Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1902)
- Date
- 1902-10-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1808 Eine solche Gleichstellung eines Parteikampfes mit dem Daseinskampf eines Heldenvolkes - bedarf keiner weiteren Kennzeichnung. Was die Burenführer selbst anbetrifft, so haben fie unter deutlicher Abwehr engsandfeindlicher Kundgebungen in ergreifendster Weise die Sache ihres Volkes geführt. Nur in einem Punkte dürften sie mit der „Kreuzzeitung" auch weiteren Kreisen eine kleine Enttäuschung bereitet haben. Die „Kreuzzeitung" hat nach dem Besuch der Buren in Paris zu bedenken gegeben, daß die Generale nicht als deutsche. Brüder angesehen werden wollten, sondern als Männer der That-und des Leidens. Jetzt haben die Burengenerale in Berlin wiederholt sich als deutsche Brüder gegeben, obgleich sie einige Tage vorher in Paris betonten, daß sie es dem französischen Blut, das in ihren Adern fließe, verdankten, wenn sie so viel Leiden ertragen konnten, daß sie würdige Abkömmlinge des französischen Volkes seien. Ließen die Burengenerale in Berlin jetzt die nationale Zusammengehörigkeit mit Deutschland in den Vordergrund treten, so sei ihnen dieser diplomatische Schachzug nicht zum Vorwurf gemarkt. Aber der Verzicht auf derartige Diplomatie hätte wegen des Verhaltens der Burengenerale in Frankreich die deutschen Sympathien für sie keinesfalls vermindert. . ... Zabrze, 28. Okt. Die Hauptversammlung des ,.Synagogen-Gemeinde-Verbandes des Regierungsbezirks Oppeln" tagte am 19. Oktober Hierselbst in Schüllers Hotel. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Schüller aus Gleiwitz, eröffnete die Sitzung und ertheilte dem Vorsteher der Gemeinde Zabrze das Wort. Herr D a n z i g e r begrüßte die zahlreich Erschienenen (50 Theilnehmer) mit warmen Worten, gab seiner Freude Ausdruck, daß der Verband zum ersten Male seit seinem. Bestehen in Zabrze weile und wünschte den besten Erfolg der diesjährigen Besprechung. Der Vorsitzende dankte Namens des Verbandes für die herzliche Begrüßung und stellte seiner Heimathsgemeinde das sie ehrende Zeugniß aus, wie sie, obwohl noch verhältnißmäßig jung, immer einen schönen Gemeinsinn bethätigt, der in ihrer Betheiligung an allen Aufgaben des Verbandes gefunden werde und auch in der solennen Aufnahme und Bewirthung der Verbandstheilnehmer sich zeige. Sodann begrüßte der Vorsitzende die als Gäste geladenen Vertreter des Rabbiner- und Lehrerverbandes. Zur Erledigung der Tagesordnung schreitend, erstattete der Vorsitzende Bericht über die Wirksamkeit des Verbandes während des verflossenen Arbeitsjahres, benennt die Anzahl der Bundesgemeinden, widmet dem verstorbenen Mitgliede, Louis Bartenstein-Ratibor, einen ehrenden Nachruf und geht an der Hand des Berichtes des Direktors Katz auf die Verhältnisse des Waisenhauses zu Rybnik über. Der Gesundheitszustand war ein außerordentlich befriedigender und die gesammte innere Entwickelung eine erfreulich sich stei- ' gernde, so daß sie auch die Anerkennung der königlichen Regierung gefunden, die das Waisenhaus durch den Kreisschulinspektor Koegler hatte inspiziren lassen. Nach der Aufführung verschiedener Zuwendungen an das. Waisenhaus schloß der Vorsitzende mit einem Nachruf auf die kürzlich Heimgegangene Ehrendame Louise Haast. Da die Versammlung keinerlei Erörterungen an .diesen Bericht beliebte, erstattete nunmehr Kgl. Amtsgerichtsrath Glogauer aus Tarnowitz sein Expose über die Thätigkeit des Verbandes hinsichtlich der Unterstützung der Religionsschulen und Beaufsichtigung des Unterrichts. Dieses Expose gab Kunde davon, wie aufopfernd der Berichterstatter seines Amtes gewaltet, und wieviel Zeit und Kraft er diesem Gegenstände gewidmet. Lauter Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen des Redners. Es knüpfte sich an diesen Punkt eine ausgedehnte Debatte, in die mehrere Rabbiner und der Vertreter des Lehrerverbandes, Herr Bernhard, eingriffen. In der Hauptsache handelt es sich darum, den kleinen und kleinsten, weltentlegenen Gemeinden mit oft nur drei Kindern Religionsunterricht angedeihen zu lassen. Und ob auch die Schwierigkeiten gewaltige sind, das ging aus der lebhaften Erörterung hervor, daß es gelingen wird,, dahin zu gelangen, daß in naher Zukunft kein Kind mehr religionslos aufwächst, das wird ein segensreiches Wirken des Verbandes sein, der die Unterstützung der Regierung erbitten wird und erhofft. Die Gemeinde Neiffe hat sich mit ihrem Anträge: Versorgung der Hinterbliebenen von Kultusbeamten, ein bleibendes Verdienst erworben. Der Ausschuß des Verbandes, in den Herr Eugen Polläk-Zabrze neu gewählt wurde, soll die gesammte Materie bearbeiten und der nächstjährigen Versammlung geeignete Vorschläge unterbreiten. Ein gleiches Geschick erfuhr auf Beschluß der Versammlung der Antrag Königshütte auf Bildung von Zweckverbänden für die Krankenpflege in mittellosen Gemeinden, ferner der Antrag des Amtsgerichtsraths Kempner: Errichtung von Ferienkolonien für arme, der Erholung bedürftige Kranke des Jndustriebezirfs und endlich der Antrag Rybnik: Angliederung eines Mädchenheims an das Waisenhaus. Der weitere Antrag Rybnik, die Verlängerung des. Aufenthaltes der Maisenmädchen in der Anstalt betreffend, gelangte nach voller Würdigung der eingehenden Begründung des Vorstandes (Stadtrath Prager) einstimmig zur Annahme. Nachdem die Tagesordnung erschöpft war, zollte Amtsgerichtsrath Levy-Beuthen dem Vorsitzenden für seine umsichtige und obiektive.Leitung der Sitzung seine Anerkennung, der sich die Versammelten anschloffen. Gegen 4 Uhr fand die Tagung ihr Ende. ... .