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Der Israelit · 1902-10-27 · Heft 84-85 (27.10.1902) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 84-85 (27.10.1902)
Date
1902-10-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1782 Der Ausdruck dieser wahren ungekünstelten Rührung wirkte beruhigender auf die begeisterten Zuhörer, als es Worte im Stande gewesen wären, man wußte, man fühlte es, daß Frau Bergheim ihre Rolle nicht nur spiele, sondern daß sie ein Stück ihres Lebens, ein Bild ihres ureigensten Selbst vor ihren zahlreichen Zu-' Hörern entrollte. Todtenstille entstand im menschenerfüllten Hause; man achtete den Schmerz der Frau, welche in dem schleppenden Trauergewande und dem Wittwenschleier so rührend schön auf der Bühne stand. Die Vorstellung war zu Ende. Frau Bergheim fuhr mit ihrer alten Tante in ihre Wohnung zurück, aus der ihr ein fast betäubender Duft entgegenram, denn man hatte indessen alle Blumenspenden der Künstlerin hierhergeschafft. Während die Tante bewundernd die einzelnen Sträuße, Kränze und Blumenkörbe einer Musterung unterzog, lehnte sich Frau Vergheim müde in ihren Schaukelstuhl hin und schloß die Augen, ohne vorher einen Blick auf diese Vlumenfülle geworfen zu haben. Sie schien zu schlummern. „Sieh' da, Kind," rief die Tante aus;,, dies ist aber nett! Die Primaner der hiesigen Gymnasien haben einen Kranz gestiftet,' lauter rothe Rosen, und statt grüner Blätter zwischen den einzelnen Blumen — je eine Visttkarte gesteckt, das mußt Du Dir anschauen," und sie reichte der Künstlerin den Kranz hin. „Bitte, liebe Tante, ich bin so müde, lies Du mir die Namen dieser wackeren Jungen vor, vielleicht ist ein bekannter darunter," sagte, aufmerksam geworden, Frau Bergheim. 7 7 Mehrere ganz fremde Namen schwirrten vor ihr Ohr. Auf einmal fuhr die Schauspielerin empor: „Träumte ich, oder hast Du wirklich den Namen Rudolf Berger gelesen, Tante?" „Wirklich steht auf einer Karte dieser Name; glaubst Du aber, daß nur Dein Sohn allein so heißt? Der Name ist kein ungewöhnlicher, und wie käme er denn hierher von Prag nach Berlin?" v „Gleichviel, ich muß diesen jungen Mann sehen!" „Nichts leichter als das. Auf der, Karte steht seine volle Adresse und so ein junger Bursche wird es stch gewiß zur hohen Ehre rechnen, von einer Künstlerin'. Deines Ranges zur Audienz befohlen zu sein." So war es auch. Voller Stolz saß anderen Tages der Gymnasiast Rudolf Berger seiner Mutter gegenüber. .— Olga hatte in ihrem jungen Besucher sofort ihren Sohn erkannt an seiner Aehnlichkeit mit seinem Vater, an dem stürmischen Pochen ihres eigenen Herzens. - Es bedurfte des Aufwandes ihrer ganzen schauspielerischen Kunst, um.ihre Gefühle zu bemeistern und den hochgewachsenen jungen Mann nicht in ihre Arme zu schließen. •/. 7 .... ,\' „Nein," sagte sie sich, „er darf mich nicht kennen, er soll mich lieber wie bisher als todt betrachten/als 'daß er mich verachte". ,> (Schluß folgt.); - Freitag. 31. Oktober. 30.'Tischri. N"n * ' V -■ Sabbat-Anfang in Mainz und.'Frankfurt a. M.4 Uhr 35 Min. Tamstag, 1. November. 1. Chcschwan. ro irrt '2 rm Sabbat-Ausgang in* Mainz und in Frankfurt a. M. 5 Uhr 50 Min. — Berlin 5<Uhr 22 Min. — München 5 Uhr 37 Min. — Hannover 5 Uhr 37 Min. — Stuttgart5 Uhr.43 Min.—Prag 5Mhr 30 Min. — Strasburg 5 Uhr 55 Min. — Posen 5.Uhr 10 Min. — Stettin 5 Uhr 17 Min. Der ..Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags nnd Donnerstags, jebeSatal i# mindestens zwei Bogen. P>eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld.. Ausland entsprechend höher. Man 'bonnnt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an.- ■ Vllchhnudel vevllLhrk durch V. A Sleinalker, Leipzig, Rossplatz )6. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene , Non 7reil!ezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direcie Francozusendung unter Streifband vro ^gang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Biark oder 16 Kronen österr.. sür's Ausland iS Mark, an die v \ \ Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3792. Telephon 10 5. . Stellen, 'ende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgatze!r »»;ndit" vier Wochen lang gratis und sraneo erhalten. Wünscht man den. Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere qejt jßf ann man sich für 25 Pfennige bas Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post, auf dieselbe unter Rr.L792tt abonniren. §r„k/ Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnsertionSbetragS a« außer Stelle Befindliche bis nach W(r Erlangung einer solchen. VInhalt: lHauptbkatt): Rabbr SußmaNn Svfec — Zettmigsnachrichten n. Corrcsvonderven: Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. Insterburg. Köln. Koiberg. Höchst a.M. Autenhansen. Ungarn: Budapest. Frankreich: Paris. Amerika: Newyork.—Vermischt^. — Feuilleton: Stahl auf Stein. . .. . - Anhalt der ersten Deikag«: Literarischer Bericht. — Zertungsnachrichten und Corresyondenzen: Deutschland: Mainz. Hamburg; Köln. Aanerika: Newyork. ,. Anhalt der zweiten VeUaa«: Anden iüdischcn Studentenverbindungen — Zeitungsnachrichten und Cocrcspondenzen: Deutschland BreLlÄu. Oesterreich: Saraievo. Frankreich: Paris. Rumänien: Bukarest. ' ' . ' / Extra-DrUagen: Gewinnplan der Hen.-Thür. (Mitteldeutschen) Staatenlotterie von I. B. H e i m-jr^ Hoflieferant. Mainz. 7/7 Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des ^FSraelit". Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wkrth'fchen Hofbuchdruckerek Actien-Gefellschaft in Mainz. Merz« drei Veilagerr.

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