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Der Israelit · 1902-11-24 · Heft 93 (24.11.1902) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 93 (24.11.1902)
Date
1902-11-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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-Ein -. , :«••; :• . ••. Aenlrak-Hrgan für das orLhodo.re IudenIHum. Begründet von ' , D-. DeHwsnrr. m Wtniut" _■ Montag, den 24. Cvefchwa« 566S 24. November 1VS2. Die Wissenschaft des Iudenthums. Berlin, 21. November. Was ist das eigentlich: „Die Wissenschaft des Judenthums?" Ich höre besonders in jüngster Zeit so viel von ihr sprechen, und wenn das Lessing'sche Wort, daß man von derjenigen Tugend am meisten spricht, die man am wenigsten hat, auch für '.die Wissenschaft und also auch für die des Juden thums - seine Berechtigung hat, so muß sie recht spärlich bei ihren beredten Anwälten und Wortführern vorhanden sein. Sie sind am 2. d. Mts. im Logensaale in der Wilhelmstratze 'zusammengekommen, um einen „Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums" zu gründen. . ' Fünf Stunden haben sie debattirt, gerathet und gethatet. und vielleicht hat keiner den Debatten mit größerer Aufmerksamkeit verfolgt, als ich Böotier, der ich von dieser guten Gelegenheit eine Beantwortung der Frage erhoffte, die mich schon so lange beschäftigt und die ich deßhalb an die Spitze dieser Zeilen gestellt habe. Daß ich es nur gleich voraus schicke, meine Frage rst bei diesem Anlaß nicht nur nicht beantwortet, sie ist nicht einmal gestreift worden und Da steh' ich nun, ich armer Thor Und bin so klug noch wie zuvor. Die Herren, welche die Wissenschaft des Juden-', thums fördern wollen, müssen diesen Gegenstand ihrer Förderung ohne Zweifel kennen. Es ist daher grausam von ihnen, daß sie dieses Geheimniß so ängstlich für sich behalten, zumal Herr Prof. Geiger ausdrücklich erklärt hat: „Der Verein solle nicht eine Gesellschaft von Männern der Wissenschaft, von Rabbinern bilden,- sondern solle weite Kreise des praktischen Lebens daran erinnern, daß es eine Wissenschaft des Judenthums gebe." ' - " ' . - Zu diesen weiten Kreisen gehöre auch ich. Wenn es Herr Prof. Geiger gesägt hat, so wird es wohl wahr. sein, daß es eine Wissenschaft des Judenthums oder doch etwas gibt, das von Herrn Prof. Geiger und Genossen für Wissenschaft des Judenthums angesehen und ausgegeben wird. Aber was, um Himmelswillen ist denn die Wissenschaft des Judenthums, womit befaßt'? sie sich,, aus welchen Quellen ist sie zu schöpfen, wo kann man sie lernen, was sind ihre Hilfsmittel, ihre Zwecke, ihre Ziele, ihre Wurzeln, ihre Vlüthen, lürz,^ was ist das: die Wissenschaft des Judenthums? Wäre ich ein reicher Mann, ich würde eine Art Nobel-Preis für die Beantwortung dieser Frage aussetzen. Leicht ist die Frage jedenfalls nicht zu beantworten, sonst wäre die Beantwortung gewiß schon längst erfolgt. Sie erfordert zunächst die Erledigung einiger Vorfragen. Wenn man erfahren will, was die Wissenschaft des Judenthums ist, muß man zunächst wissen, was Judenthum ist; das'ist auch nicht so einfach. Heute gibt es so viele Judenthümer, als es jüdische Gemeinden gibt und der alte prophetische Klageruf: mw wi ibbo '2 ist heute eine buchstäbliche Wahrheit geworden. Deßwegen muß auch jede Gemeinde heutzutage ein besonderes, ihrem Spe-. zial-Judenthum entsprechendes Gebetbuch haben, und deßhalb hat es in der guten alten Zeit, in der cs nur ein Judenthum gab, auch nur eine einzige Tefillo gegeben. . In den jüdischen russischen Zeitungen, diesen Hauptstapelplätzen des rw'v und r.D-nptK, das man heutzutage neuhebräische Litteratür nennt, von welcher sie als Scheidemünze und Kleingeld unter die Leute gebracht wird. . in diesen hebräischen Zeitschriften hat die Behandlung der Frage nn-vn «n no Mas ist das Judenthum? eine ständige Rubrik und. kehrt in den verschiedensten'Variationen wieder. . ...

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