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Der Israelit · 1902-11-24 · Heft 93 (24.11.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 93 (24.11.1902)
Date
1902-11-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43. Jahrgang. I« M jit M 93 des Literarische Umschau Ttndicn zur Geschichte der Juden in der Schweiz während des Mittelalters, von Augusta Steinberg, Dr. phil., Zürich. Schnetters & Comp.. 1902. XII u. 159 S. lieber die Geschichte der Schweizer Juden ist noch nicht viel gearbeitet worden; es bot sich auch wenig Veranlassung dazu, denn mit Ausnahme der Folter- Prozesse im Jahre 1349, welche die Anklagen wegen Vrunnenvergiftung zur Zeit des schwarzen Todes von den Gestaden des Genfer Sees aus über ganz Deutschland wälzten, haben die Schicksale unserer Glaubensgenossen in der Schweiz nur geringe Einwirkung aus die jüdische Geschichte anderer Länder gehabt. Nichtsdestoweniger begrüßen wir die vorliegenden, fleißig und umsichtig behandelten Studien einer begabten jungen Dame mit großer Freude. In der Zeit, mit der sich die Verfasserin beschäftigt, die Jahre des finstersten Mittelalters, gehörte die Schweiz noch zu Deutschland, und was dort immer geschehen, ist von Wichtigkeit, weil es unsere Kenntniß der Geschichte der deutschen Juden nicht nur ergänzt, sondern auch nach vielen Seiten hin die Verhältnisse klarer erscheinen läßt. Die trefflichen Abhandlungen unseres Buches über Judenschutz, gerichtliches Verfahren, Abgaben der Juden, Erwerbszweige, soziale Stellung innerhalb der' christlichen Welt, rücken viele Einzelheiten in der Behandlung unserer Vorfahren in deutschen Landen in ein helleres Licht. Das Werk der jungen Historikerin wird sowohl durch die vielen Auszüge aus sonst schwer zugänglichen Druckwerken, als besonders durch häufige Anführung von ungedrucktem Aktenmaterial aus archivalischen Quellen für die Forscher auf dem Gebiete der mittelalterlichen jüdisch-deutschen Geschichte unentbehrlich sein. Neben) vielem bisher Ungedrucktem im Text der Darstellung, finden sich im Anhänge 11 Beilagen mit Urkunden aus den Staatsarchiven von Solothurn, Bern und Basel. Eigenthümlich berührt uns die Darstellung des Fleischbezugs und Fleischverkaufs. Pag. 117 f., die mit dem Satze eingeleitet wird: „Wo immer ine Juden Aufnahme gefunden haben, wird ihnen gestattet, ihr Fleisch nach ritueller Vorschrift zu „schächten/^und die Regelung des Fleischverkaufs ist stets eine? der wichtigsten Punkte ihrer ' .Bürgerbriefe." Hieralso ist leider die moderne Schweiz dem finsteren Mittelalter gegenüber rückständig.'' ' 'Neben'"'vielem sonstigen Interessanten bietet Pag. 86—96 einen werthvollen Beitrag zur Geschichte der jüd. Aerzte. Wer die Veranlassung zu den entsetzlichen Verfolgungen im Jahre 1348/49 genau kennen lernen will, wird sich aus unserem Buche, Pag. 127 bis 136, Belehrung zu verschaffen suchen. Wer immer der jüdischen Geschichte seine Aufmerksamkeit zuwendet, wird das Werk Augusta Steinberg's dankbar entgegen nehmen, und besonders die geschickte Behänd-' lung des Schlußkapitels, „die äußere Geschichte der Juden in den Hauptzügen", seine Anerkennung nicht verweigern dürfen. Auf einen Mangel des Buches müssen wir jedoch Hinweisen und der betrifft die Vernachlässigung des Geisteslebens und der litterarischen Bestrebungen. Hier hätte sich gewiß in jüdischen Quellen Manches finden lassen. Es wäre schön, wenn die liebenswürdige Verfasserin zu dem Geschenk, das sie uns jetzt geboten, ein weiteres fügte, indem sie uns in einem neuen Studienhefte auch nach dieser Seite hin mit den mittelalterlichen Juden der Schweiz bekannt machte. Sicher würde sich auch hier zeigen, daß aus der finsteren Umgebung heraus das Licht der jüdischen Wissenschaft in den Zelten Israels nur um so herrlicher erstrahlt./ David Deutsch, Rabbiner in Myslowitz und Sohrau (O.-S.) Ein Lebensbild von Dr. I: N o r d e n, Rabbiner in Myslowitz. 45 Seiten. Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber ich habe unter den vielen großen Geistern, mit welchen uns unser heiliges Schriftthum vertraut macht, immereinige wenige gehabt, zu welchen ich mich besonders hingezogen fühlte, ja, nach welchen ich ein so intensives Heimweh verspüre, daß ich, ich weiß nicht was, für das Glück ihrer näheren Bekanntschaft gäbe. Zu diesen Auserlesenen zählt das Brüderpaar die Rabbiner Israel und David Deutsch.. Vor mehr als dreißig Jahren hat mir, ich weiß nicht .mehr welche glückliche Fügung, das Buch jnt zugeführt, welches Proben aus dem litterarischen Nachlasse Rabbiner Israel Deutsch's enthielt, die nach dessen Tod der Bruder Rabbiner David Deutsch veröffentlichte. Das Buch enthielt einige hebräische und deutsche Vorträge und hauptsächlich Briefe an Abraham Muhr. Ich habe noch in keinem Buche so viel .nn-? so viel Humor, Belesenheit und Weisheit harmonisch vereinigt gefunden, als in diesen Briefen. Meine Begeisterung für den Autor und Editor ließ mich nach allen ihren Schriften fahnden. die ich dann im Laufe der. Jahre aufmerksam studirt habe. Je größer meine Bekanntschaft mit den Schriften dieser hervorragenden Männer wurde, desto mehr wuchs auch mein Verlangen, Näheres

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