Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-11-24 · Heft 93 (24.11.1902) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 93 (24.11.1902)
Date
1902-11-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449880--57084-2519663
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1955 Buches kümmert man sich nicht, von der Thora sprechen sie nicht mehr. Daher sprechen sie von der Wissenschaft des Judenthums, gründen sie Vereine zu ihrer Förderung, debattiren sie fünf Stunden über das, was sie eigentlich wollen, und der Thora wird auch nicht, mit einem einzigen Sterbenswörtchen gedacht! Sie möchten sie todtschweigen, damit die Welt ihnen leichter den Gefallen thut, zu glauben, sie sei wirklich gestorben, und die von Gott selbst ihr Angetrauten könnten nun ihrer los und ledig ein ungebundenes Leben nach ihrem Belieben führen! Treffen diese Voraussetzungen nicht zu, so gewinnt meine Frage noch an Aktualität. ' Ist' die Wissenschaft des Judenthums, die Wissenschaft der Thora, warum nennt man.denn das Kind nicht nur nicht mit dem rechten Namen, sondern warum schweigt man ihn geradezu tobt? Ist aber die Wissenschaft des Judenthums nicht die Wissenschaft der Thora, was um HimmelZwillen ist sie. denn? Mit wie gierigen Blicken habe ich zur Beantwortung dieser Frage die vier verschiedenen Arbeitsgebiete studirt, die ein Redner als Aufgabe des neuen Vereins bezeichnete! Sie heißen:? / 1) Gewährung von Stipendien an jüdische Gelehrte. - . 2) Herausgabe von Schriften, welche die Wissenschaft des Judenthums vertreten, und einer periodischen . Zeitschrift. .'• 3) Förderung der Errichtung von Lehrstühlen an geeigneten höheren Lehranstalten. ' 4) Alljährliche Generalversammlungen. ' Wer könnte daraus ersehen, was die. Wissenschaft des Judenthums ist. die hier mit diesen vier Mitteln gefördert werden soll? - ~ Aber was sich hinter dieser. Sphinzr auch verstecken mag, ohne Thora kann sie nicht fertig werden, ohne Thora kann sie nicht einmal anfangen, von einer Wissenschaft, des Judenthums auch nur zu sprechen. Auch wenn ihre Wissenschaft des Judenthums, die' unter diesem Namen bis jetzt: betriebene. Todtengräber- Arbeit, welche dcm n .jrc: . cW vn das Grab gräbt, fortsetzen wollte, auch wenn sie tendenziöse jüdische Geschichte nach den vorhandenen Meistern weiter fälschen, oder sich der Destillirung bibelkritischen Scheidewassers widmen wollte, die Thora müßten sie lernen, um ihre kritischen Weisheitszähne daran wetzen und ihr den Todesschein und die Verschollenheitserklärung mit einem Schimmer yon Wahrheit aasstellen zu-Ännem- :V.\? ' Woflen sie das wirklich, und das müssen sie wollen, dann eröffnet', sich, .ihnen ein großes Feld für^hr<Be-. strebUngen zu Gunsten. der Wissenschaft des Juden^"' steigendstebrauchen, nicht'zu? Schriften, "Zeitschriften und . Generalversammlungen zu greifen, sie brauchen. n sich zu blicken. um sich zu.'überzeugen, wftes / an den ersten Rudimenten, wie es an dem Unterbau . fehlt, während.. sie an einem. in' der. Luft. schwebenden '. Dach zimmdrn.'? > . ' , . . , ' In Berlin gibt es ungezählte Tausende von jii- '. dischen Kindern, die Analpha beten .sind, in Berlin hat. ' schon vor dreißig Jahren ein christlicher Lehrer des' , Sophiengymnasiums neue jüdische Schüler nach Moses'. gefragt, ohne daß er eine Antwort, erhielt, in Berlin ist die Uükenntniß des Judenthums' und . seinerPflich-, ten bei den Schülern'und Schülerinnen so Himmel- . schreiend groß, daß. die'staatlichen Behörden wiederholt... auf diesen Jammer hinwiesen, und. sie schämen sich nicht, einen Verein zur Förderung der Wissenschaft, des Judenthums zu.gründen, der diesen geistigen Nothstand ignorirt, ganz so, wie er das Erlernen der Thora todt-..^ schweigt. ' ’ , > - X/'ir . •-- Diese Wissenschaft des Judenthüms wird das alte...' ehrliche' Judenthum nicht aus. dem . .Säfte! und /- noch |...; weniger ihr modernes,, neuhebräischeskn den Sattel heben. Es ist. hinlänglich dafür, gesorgt,,' daß diese reformjüdischen.Bäume.nicht in den^Hiflünel wachsen..^?. Vor zwanzig Jahren haben sie dieselbe destruktive Tendenz durch eine „Zunz-Stiftung" zu verewigen gesucht. Heute müssen sie selber gestehen, daß dieselbe nur noch . kümmerlich vegetirt und daß man das Interesse für sie nicht mehr wecken kann. Das Kind soll einen neuen Namen bekommen und sie sind wirklich s0naiv.;ju.;.; glauben, der Bankerott ihrer Firma..kynnx. durch ein. neues Aushängeschild'aufgehalten oder.'dochverschleiert, werden! ' ' >. ' Die Taufpathen,. die dieser wunderlichen Sorte von Wissenschaft des Judenthüms. vor 50^-760 Jahres Gevatter standen,' die Geiger, .Krochmal, Jost, Grätz und wie sie alle,heißen, .. konnten; ^.schoft biefet JSf f lejt=: . Wissenschaft für" den Augenbtich ein bestechliches, salonfähiges AeüßerG geben, und die Wissenschaft der Thora der Verachtung und dem Gespotte '.'preisgeben. .. Das tonnten sie aber nur,/weil sie in. der''Jugend'.noch selbst Thora nach altem. Schnitt gelernt chatten,: weil. sie. ihse-^ Augen erleuchtende,.'Geist schärfende Kraft aüß!thr'- ge-.^. sogen hatten, die sie nun.. gegen.: ihre,.- eigene.'-;.geistige^ Mutter wandten: '''Ääs'.konnenWr''^Estigönen'''. aber" nicht. - Sie haben, von ihren Vorbildern nur die Ver-./ acht'ung, aber nicht...ihre Thora..geerbt.. Warum sollte - man auch seine Jugend, ihre Tage und Nächte übercheE alten Folianten, verbringen, wenn . ihr . Jnhajt wirklich, nichts als ein Sammelsuristm von' menschlichen HirnÄ .gespinsten, Spinnengeweben^ Tüfteleien-.und' SpitzfinwlgMWntM! - z .wivpSMift daher tödjgeborene V^reiU.ZMden, Miigliederbeiträge und erßntuellMWuMMeM^^MkN können^äNch. GenewlvxMKmWgit'tjs. abstalteÄnnwDank der Geduld de^Druäpaplers, ..von. keinem gelesene,.' periodische und andere Schriften^' herausge.ben,. über „Lernen" können sie nicht. Deßholb

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.