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Der Israelit · 1902-11-24 · Heft 93 (24.11.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 93 (24.11.1902)
Date
1902-11-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Früher hat's/mich empört, wenn ein Jude fragte, was Judenthum ist, und hat mich'immer so dumm angemuthet, als, wenn ein Deutscher fragte,, was.Deutschlands und ein Schuhmacher fragte, was'ein Schuh sei.. Ich. hätte solchen Frager mit dem Gleichniß des Midrasch vcn dem Vater und Sohn dienen mögen, das Raschi zu den Worten . l'rr. LX 52 ü. cm (2. B. M., 27.;Capi, V. 7) citirt. / Ein Väter nahm seinen Sohn auf die Schulter- und machte sich so mit ihm auf'den Weg. Wenn der Sohn etwas am Boden liegen'sah. das er gern gehabt hätte, so sagte er: „Vater, hebe mir die Sache auf und. gib sie. mir;" und der Vater entsprach ihm. einmal, zweimal' und ein. drittes.Mal. Da .trafen sie unter- ' wegs mit . Jemanden zusammen und. das Kind fragte ihn:, :; /^ .../ ,'' - " ' /„Weißt Du nicht, wo mein Vater ist?" „Du. weißt 'nicht/ wo. Dein Vater ist?" rief dieser' erzürnt dazwischen, „ich werde es Dir zeigen, wo er ist." Mit diesen. Worten warf er den Sohn zu-Boden Und sofort fiel ihn ein Hund an und richtete ihn übel zu... . Ob. man durch solche Frage unseren himmlischen. Vater oder durch die Frage „was ist Judenthum?"' unsere geistige Nährmutter verleugnet, hielt ich in meiner Einfalt für eins und dasselbe.. Sie ruhen auf den Schultern des Judenthums, werden' von ihm gehalten und getragen, es sieht ihnen aus dem Auge, aus der Nase, aus dem ganzen Minenspiel ihrer Physiognomie. sie möchten sich-von ihm losmachen und es. hält sie mit tausenden von Banden fest, und während es sie hoch über die Meute hebt,. die die Zähne nach ihnen fletscht, fragen sie .mit..kühler.ütathederruhe .rr.n nc Was lst .JudenHum? . . '/ Heute urtheile. ich über das: alles. milder. Es braucht nicht Apostasie, nicht Undankbarkeit und .Niedertracht zu sein, das sie so fragen läßt,- sie fragen, wie ich, nach der Wissenschaft des Judenthums und''möchten zuerst wissen, was Judenthum. ist. Freilich liegt. etwas Unheimliches, Krankhaftes und' Fia de meele-artiges in dieser Suche nach Judenthum, das in. den Zeiten,, in welchen es noch keine Neuhcbräische Litterätür gab, '.ganz fremd war. Es war 'ihnen, fremd, nicht nur aus dem äußeren Grund, weil die' Worte nn-p! und Judenthum,. mit welchen heute so' viel geklappert, wird,/ noch gar ,nicht gemünzt wärest/'sondern/aus.viel tiefer .liegenden Ursachen, / Wenn! Judenthum^ dasjenige' ist,' was den Menschen ^zilch/Jpden/macht,./wenn,.Judenthüm.die Seele des.jüdischen HätionalHLvers'/'.der. Pussschsäg'.. ..üyd 'ZDnMA.Hi/Msche^ÄesamM dg.yn.."Ie- Neift sichK dMdie. fieMhafte7Duche''nM'Dm/W - E'JudMhilM M'.'Zeichey.'von' Krankha^tiZk.^.t^.eln timNgMehHyntAoI''t>prirj feeHpQ*/ Beim' normalen, gesunden Menschen' fünktiomren Puls und Nerven, ohne daß der Mensch sich .dessen bewußt ist. Erst der Kranke sucht, und fühlt den Puls, und der Nervöse'spricht von den Nerven, er wird erst an sie erinnert, wenn sie nicht mehr normal, wenn sie krankhaft infizirt sind.. Man hat nie mehr nach der Seele gesucht, als in den Zeiten, in welchen sie geleugnet wird, das waren für Philosophie und Psychologie die fettesten Jahre. Daß die Ausbeute, die bet dieser Suche zu Tage gefördert wird, so kärglich, ja so vollkommen null ist, erklärt sich aus der ergötzlichen Geschichte des Mannes, der sich Abends auf einen Zettel die Bänke, Stichle und Oertlichkeiten notirte, auf welche er die einzelnen Kleidungsstücke niedergelegt hatte, um sie Morgens leichter finden zu können, was ihm auf diese Weise auch vollkommen gelang. Aber am Schluffe , seines Liegenschaftsverzeichnisses chatte er auch die Bemerkung beigefügt, daß der Schreiber im Bett liege, und diesen konnte, er nun niemals finden, wie gründlich er auch Decken, Kissen und Polster danach untersuchte! Hätte er nicht gesucht, wäre.er ruhig im Bette liegen geblieben, so hätte er sich leicht darin finden können. Sein Suchen hat ihm das Finden unmöglich gemacht. Deßwegen finden unsere Psychologen die Seele und unsere neuhebräischen Litteraten das Judenthum nicht. Unsere Altvordern waren in mediasres. deßhalb kamen.sie gar nicht auf den Gedanken, ihr Judenthum zu suchen, unsere Neologen sind es nicht mehr, deßhalb sind sie vom Judenthum umso weiter entfernt, je emsiger sie darauf Jagd machen. . . . Natürlich/, wäre es aber thöricht zu glauben, die. Inden vom alten Schrot und Korn, die uns das einzige, wahre, historische Judenthum überlieferten, das man zur Unterscheidung von den Zwitterjudenthümern unserer Tage heute das orthodoxe nennt,- diese altmodischen Juden hätten kein. m-irr* und kein Judenthum gehabt. weil diese Schlagworte in ihrer Zeit noch nicht geprägt waren.^ Sie wußten so gut und noch besser, als die Wortführer der neuhebräischen Litteratur. was den Menschen zum Juden macht/sie kannten die Seele des jüdischen Nationalkörpers, den Herzschlag und Lebensnerv der jüdischen Gesammtheit ganz wohl, aber sie nannten ihn nicht Judenthum, sondern mit seinem rechten, einzigen Namen: Thora, , Von ihr sprechen unsere modernen Wissenschaftler nicht mehr, weil sie sie so lange für äbgesetzt. für todt und verschollen erklärt haben, bis sie selber an deren | Tod glaubten, wie. der Vagabund, der seine zu Hause im.Elend schmachtende _ und der Wiederkehr ihres Gatten harrende Frau, so oft und. so lange für gestorben j ausgihl> dis/er es. schließlich , selber glaubt.. Die. Thora! haben, sie den/Bibliotheken, den Archäologen und Histo-! rjlern. als ergiebige Domäne überwiesen/ diese' ergruu- M den Einbänssde,ckel/^ob/ da nicht, ein/Permert,//zu; MM; wejn daß^.Vuch..fm/ Jahre' Mtz' geMe/Z/sL - untersuchen auch',' wänn/,/.und'/ wö/Häs Buch.' geffrrM wurde und kennen ganz genau die Baseler, Bamderger oder Venetianer Typen, aber um den Inhalt des

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