Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1902)
- Date
- 1902-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1804 Vereines für das katholische Deutschland" als Redner vernehmen zu lassen. Der Prinz, der bei seinem Eintritt in den dichtgefüllten Saal mit stürmischen Hochrufen begrüßt wurde, hatte sich als Thema seines etwa anderthalbstündigen Vortrages die Makkabäer ausersehen, deren gewaltigen Kämpfe auch für unsere Zeit lehrreich seien. Der Prinz führte unter anderem etwa Folgendes aus: „Die M äkkabaer können uns ein Vorbildsein in unserem heiligen Kampfe für unsere Sache.' Wenn wir auch äußerlich nicht solchen Drangsalen, Verfolgungen und Erniedrigungen ausgesetzt sind, wie die Juden zur Zeit der Makkabäer, so stehen wir doch in einer Zeit gegen Unglauben und Irreligiosität. Was in einem solchen Kampfe reine, religiöse Begeisterung vermag, das sehen wir an den Makabäern. Begeisterung und persönliche Ueberzeugung sind Waffen, denen gegenüber auch die gewaltig- - sten Anstürme erfolglos bleiben müssen. Die Makkabäer können uns auch vorbildlich sein in Bezug aus 'Muth; mit dem von ihnen bewiesenen Heldenmuts sollen auch wir eintreten für unsere Sache und uns nicht fürchten vor dem Spott und Hohn der Welt. Außer dem Muth und der Begeisterung war es aber auch die Einheit und Einmüthigkeit, welche den Makkabäern zum Siege verhals, sowie Zucht und Ordnung, welche die Grundpfeiler eines jeden guten Heeres bilden. Wie die Makkabäer, so sollen auch wir mit unbefleckten Waffen den Kampf führen; denn schlechte Waffen können auch einer'guten Sache nur zum Schaden gereichen. Freilich haben die Makkabäer auch.Fehler gehabt, die wir nicht nachahmen dürfen, aus denen wir aber lernen können. Niemand wird ihr Streben nach politischer Macht billigen; und von diesem Fehler sollen auch wir uns frei halten." . Ungarn. Höghetz, 26. O kt. (Unlieb verspätet.) Gestern verschied nach sechsmonatlichem schweren Leiden unser; allverehrter Rabbiner, Herr E. M. G o i t e i n. Mit dem Heimgang dieses religiösen Führers unserer Gemeinde hat nicht nur die Gemeinde, sondern das gelammte Judenthum einen großen Verlust erlitten. Er stand im 64. Lebensjahre erst, und er hatte schon 43 Diettstjahre im heiligen Dienste unserer -rpv.*.*n hinter sich. Mit noch nicht 24. Jahren wurde er, als Nachfolger seines Vaters,' der ein würdiger Sohn des berühmten Verfassers von ’*ra: gewesen, an die Spitze der hiesigen Gemeinde berufen, und in diesen vier Jahrzehnten hat er nicht nur der hiesigen Gemeinde seine Kräfte gewidmet, sondern auch als rmi pro .a’i'Q sich die größten Verdienste um das Judenthum erworben.. Sein Leben gehörte ganz dem Studium der ^heiligen. Gotteslehre, aber er pflegte nicht einseitig bloß > oas talmudische Gebiet, sondern hatte seine Zeit systematisch für die verschiedenen Gebiete unseres heiligen Schriftthums eingetheilt. Er hatte seine bestimmte Stunde jeden Tag für „Tenach", und ebenso widmete er jeden Tag eine bestimmte Zeit dem Studium der religions-philosophischen Werke „Chauwaus hallewo- . waüs", Maure Newuchim etc. Bei feinem unermüdlichen Fleiße war es nicht zu verwundern, daß er das große Gebiet des Talmud wie Wenige beherrschte, umsomehr, als er im Pilpul nicht in's Uferlose sich verlor. Als Prediger war er ein geistreicher Ausleger des Midrasch, was umsomehr Eindruck machte, als er auch die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschte. Mit den größten Koryphäen des Talmud stand er im Briefwechsel, und viele seiner gelehrten Gutachten sind bereits im Druck erschienen. Auch den Lesern des „Israelit" ist der Verstorbene als Bearbeiter vieler halachi- ' scher Zeitfragen rühmlichst bekannt. - Und so, wie er viele Schüler ausgestattet hat, die in'den bedeutendsten Gemeinden segensreich wirken, so hat er auch seine eigenen Kinder al Birke hatkauro wehajiroh erzogen. Er hat alle seine Sohne, auch die nicht Rabbiner sind, in das Studium der heiligen Gotteslehre eingesührt, und er hatte das Glück, alle seine Kinder in seinen religiösen Fußtapfen wandeln zu sehen. Seine edle Gattin, aus der berühmten ungarischen Familie der Vaneth stammend, stand ihm in allem treu zur Seite. Den Vachurim, denen der Verstorbene nicht nur ein Lehrer, sondern auch ein Vater war, bemühte sich seine edle Gattin, die Mutter in der Fremde zu ersetzen. .... ........... Das ist in kurzen Zügen der Lebensgang eines Mannes, der still und bescheiden, aber äußerst segensreich gewirkt hat. Kein Wunder, daß den, ach. noch viel zu srüh. Entrissenen nicht nur seine Familie und Gemeinde/ sondern auch der ganze Kreis feiner zahlreichen Schüler, sowie auch die ganze gesetzestreue ungarische Judenheit auf's schmerzlichste beklagen. An der Bahre widmeten dem Heimgegangenen außer den Söhnen, von denen bekanntlich einer Rabbiner in. Kopenhagen und einer in Burgkundstadt Rabbiner ist, und dem Schwiegersohn. Rabb. Dufchinsky in Rakos-Palota (bei Budapest), auch noch der berühmte orthodoxe Rabbiner von Vonyhad, Deutsch, innigste Worte des Abschiedes und der Verehrung. Wie tief die Verehrung der Högyeßer Gemeinde für ihren Rabbiner Wurzel geschlagen, dafür legt die Thalsache Zeugniß ab, daß ein Sohn des Heimgegangenen, der noch Rabbinats-Kandidat ist, sofort als Nachfolger des Vaters designirt wurde. Möge die Lücke, die der Tod gerissen, ausgefüllt und die Hinterbliebenen Trost und Erhebung finden in dem Bewußtsein, daß ganz Israel den Mann mitverloren hat, den sie betrauern. b« /raun ‘ Ein Schüler des Heimgegangenen.