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Der Israelit · 1902-10-30 · Heft 86 (30.10.1902) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 86 (30.10.1902)
Date
1902-10-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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* .. ’. „Uebet .die,„E ntw ickelung des I srarl i t.- Prophetent.hums" weiß keiner besser Bescheid - zu geben, als der Gefragte, er hat darüber eine besondere Schrift veröffentlicht. Mit verbindlichem Lächeln holt er sie ebenfalls hervor und zeigt dem verblüfften Minister dieses Opus, das in dem Nachweis gipfelt: „Das Pro p H e t e n t h u m wurzelt in der h e i d. nischen Man t i k."?? - Aber der Herr Minister erholt sich rasch von seiner Verblüffung,-und nun kommt die Reihe an den Pane? gyriker des Schächtens, verblüfft zu sein, wenn ihm der Minister antwortet: „Verstehe: ich Sie recht, so liegt die Sache so: Sie brechen eine Lanze für das Schächten, weil es schon in der Bibel als.Religionsgesetz behandelt wird. Die Bibel ist die Frücht der prophetischen Ideen, das Prophetenthum wurzelt in der Wahrsagekunst des Heiden-, thums, also. ist. die Bibel und ihr Gesetz mitsammt dem Schächten etwas dem Heidenthum entlehntes, und dafür wollen Sie sich im Ernste so echauffiren? Für eineu. ursprünglich heidnischen, vielleicht mit einem jüdischefl?M.ä.ntelchen behängten Brauch?. 1 Der. Herr.Minister hört dann aus Höflichkeit noch die.diversen Vorbehalte, die Wenn's, Aber's und Hinterpförtchen an, mit welchen ein geübter, großstädtischer Kanzelredner-sein reservatio mentalis zu drapiren verstehen muß, und meint dann füglich, es sei ganz begreiflich, daß der Petent,' da er . nun. einmal als Rabbiner, an einer jüdischen undmicht als-VitzÜputzlipriester bei einer heidnischen Gemeinde fungire, daß er bei dieser Lage'der''Dinge,' die heidnischen Bräuche als jüdische Gesetze aüsgebe' Für die Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts sei jedoch diese.Rücksicht nicht vorhanden.' Im Grunde seines Herzens müsse daher der Bittsteller bei seiner tieferen: Kenntniß des heidnischen Ursprunges jüdischer Satzungen eigentlich froh sein, wennmit diesen.veralteten. Anschauungen auf diese Weise endlich Tabula rasa gemacht wird, wenn er. auch, um das Decorum zu wahren, pro forma dafür eintreten müsse.i^ was. auch ganz regelrecht seinerseits: hiermit' geschehen , sei u. s. w. - . Ich habe diesen Vorgang ein wenig , dramatisch dargestellt, damit er. den orthodoxen Verbandsbrüdern etwas mehr in. die Augen sticht, und ihnen dieselben > aufgehen, bevor fir ihnen, übergehen.: wenn sie erst sehen, wozu es führen/.kann, wenn von Kämpen dieses Kalibers; „dieser Kampf mit nachdrücklicher Energie fortgesetzt wird."? , Wirklichkeit braucht der Minister eines Staates, M dem seit 26 Jahren ein Austrittsgesetz existirt, das jedem Juden gestattet, ..wegen religiöser Bedenken aus seiner Gemeinde auszutreten, die bei ihm petitionirenden Rabbiner, nicht ersteiner Katechese zu unterziehen.^ Der Müüsirr kennt die jüdische .Gemeinde der Residenz, ihre Rabbiner und deren religiöse Richtung ganz. genau..^ Wenn er vielleicht auch , nicht weiß, daß sie selber die Satzungen des Juden- ' thums, das sie zu vertreten vorgeben, als Niederschlag von Wahngedanken heidnischer Götzendiener halten, so weiß er doch, daß Gottes Wort ihnen als Menschensatzung gilt, über das sie sich für ihre Person, in ihrem Amt, ohne alle Skrupel hinwegsetzen. Und vor dem Schachten sollten sie wirklich den Respekt haben, den sie zu besitzen vorgeben? Das begreift kein, preußischer Minister, .so lange er nicht aus den Reihen der Verbands-Rabbiner gewählt wird. Es handelt sich daher nicht um die fortgesetzte Verlästerung des rituellen Schlachtverfahrens durch Hans Beringer und Genossen, sondern um die Verlästerung der ganzen Thora und ihrer Satzungen durch den Vorsitzenden des Rabbiner- Verbandes und Konsorten, welche vollständig genügt, um solchen Petenten solche ministerielle Entscheidungen für alle Zeit zu sichern. - Man mag jedoch darüber denken, wie man wolle, auch diejenigen, die vorziehen, gar nicht zu denken und ,sich nur an die Thatsache halten, müssen einräumen: Auf. dem Gebiete seiner vierjährigen. Thätigkeit zur Abwehr der Agitation gegen das Schächten ist die Wirksamkeit des Rabbiner-Verbandes nach dem Geständniß seines Vorsitzenden — Null: 1 .Freilich. hat Herr Dr. Hirsch Hildesheimer eine rührige, schätzenswerihe Thätigkeit auf diesem Gebiete, entfaltet. Aber der Berichterstatter hat nur die Kleinig- ‘ keit beizufügen vergessen, daß Herr Dr. Hirsch Hildes-" heimer nicht Rabbiner ist, daß er schon deßhalb nicht' zum Rabbiner-Verband gehört, daß seine.Thätigkeit für die Schechita älter ist, als der neuorgamsirte Rabbiner-Verband, daß das den Verband also gar nichts angeht, und daß er sich mit fremden Federn schmückt, wenn er über die Thätigkeit des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer referirt, wo es sich doch tatsächlich um einen. Bericht über die Thätigkeit des Rabbiner-Verbandes handelt! Die Thätigkeit des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer kann deßhalb über die Unthätigkeit des Rabbiner-Verbandes Niemanden hinwegtäuschen. Bei Punkt 1 feiner Thätigkeit sind und bleiben daher seine vierjährigen Leistungen: Null.? \ (Bervor ich zu Punkt 2 der Verbands-Thätigkeir komme, -kann ich es mir nicht versagen, durch einen kleinen Excurs wenigstens in Parenthese eine charakteristische Erscheinung unserer Tage zur Sprache zu bringen, die mit dem eigentlichen Gegenstand dieser Aufsätze nur in losem Zusammenhänge steht. Aber die Scham und Empörung darüber zuckt mir bis in die Fingerspitzen, denen ich deßhalb ihre Schreibfreiheit nicht versagen kann, zumal ich nicht weiß, ob sich dem- * nächst eine geeignetere Veranlassung dazu bietet:- .- 1816 - „Gut,7 lagt-der? Herr Minister. ^„Abex was sind die prophetischen" Kreiser was ist Ihre Prophetie und i -

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