Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1902)
- Date
- 1902-11-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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gesetzt werden muß, das Geschäft des Mannes fortzu-! führen. Die Aufnahme der Kinder in ein Waisenhaus wird in vielen Fällen ebenfalls sofort veranlaßt werden müssen. Bei den Lungenkranken sind drei Gruppen zu unterscheiden, die eine verschiedene Behandlung erforderlich machen. Im akuten, fieberhaften Stadium hat eine Verbringung des Kranken in ein Krankenhaus für etwa vier Wochen stattzufinden. Ist der Patient theilweise gebeffert und nur noch ein letzter Rest des Leidens zu beseitigen, um die volle Arbeitsfähigkeit wieder zu erzielen, so wird sich ein etwa 3—4 monatlicher Aufenthalt in einer Lungenheilstätte empfehlen. Hier wird in bester Weise die Lungenheilstätte für jüdische Kranken eingreifen können, die in Kurzem in der Nähe von Berlin errichtet werden wird, und 50—60 Kranke aufzunehmen im Stande sein wird. Für die Verbringung von Kranken unter andere klimatische Verhältnisse, die in der That oft in Frage kommen kann, würde ein Aufwand erforderlich sein, der weit über die Kräfte einer Armenverwaltung hinausgeht. In die letzte Gruppe gehören endlich die ungeheilten Fälle von Lungenschwindsucht. Hier können nur gelegentlich Geldunterstützungen bewilligt werden oder aber Heimstätten für unheilbare Lungenkranke in Betracht kommen. Zu diesem Zwecke könnten im Anschlüsse an Lungenheilstätten die Errichtung von Pavillons für diese Gruppe von Kranken beschlossen werden. Zur Verhütung der Verbreitung meser mörderischen Krankheit ist jedoch eine stetige Beaufsichtigung der hygienischen Zustände in den Wohnungen der Lungenkranken durchaus erforderlich, deren Namen in eine Liste des Centralpflegevereins einzutragen sind. Die ärztlichen Beigeordneten des Vereins haben die Anordnungen zu treffen und die Pfleger deren sorgfältigste Jnnehaltung zu überwachen. Sämmtliche Patienten müssen durch den Verein Speigläser erhalten, um ihren Auswurf unschädlich zu machen. An der Hand des.Beispieles aus Frankreich, in dem es allerdings keine gesetzliche Armenpflege, sondern nur eine freiwillige Thätigkeit gibt, sucht der Redner darzulegen, daß die von ihm gemachten Vorschläge völlig durchführbar sind. Mit dem Hinweis darauf, daß für jede Institution das Schematisiren den Tod bedeute, während blühendes Leben aus einer verständigen und kräftigen Organisation sprieße, endete der Vortragende seine interessanten Ausführungen. Der Vorsitzende des Verbandes sprach den Dank der Versammlung für den Vortrag aus und erbittet und erhält die Erlaubniß, das Referat drucken zu lassen, um den Mitgliedern des Verbandes die Möglichkeit sorgfältiger Erwägung aller angeregten Punkte zu gewähren. Im Anschluß daran gab er den üblichen Geschäftsbericht und legte die bereits auf's Glänzendste durchqeführte Organisation d. Wöchnerinnenpflege dar. Herr Martin Simon gab dem Wunsche Ausdruck, daß möglichst bald der Ausschuß die nothwendigen Schritte einleiten sollte, um die Anregungen, die ' eine dringende Erledigung erfordern, bald in die Thal überführen zu lönnen. Im Laufe der Diskussion wurde noch eine Auskunftsstelle für das gesammte Gebiet der jüdischen Wohlthätigkeitspflege angeregt, deren Errichtung der Vorsitzende als selbstverständliche Krönung des Gebäudes, das der Verband aufbauen wolle, bezeichnete. Berlin, 20. Nov. Durch das tragische Ende des Malers Mosi^, der sich zu Venedig erschossen hat, war an der Akademie der erste Michael Beer-Preis für jüdische Maler aller Fächer frei geworden. Der Wettbewerb wurde daher für Michaelis 1902/1903 von Neuem eröffnet; der Preis beträgt 2250 Mk. zu einer einjährigen Studienreise nach Italien. Wie verlautet, hat unter vier Bewerbern der 25jährige Maler Nikolaus Schattenstein in Wien den Preis errungen. Ein von dem Künstler gemaltes Bild „In Untersuchungshaft" wurde vom Naüonalmuseüm in Krakau angekauft. . Berlin, 20, Nov. Die „Judenfrage" in der Armee wird von den „Neuen militärischen Blättern" sehr einfach und sehr elegant abgethan. Es gibt „eine . ganze Anzahl von jüdischen Staatsangehörigen, die es zum Vizefeldwebel der Reserve und Landwehr gebracht haben, selbst einige Offiziere des Veurlaubtenstandes jüdischen Glaubens sind uns bekannt. Es. besteht keinerlei Hinderniß für diese Leute zum Aufrücken, allein es liegt nun einmal in dem Wesen-der Dinge, daß die Zahl derer, die sich dazu eignen und denen es überhaupt darauf ankommt, eine verschwindend kleine ist. Einer besonderen Begründung bedarf es nicht, die Verhältnisse sprechen für. sich selbst." Basta. Es besieht keinerlei Hinderniß außer dem Wesen der Dinge. Dieses Wesen ist nichts Anderes, als das Unwesen des verborgenen Antisemitismus. Der Jude ist körperlich ungeschickt und feig dazu — das ist so die gangbare Auffassung in der Armee, und wenn ein Jude seinen Kameraden an Gewandtheit und Schneid noch so sehr überlegen ist, er bleibt dem Vorgesetzten im Stillen „verdächtig" und eine der zartesten Kasernenhof- und Kasino-Vlüthen deutet ihm durch die Blume den wahren Grund der Nichtbeförderung an: seine militärische Laufbahn sei ihm bereits bei der Geburt abgeschnitten. Da soll doch Niemand auftreten und vom „Wesen der Dinge" reden oder auf die paar Ausnahmen Hinweisen,. in denen sich die Beförderung jüdischer Mannschaften wirklich nicht umgehen ließ, ohne das in Offizierkreisen ohnehin nur .halb versteckte. Vorurtheil gänzlich zu enthüllen. Hannover, 20. Nov. Unter allseitiger, lebhafter. Theilnahme beging am Dienstag, 4. Nov., Herr Bernhard Löwenstein, das langjährige verdiente Mitglied des Repräsentanten-Collegiums, der Synagogen-Gemeinde und Vorstands-Mitglied fast sämmtlicher wohl-