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Der Israelit · 1902-10-30 · Heft 86 (30.10.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 86 (30.10.1902)
Date
1902-10-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ke u II l e ton. Stahl auf Stein- Nove kette voll Babetie FrleV^P rag. ,Z . (Schluß.) Sie fuhr in ihrem gleichgültigen Gespräche mit Rudolf fort: „Warum haben Sie denn Ihre Vaterstadt, das schöne, hundertthürmige Prag, verlassen, junger Mann?" „Mein guter, allzu gefühlvoller Papa konnte den Tod meiner Mutter nicht verwinden, und Vergessenheit suchend, verließ er auf den Rath der Aerzic seine Heimath, wo er einstmals so glücklich lebte." Im Gespräche war eine Pause eingetreten; die weltgewandte Salondame konnte diesem jungen Primaner gegenüber nicht sogleich das richtige Wort finden. Erst nach einer Weile begann sie: „Ich habe Sie zu mir Herbitten lassen, um durch Sie Ihren Kollegen meinen Dank für die mir bewiesene zartsinnige Aufmerksamkeit auszusprechen, und habe Sie darum zum Dolmetsch meiner Gefühle gewählt, weil Sie den Namen meines mir sehr theuren Neffen, den Sohn meiner Schwester tragen." „Vielleicht wohl gar ein Verwandter von mir?" fiel ihr Rudolf in's Wort. „Kaum, er besitzt keine Verwandte, mich ausgenommen. Der Arme ist gleich Ihnen mutterlos, nicht aber darum, weil seine Mutter in lichten Höhen weilt, sondern weil sie-unter dem falschen Verdachte der Untreue stehend, von ihrem Gatten verstoßen wurde." „Und gelang es ihr denn nicht, ihre Unschuld zu beweisen?" ' ' „Sie verschmähte es, sich zu rechtfertigen. Der Gedanke, daß ein so schmählicher Verdacht auf sie geworfen wurde, war für sie-derart beschämend, daß sie uin nichts in der Welt in ein ferneres Zusammenleben mit dem. sie tödtlich beleidigenden Gatten gewilligt hätte. Sie verließ ihr Heim, ihr Kind, um unter fremdem Namen ihr Brod zu erwerben. Sie wurde gleich mir Schauspielerin." - „Und Rudolf, was that der?" „Was würden denn Sie in seiner Lage thun?" „Kämpfen für die Ehre meiner Mutter, und entweder siegen oder nicht leben bleiben." -„Genug, junger Mann, das ist kein Thema für - Sie," sagte, tief bewegt, die Künstlerin. „Mich reut es, es angeregt zu haben. Und nun leben Sie wohl, studiren Sie brav, werden Sie ein tüchtiger Mann, — und Gott segne Sie!" - Rudolf faßte die Hand der gütigen . Dame, um sie / an seine Lippen zu führen, doch sie zog seinen Kopf zu. sich herab, drückte einen Kuß auf seine hohe Stirne, während eine Thräne aus ihrem Auge auf seine Wange: perlte., •; -•»/.-■ ' .../'//l;..//-/ *'/' Während sie so scheinbar liebkosend mit der Hand . - über das braune Lockenhaar des Sohnes strich, murmelten ihre Lippen voll Innigkeit die Wörter>=•:•' „Der Ewige segne und behüte Dich; es lasse leuchten der Ewige Sein Antlitz Dir zu und sei Dir. gnädig;, es wende der Ewige Sein Antlitz Dir zu und gebe Dir Frieden! — Nie will ich mehr Deine/ Wege .kreüzem mein gutes Kind, um Deines Friedens willen," sagte sie zu sich selber.' - •’•'./ '. . Noch voll Entzücken über das Erlebte, seinen Be-. such bei der liebenswürdigen Künstlerin suchte Rudolf. seinen Vertrauten, den alten Onkel Doktor auf,.um ihm seinen Besuch und. sein Gespräch mit der von ganz Berlin vergötterten Bergheim zü erzählen. - // ' Wie ein Blitzstrahl durchfuhr des Doktors Kopf die Idee, daß es Rudolfs Mutter sein müsse, welche als Jsabella die ganze Stadt und auch ihn bezaubert hatte; und von ihrer Unschuld mehr als je überzeugt, stellte er sich die Aufgabe, die beiden Gatten zu versöhnen., ' Bei dem Starrkopf Berger machte er den ersten Versuch. . Dieser wollte nichts von Versöhnen hören. Als er schon die Hoffnung auf Erreichung seines Zieles aufgeben wollte, sagte er noch schließlich:""' '• /J/v „Sie wissen, Berger, daß ich mit Vorliebe die Bücher des alten Testamentes lese. Mich Demokraten zog von jeher die strenge Sabbatruhe an, welche'daselbst geboten ist, und sich nicht nur auf Sclaven, sondern selbst auf arbeitende Hausihiere erstreckt, ferner/ die im Jubeljahre durchgeführte Rückgabe der -Fa-- miliengüter, wodurch unmäßige -Besitzanhäufung einzelner Menschen, sowie gänzliche Verarmung anderer vorgebeugt wird. Die soziale Frage, an der sich die Politiker die Zähne.stumpf kauen, scheint mir dort'"ganz', klipp und-klar gelöst zu sein. .Auch der,. Talmud, so-, weit man ihn mir, des Hebräischen ganz Unkundigen, I verständlich machen kann, interessirt mich seiner ein-, fachen, selbstverständlich' klingenden Menschenliebe': lüCv gen. Niemand weiß dies besser, als Sie selbst, der Sie so freundlich sind, mir so manches aus diesen Schätzen zugänglich zu machen. Da ließ ich mir auch einmal von einem alten Juden folgende hübsche Geschichte übersehen: In Juda war in Folge großer . 'Dürre , eine Hungersnoth ausgebrochen. Das Volt lag Tage- Und Nächtelang im Tempelhofe aus. den Knieen, um den so nothwendigen Regen herabzuflehen, während das Sanhedrin lange Sitzungen abhielt, um.die Ursache /.des göttlichen Zornes herauszufinden.- Umsonst! 'Es konnte an dem damaligen Israel kein solcher Makel entdeckt werden, welcher die zürnende Gottheit zu solcher harten-Strafe veranlassen konnte. Da erschien

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