, einem Dorfe ca.1h<. Stunden südwestlich von Jerusalem gelegen. Die Kinder verbrachten einen vergnügten Tag unter den schattigen Bäumen und an der kühlen Quelle. Es war dies eine angenehme Abwechslung für die Kinder unserer Stadt, welche sowohl Quellen als auch öffentliche Gartenanlagen entbehrt. , Herr Lehrer Rokach hat am 30. Juli seine Lehrthätigkeit an unserer Schule begonnen, bei welcher Gelegenheit der Leiter der Schule eine Ansprache an den neuen Lehrer und die Schüler hielt. Am 18. August, dem Geburtstage des Kaisers Franz Joseph, fand in Anwesenheit deK Verwesers des k. k. österr.-ungar. Konsulats. Herrn Konsul Pascal, und des Kanzlers, Herrn Toroffian, eine Schulfeier-statkl Nach einer Ansprache des Schulleiters , sprach Herr Dr. Grünhut im Anschluß an den Wochenabschnitt, worauf Herr Jellin das Kaifergebet vortrug. - * 7 - r