Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1902)
- Date
- 1902-11-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1960 Szene. Ich machte, daß ich so rasch als möglich fortkam, indem ich mir durch die versammelte Schaar der müßigen Gaffer Bahn brach. Diese peinliche Szene' machte auf mich einen, erschütternden Eindruck. Wie Dolche trafen mich die Blicke der Umstehenden. Ich habe ja so Manches schon im Leben durchgemachi seit meiner frühesten Kindheit und habe schließlich über-; wunden, aber wenn Du mich jetzt sehen würdest. Du würdest mich für eine auferstandene Leiche halten. Ich weiß nicht, wie und wann ich in Meiner Wohnung anlangte und bis zur Stunde habe ich mich noch nicht erholt. 17. Nissan. Lieber Freund! , Nach unendlichen Verhandlungen und nachdem wir uns zwei Tage lang vor dem Rabbiner prozessirien, ist endlich zwischen uns ein Vergleich zustande gekommen. Ich und mein Kompagnon haben unsere Pachtung an einen großen Holz Händler gegen ein Entschädigung von sechshundert Rubeln abgetreten. Davon bekam ich hundertundfünfzig und mein Kompagnon behielt den Rest. Von meinem Theil gab ich dem Gläubiger hundertundfünfundzwanzig Rubel und auf die weiteren fünfundsiebzig stellte ich ihm einen neuen Schuldschein aus. Nach Erledigung der Gerichtskosten und Vergütung des Faktors, der uns den Käufer ausfindig gemacht, blieben mir noch zwanzig Rubel. Das ist alles. Doch versichern uns geschäftskundige Leute, daß auch unser Käufer an der Sache verlieren wird.' Ich bin zufrieden, wenigstens etwas gerettet zu haben und das .Drängen des Gläubigers losgeworden zu sein. Doch stehe ich nun ganz rachlos und hilflos da. Den Kredit habe ich als Bankrotteur verloren, ich kann also kein neues Geschäft anfangen. Nicht einmal Schreiblehrer könnte ich jetzt wieder werden, da in unserer Stadt bereits zwei neue „Schreiber" zu den zwei früheren hinzugekommen sind. ' 4. Siwan. Lieber Freund! Ich habe Dir lange nicht geschrieben, da ich Dir im Grunde nichts Neues mitzutheilen hatte. Nach dem Vergleich waren mir zwanzig Rubel im Vermögen geblieben, wie ich Dir in meinem letzten Briefe mittheilte. Davon leben wir schon einen Monat, wir werden davon auch noch im laufenden, vielleicht auch im dritten Monat leben. Was soll ich aber schließlich im vierten Monat anfangen? Ich weiß es nicht. . 7. Thämus. Lieber Freund!!; v- Mein Plagegeist, der Geldwechsler Chajim, den ich im ersten Monat nach dem Vergleich nicht zu Gesicht bekam, ist wieder aufgetaucht.. Täglich sucht er mich heim und fordert ungestüm sein Geld zurück, obgleich er beim Rabbiner sich feierlichst verpflichtet hat, mir ein volles Jahr Ruhe zu gönnen. Er macht mir förmlich das Leben bitter. Wenn ich ihn durch's Fenster auf der Straße bemerke, flüchte ich mich auf den Heuboden oder in den Hof, um nur seinen Quälereien und Schimpfreden zu entgehen. Als ich ihn gestern durch das Fenster erblickte, wollte ich mich, wie gewöhnlich, auf den Heuboden retten. Doch er merkte wohl meine Absicht und stürzte in den Vorflur, wo er genau sehen konnte, wie ich die Treppe hinankletterte. „Was steigst Du so hoch hinauf, Freundchen?" fragte er mich höhnisch. „Willst Du schon so früh die Sukkah in Stand setzen?" Und nun bekam ich Dinge zu hören, die iÄ übrigens schon genugsam gehört habe und die ich wohl noch öfter herabschlucken werde müssen. - (Fortsetzung folgt.) Tonnerstag, 27. Stovcmber. 27. Cheschwan. jap 2'' Freitag, 28. November. 28. Cheschwan. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M.4 Uhr 00 Min» Samstag, 29. November. 29. Cheschwan. n*na nnbin . Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. Wh 5 Ahr 15 Min. — Berlin 4 Uhr 40 Min. — München 5 Uhr 10 Min. — Hannover 5 Uhr 02 Min. — Stuttgart 5 Uhr 14 Min.—Prag 4 Uhr 55 Min. — Straßburg 5 Uhr 20 Min. — Posen 4 Uhr' 34 Min. — Stettin 4 Uhr 40 Min. Sonntag. 30. November. 30. Cheschwan. ff'TT N DP Montag, l. Dezember, L- Kislew. n”n ’K dp Der Israelit" erscheint tyScliieEatlich zveiia&l, üFoiitßgö und Bomüerstags, jedeSinal t» mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnlrt aanjährlich, halbjährlich oder vierwijährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Grv Vuchhandrl vrrkrhvl durch V. Zf. Stein arke e, Leiprig, Notzplcch jb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonvareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband vro ^abraana für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder Hi Kronen dsterr.. futts Ausland l« Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3732. Telephon 10l5. StellesuLende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AnSgabe LeS ^Sraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten.. Wünscht man den Empfang der ..Kleinen Ausgabe" längere Zeit so kann man sich für 25 Pjennige das Vierteljahr, indetz ausschließlich bei der Post, auf dieselbe unter Nr. 3792a abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnsertiouSbetragS au ausser Stelle Befindliche bis nach . Erlangung einer solchen. ~ _ KrchaN: (Sairvtblary: Die Wissenschaft deS Judenthums., — Zeitungsnachrichten und Cocrespondeuzeu: Deutschland: Berlin. Hannover. - Sprcchsaal: Aus Bayern. - Feuilleton: 'Aus den Mieren eines Uebcrslumgen. (Fortsetzung.) - - - ' , Inhalt vrr Stil«««: Littecacüche Unychau. — Zeltungsuachclchten u. Correspondenzen: Deutichland: Hamburg. Burgpreppach. Gießen. Hürben. Mehlsack. Schweiz. Lenguau. — Dernnschtes. Derantworlliche Redactton: OSear Lehmann tn Mainz. — Exoedktion des Israelit". Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei Aktiengesellschaft in Mainz. - HTsVAU eine Beilage.