Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1902)
- Date
- 1902-11-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449880--57088-2519667- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1959 K e rr i l l e L o rr. A»s kn '-Briefen eines ileklWzen. Nach dem Hebräischen von M. E. E»ferrstaDt. 7, . / '; - 26. Adar. Lieber Freund! Die Verkündigung unseres Wetterpropheten Iwan hat sich nicht bewährt. Der Winter hat uns früh verlassen. Ganz unvermuthet schnell ist der Schnee geschmolzen, der aufgeweichte Koth in den Gassen reicht bis zu den Knien. Doch darfst Du nicht glauben, daß es mir um meine neuen Stiefel, oder meinen feinen Nock bange ist, die das schmutzige Wetter nicht vertragen. Nein, nein! Ich bin nur Brennholzhändler. Das milde Wetter hat mich also doppelt zu Grunde gerichtet: ersten braucht man kein Holz zum Heizen, da die Kälte erheblich nachgelassen hat; sodann hat der schmelzende Schnee die Wege gänzlich verdorben und unbefahrbar gemacht. Zum Uebermaß liegt unser Wald in einem Thal, die Holzstöße sind also nicht von der Stelle zu bringen. Unser Pachtkontrakt ist bald abgelaufen, wir haben also keine Hoffnung, auch nur Brennmaterial für das ausgeworfene Geld herauszuholen. Mit einem Worte, ich bin bankerott. . Einige Tage lang verbargen wir unsere Verwirrung, aber schließlich wurde unsere Lage ruchbar, auch. mein- Gläubiger erhielt Wind von der Sache, -und gestern erschien er urplötzlich bei mir und forderte ungestüm sein Geld zurück, dessen er angeblich zu einem dringenden Geschäft nothwendig bedürfe. Ich stellte niich ruhig und versprach ihm, am zweiten Tage „den kleinen Betrag" zurückzuzahlen, und. an demselben Abend eilte ich zu meinem Kompagnon, eröffnete ihm den wahren Sachverhalt und bat ihn um ein Darlehen von zweihundert Rubel. Doch er schlug förmlich Lärm:. Ich hätte ihn betrogen, indem ich behauptete, eigenes Kapital in's Geschäft stecken zu können, während^ich keines besäße; ich hätte ihn in's Unglück gestürzt durch die Pachtung eines Waldes, aus dem man kein Holz nehmen könne — als hätte ich den Umschwung des Wetters verschuldet — und so weiter,, und so. weiter. Ich hatte Mühe, loszukommen. - - Auf Anrathen meines Schwiegervaters reise ich auf-kurze Zeit nach der benachbarten.Stadt K.;mittlerweile wird er hier-.die Sachen in Ordnung bringen. ' 4 U l'r.-i 2 \ - , 29ittbat.. . 7^ Lieber Frehnd! '.müßte über eine geschicktere Darstellungskünst verfügen, um Dir meine Gefühle zu schildern, während ich die Stadt verließ. Um zehn Uhr Nachts. verließ ich mein Haus. Als mein Wagen dürch die öden-Straßen fuhr, begegnete ich dem alten Jakob>;Schreiher",'her müde , und erschöpft nach Hause wankte, um. von seiner harten Tagesarbeit auszuruhen. Wie geneidete ich ihn! Wie glücklich kam er mir vor! Er)htzngM nnhr.dar.bt,-.. aber seine Seele ist ruhig,',« ,ift zufrieden,; er! -öa'r^Z^ dem gerade in's Gesicht sehen. An/ein.erjede.n!.Kopeke, die er verdient,- .klebt sein heißer,-.'übittere^Schweiß,-' aber er rührt'keinen fremden Groschen an .-;:'! ^'.-Und ich? ... Habe ich nicht fremdes. Gut leichfertig v§tgeudet? Hat man. nicht ein Recht,- mich, söMnBankrditeur zu nennen? Freilich; dasselbe' ist' so nränchem Andern auch passirt, aber was nütztmir das?' Miy ich dadurch reiner, unschuldiger?^ Aus-dem. Postsiegel ersiehst Du, daß ich in-K. - bin;i WÄ^ichMWMi einer Verwandten aufhalte. Heute oder, morgen! fahre ich nach Hause zurück^ i '> °!. » 'v.; .. .Lieber.Freund! .. .... . .. Ix: Ich bin wieder in unserer Heimath^tM, iiDle'ich einem abgefangenen Dieb schämte ich mich anfangs, auf der Straße zu erscheinen, und zwei Tage lang, süß ich in meinem Zimmer eingeschlossen, doch am dritten Tage gab ich dem Drängen meiner Frau und meines Schwiegervaters nach und zeigte mich auf dem Markte. Während meiner Abwesenheit war mein GlaMMW mir zu Hause und -als errmich'nicht,fand>MuHKte'A einen wilden Auftritt. Hein-.-Leute'.-suDenrHn^NL - fangs durch begütigende Reden zu'!beschwMtigen)>tn-. dem sie ihm versicherten, alles) . bis auf Heller Pfennig spätestens im ■nadjiffeh. er aber nicht aufhörte zü toben, schlügen sie einen anderen Ton an und suchten ihn zu überschreien.Aas gelang. Aber, als ich heute MorgenzuiüVekennin's Beth-Hamidrasch ging, begegnete nfir. seine Fra:;.-.unterwegs und kühlte ihr Müthchen anmir, indem, sieeinen Strom von Schimpfreden über mich.ausgöß,-.:!sochatz mir Hören und Sehen herging)^ Trostlos Und gedrückt tahgü;jMiM drasch an, und, obgleich säst ällf.Äe.rhnnten..sH^gwandten, hatte ich doch die Empfindüng, .'vdaß Aller Blicke auf niich gerichtet waren. ^. Da man:, mich - :nn zweiter Stelle zur. Thora aufrief.^^SHahlWPW Donnerstag bildete Ichipir ein, man ,halte. mich ZMN Vesten, da. man mich aU.)Stell<.de^'Ävü'ÄsmNMnd.- damit andeuten wolle, ichsei ein^)Laüwe!MsMerHtzer nicht bezahle. NachhererstküM-^mM^OlsüöMHsu^ mich ^lnz'u Andi stzg-'an, chMrmk'WeüchM^MM muthzü..foltern, .Ms ich ' nupdäs Eine;.antwyr.teje' werde Alles' zürückzähien)' schließlich wüthend und regalirte mich mit'einer zweiten Auflage der mir vorhin von seiner ,Fraü . bereiteten rauf alle^e^A^Msun^en j so bald': ich)-bann/^'würde' er