Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1902)
- Date
- 1902-11-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449880--57092-2519671- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1968 - wies dies Ansinnen zurück, indem er betonte, seine bisherigen Ausführungen seien nur defensiv, nicht offensiv gemeint. „Wir verdammen." rief er, „keinen Glauben derer, die an Gott als den Schöpfer des Himmels und der Erde glauben. W i r glauben, was uns gesagt, jene, was ihnen gesagt ist." Um die siebente Abendstunde endete die religiöse Disputation in einer für den Rabbi höchst ehrenvollen Weise. Nicht nur, daß der Apostat, der als Ankläger gegen das Judenthum aufgetreten war, zurückgeschlagen wurde, sondern auch die hohen Fürstlichkeiten wandten sich huldvoll dem wackeren Streiter zu. Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall der Zuhörer. Burgpreppach. Wenn der Herausgeber dieser Blätter gerne ehrenden Nachrufen über Verstorbene Aufnahme gestattet, so geht er ganz einsichtsvoll von der Erwägung aus, daß man Personenzeichnungen ächt jüdischer Frömmigkeit, aufopfernder Hingebung, unerschöpflicher Liebe und Güte, Standhaftigkeit und Gottvertrauen immer und stets wieder unserer zu sehr materiell gesinnten Mitwelt zur Nachahmung vor Augen halten müsse. Insbesondere dürfte das rrn von solchen Spiegelbildern, die Erzieherin des Hauses, den allermeisten Gewinn davon ziehen. Am p277 'i begleiteten wir die sterblichen Neste^ einer hochbetagten Wittwe, im 79. Lebensjahre stehend, eines bescheidenen, anspruchslosen, im Leben und Sitte ebenso einfachen Weibes, Frömmigkeit mit Herzensgllte vereinigend, zur letzten Ruhestätte. In treffenden Worten schilderte Herr Rabbiner Dr. K o h n hier diese bfa n?x._ Frau Helena Adle r, geb. Hcllmann, nach ihrer Friedensliebe, insbesondere hervorhebend, wie sie ihren z'bv. ihre Vervollkommnung in dem Streben nach der genauesten Erfüllung aller weiblichen Pflichten, in Ausübung jener iraa suchte, die den inneren und äußeren c&p herbeiführen. Ihr väterliches Haus war eine Pflegstätte ununterbrochener llebung von npns. Seit 25 Jahren Wittwe, ertrug sie ihr Wittwenthum in Geduld und Ergebung. Niemals kam in Folge ihrer Friedensliebe ein hartes Wort, ein Vorwurf, eine Beleidigung über ihre Lippen; als schlichte, jüdische Frau war ihre Häuslichkeit, die Einrichtung. Ausstattung derselben von echt religiösem Geiste bestimmt. Ein zartes, weiches Empfinden, wie Herr Lehrer Ottensoser, ein Verwandter der Verschiedenen in seinen Abschiedswortcn unter anderem erwähnte, war ihr eigen, menschenliebend, mit einem n'v zb beglückt, edelsinnig, kein Wort des Unwillens je äußernd, gegen die Mitlebenden war sie, mit einem Ausdrucke unserer Alten bezeichnend, -N222. gegen Jung und Alt, Jedermann auf's freundlichste entgegenkommend, mit den Glücklichen sich freuend und mit den Betrübten weinend. Ihre verwandtschaftliche Liebe und Treue erstreckte sich in die Nähe und die Ferne, in die neue Welt, selbst ohne direkte Nachkommen, war sie die geistige Mutter aller ihrer Angehörigen, in einem lebhaften Briefwechsel ihren guten Rath, ihre Sorgsamkeit für das verwandtschaftliche Wohl darin niederlegend. In unserer Gemeinde wird Erinnerung und- Dankbarkeit im Gedächtniß Aller, die die selig Entschlafene kannten, fortleben, ihr ra ctr sei ein Schmuck und Glanz für ^rrie" bz, in Verehrung und Hochachtung wird sie unter, niyp-nt genannt werden. Gießen, 23. Nov. Sie berichteten in voriger Nummer Ihres Blattes, daß hier ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur begründet wurde, dem auch Mitglieder der hiesigen Religionsgesellschaft beigetreten seien. Wie ich nun von zuständiger Seite er- , fahre, stehen die leitenden Kreise der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft dem neuen Vereine vollständig fern. Hürben, im Nov. Die letzten Tage unseres dahingegangenen Jahres haben der einst so berühmten frommen Gemeinde Hürben— in politischer Beziehung wenigstens — das Lebenslicht gelöscht. Hürben hat sich mit der Nachbargemeinde Krumbach unter diesem Namen zur Stadt vereinigt. Die anläßlich dieser Vereinigung auf den-1. Oktober angesetzten Feierlichkeiten wurden durch anerkennenswerthes Entgegenkommen der Behörden den jüdischen Mitbürgern zuliebe bereitsam 28. und 29. September begangen und verliefen im Beisein des Regierungspräsidenten, des Bezirksamrmannes, der sonstigen königlichen und städtischen Beamten, der Geistlichkeit aller Bekenntnisse, der Kultusvorsteher etc. in glänzender Weise. Dem Gottesdienste in der Synagoge folgte der in der Kirche, und daran schlossen sich die mancherlei sonstigen Festveranstaltungen. Wir wünschen, daß das seit vielen Menschenaltern mustergiltige Zusammenleben und Zusammenwirken christlicher und jüdischer Bürger der bisher politisch getrennten Gemeinden Krumbach und Hürben für alle Zeiten in der nunmehrigen Vereinigung bestehen bleiben möge. Wie selten schon diese Harmonie oft zu Tage trat, davon nur ein Beispiel. Auf das Hungerjchr 1847., folgte .48 in Bayerisch-Schwaben. eine überreiche Ernte. Die Krumbachcr und Hürbener Bauern wollten sich durch einen besonderen Festgottesdienst dankbar erweisen, aber der Pfarrer^hon.Krumbach verweigerte das Oeffnen der Kirche;,.-da wandte man sich an den damaligen-Nabbiner Schwärz, .ynd fcex veranstaltete in der Synagoge, nachdem die .Bauern mit ihren geschmückten Erntewagen vorgefahren, einen noch heute von den Alten viel .besprochenen Dankgottesdienste Mehlsack, 20. Nov.' Der hiesige Lehrer I, Scheftelowitz wurde von der Polizei mit Strafe belegt. Werl er die Lungen aufblasen ließ, obgleich dieselben stets hinterher vernichtet würden. Außerdem wurde ihm auf das Schärfste verboten, in Zukunft eine Lunge auf-